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Spielzeit 2020/2021 – Editorial

Lebendige Traditionen

Jubiläen sind wichtige Ankerpunkte, an denen Traditionen spürbar werden. Daher würdige ich Ludwig van Beethoven in der Woche seines 250. Geburtstags mit einer Uraufführung. Beethoven 9 soll das Ballett heißen – eine Verbeugung auch vor der musikalischen Tradition, die der Komponist mit der geradezu mythischen Zahl seiner Sinfonien initiiert hat. Dabei freue ich mich darauf, mit Kent Nagano unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit fortzusetzen, die sich bei der Kreation von Turangalîla so glänzend bewährt hat.

Auch die Tschaikowsky-Ballette sind ein künstlerisches Vermächtnis, das prägend für die Entwicklung des Genres Ballett wurde. 1993, zum 100. Todestag des Komponisten, habe ich meine Fassungen seiner drei großen Ballette an aufeinanderfolgenden Abenden gezeigt. Heute wäre dies unmöglich, denn die Ausstattung des besonders aufwendigen Balletts Dornröschen muss zunächst neu nachgebildet werden. Aus diesem Grund werde ich Dornröschen als Sommerpremiere 2021 herausbringen. Jürgen Rose hat seine persönliche Unterstützung zugesagt, und auch ich werde die Choreografie bis dahin von Grund auf neu durchdenken.

Die Wiederaufnahmen der kommenden Saison zeigen beispielhaft, auf welche Weise ich künstlerische Impulse von außen an meine Compagnie heranführe. Das Ballett Sylvia habe ich als Gastchoreograf der Pariser Oper kreiert und es noch im gleichen Jahr für das Hamburg Ballett bearbeitet. Liliom wiederum ist das treffende Beispiel eines Balletts, für das ich einen Kompositionsauftrag vergeben habe – in diesem Fall an den bekannten Komponisten Michel Legrand. Auch die Einladung von Werken anregender Choreografen wie Christopher Wheeldons The Winter's Tale dient der Vielseitigkeit meiner Compagnie.

Über allem steht die Weiterentwicklung eines unverwechselbaren Ballett-Ensembles, das sich im Rahmen von Kreationen herausgebildet hat – im September eröffnen wir bereits unsere 48. Saison! Unser Repertoire ist besonders groß, und die Tänzer müssen zahlreiche choreografische "Sprachen" beherrschen, wenn Sie meine Werke in ihrer abwechslungsreichen Vielfalt interpretieren. Neben verschiedensten Literaturund Handlungsballetten, allen voran Die Glasmenagerie, zeigen wir in der kommenden Saison mit All Our Yesterdays ein Sinfonisches Ballett sowie weitere Genres wie das eher fragmentarische Beethoven-Projekt und die Ballett-Oper Orphée et Eurydice.

Um die in unserer Hansestadt entwickelte Ballett-Tradition in die Welt zu tragen, geht das Hamburg Ballett erneut vielfach auf Tournee. In Wien und Bonn werden wir mit meinen beiden Beethoven-Balletten präsent sein. Auch liegt mir viel an der vertieften Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden, in dem wir in der kommenden Saison zweimal gastieren: mit insgesamt drei verschiedenen Programmen und zwei Ballett-Werkstätten. Zusätzlich bringt das Hamburg Ballett drei meiner Werke nach Japan, im Rahmen unserer neunten Tournee in dieses traditionsreiche Land.

Unserem Publikum wünsche ich bewegende Ballettabende – in Hamburg und auf der ganzen Welt.

John Neumeier

Spielzeit 2020/2021
Infomaterial für die Spielzeit 2020/2021
Vorverkaufsstart für die neue Saison!
Ab Montag, 11. Mai 2020 (für Abonnenten bereits ab Donnerstag, 7. Mai 2020)
 

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