Navigation schließen
Left
Right

Spielzeit 2022/23 – Editorial

Kreativität

Als ich vor knapp 50 Jahren nach Hamburg kam, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich in dieser Stadt die längste Zeit meines Lebens verbringen würde. Was mich stets neu überzeugt hat zu bleiben: das Gefühl, dass etwas beständig wächst – gewachsen ist. Allmählich entwickelte sich eine effiziente Organisation mit mehr Vorstellungen, mehr Tänzerinnen und Tänzern, mehr Gastspielen, der erfolgreichen Gründung einer Ballettschule und des Bundesjugendballett. Vor 30 Jahren bündelte ein Ballettzentrum alle Aktivitäten unter einem Dach. Dazu kamen die Menschen, die meine Kunst inspirierten. Ich denke dabei zuallererst an die Tänzer, aber auch an die Künstler-Kollegen, das Management, Freunde, Förderer, Politiker – jeden Geschlechts – und natürlich an unser Publikum.

In unserer Jubiläumssaison möchte ich den Tanz in die Stadt tragen und Räume der Begegnung schaffen, beispielsweise mit einem Tanzfeuerwerk auf dem Rathausmarkt, einem Tag der offenen Tür im Ballettzentrum Hamburg und Vorstellungen der "Matthäus- Passion" in St. Michaelis. Zum Saisonabschluss verdoppeln wir die traditionellen Hamburger Ballett-Tage auf vier Wochen. Ganz besonders freue ich mich, dass die drei mit uns freundschaftlich verbundenen Compagnien aus Stuttgart, Kopenhagen und vom Bolschoi-Theater in Moskau für ein Gastspiel zugesagt haben.

Es könnte so wirken, als ob wir in der kommenden Saison einen umfassenden Rückblick auf meine Zeit als Ballettdirektor anbieten. Ich persönlich sehe das anders. Vor allem möchte ich an die vielseitigsten Werke meiner Amtszeit Hand anlegen und sie "aktualisiert" auf die Bühne bringen: für die Gegenwart – und eine mögliche Zukunft. Beim Anschauen dieser Ballette will ich nicht die Reaktion provozieren: "Das waren noch Zeiten!" Vielmehr wünsche ich mir ein Publikum, das denkt: "Jetzt ist die Zeit, das muss neu sein."

Um diesen Gedanken zu unterstreichen, habe ich mich entschlossen, noch einmal ein Ballett zu kreieren: "Dona Nobis Pacem", mit der großartigen Partitur von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Es wird die vorläufig letzte Uraufführung mit "meiner Compagnie" – der Compagnie, die ich ein halbes Jahrhundert lang geformt und weiterentwickelt habe.

Diese Messe ist ein Mysterium. Bach verband zahlreiche "Selbstplagiate" zu einem Meisterwerk. Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass alle meine 169 Werke wieder aufgeführt werden. Es könnte daher reizvoll sein, dass auch ich Teile aus meinen bisherigen Balletten, die mir nahe sind, in geheimnisvoller Weise integriere. Wer würde Bewegungen aus meinem sechsten Ballett wiedererkennen?

In diesem Sinne lade ich Sie ein, uns auf unserer Reise durch unsere 50. Jubiläumssaison zu begleiten.

John Neumeier


50 Years – Join Our Celebrations!

The Hamburg Ballet celebrates a special anniversary and everyone is invited. Right at the start of the season, John Neumeier and his company will ignite a firework of dances on Hamburg's central square in front of the town hall (Sept. 3). He follows his vision to create new forms of experiencing the art of ballet – "Made in Hamburg". With this goal in mind, he opens the doors of the Hamburg Ballet Center (May 13) and presents his "Saint Matthew Passion" in St. Michael's Church (June 21, 22).

Hamburg's mayor Peter Tschentscher greatly appreciates the creative energy and international reputation of the Honorary Citizen. Therefore, he also opens the doors of the Town Hall: for a ballet gala for the benefit of John Neumeier's ballet school (Oct. 29) as well as for a Senate Reception with current and former members of the Hamburg Ballet at the beginning of the Anniversary Ballet Days (June 10).

Jörn Rieckhoff
 

Spielzeit 2022/23
Infomaterial für die Spielzeit 2022/23
 

top
powered by webEdition CMS