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Spielzeit 2019/2020 – Editorial

Erzählungen

Menschen lieben Erzählungen – sie helfen, die Welt um uns herum zu verstehen. Ballette erzählen Geschichten auf eine andere Art. Als wortlose Kommunikation, die keine Informationen, sondern innere Zustände und menschliche Beziehungen vermittelt, ermöglicht Tanz die lebendige Gestaltung von Emotionen.

Als Choreograf wurde ich schon früh in meiner künstlerischen Entwicklung von meinem Mentor Father John Walsh S.J. geprägt, der mir nahebrachte, den Tanz als eine Form von Theater zu verstehen. Seitdem habe ich in meinen zahlreichen Kreationen damit experimentiert, neue Formen des Handlungsballetts zu entwickeln.

Die Saison 2019/20 des Hamburg Ballett zeigt unter dem Motto "Erzählungen" die Bandbreite der Antworten, die ich über die Jahre gefunden habe. Für die Winterpremiere wende ich mich, nach Endstation Sehnsucht, erneut Tennessee Williams zu, dieses Mal mit seinem großartigen Schauspiel Die Glasmenagerie als Inspirationsquelle. Obwohl sein Drama nur vier Figuren enthält, werde ich vorrangig ihrer inneren, poetischen Traumwelt nachspüren.
Die zweite Premiere der Saison zeigt ein Werk des Choreografen Christopher Wheeldon, das sich auf einen Klassiker der Weltliteratur stützt. Wheeldon wird die Einstudierung seiner Adaption von William Shakespeares Drama The Winter's Tale selbst betreuen. Seine Arbeiten sind in Hamburg bekannt: 2001 kreierte er für The Britten Evening das Ballett VIII, das von König Heinrich VIII. inspiriert ist. 2005 haben wir sein sinfonisches Ballett Polyphonia in Hamburg ins Programm genommen.

Die zeitlos menschliche Dimension von Shakespeares Werken macht sie zu einer unerschöpflichen Inspirationsquelle für Choreografen. Nach Shakespeare – Sonette, unserer Sommerpremiere 2019 von drei Choreografen des Hamburg Ballett, sowie dem Shakespeare­ Projekt des Bundesjugendballetts im Ernst Deutsch Theater werden in der folgenden Saison zwei höchst unterschiedliche Ballette zu Shakespeare-Dramen wieder aufgenommen: Zuerst Ein Sommernachtstraum, ein Klassiker unseres Hamburger Repertoires, in dem ich eine Vielzahl von Handlungsmomenten und Erzählsträngen zu kontrastreicher Musik bündeln musste. Später im Frühling nehmen wir das Ballett Hamlet in einer neuen Fassung wieder auf, bei der ich mich nicht nur auf die Handlung von Shakespeares Drama beziehe – sondern auch auf die historische Vorgeschichte des Dramas. Außerdem stehen in der kommenden Saison Handlungsballette aus verschiedenen Jahrzehnten (Der Nussknacker, Illusionen – wie Schwanensee und Anna Karenina) sowie zwei Ballette zu bedeutenden Oratorien auf dem Programm – einer Gattung, bei der mich auch das erzählte Geschehen inspiriert hat: Weihnachtsoratorium I-VI und Matthäus-Passion.

Mein neuestes Ballett Beethoven-Projekt – eine untrennbare Verbindung von Sinfonischem Ballett und Handlungsballett –, Glucks Reformoper Orphée et Eurydice in der Pariser Fassung sowie die Ballettrevue Bernstein Dances, die den Spirit von Leonard Bernstein feiert, gehören ebenfalls zu unserem Repertoire. Daneben zeigen wir Das Lied von der Erde, All Our Yesterdays und Brahms/Balanchine – eher sinfonisch geprägte Werke, die durch die Kombination mit Liedtexten eine zusätzliche Verständnisebene erhalten.

Mit großer Vorfreude blicke ich auf meine 47. Saison mit dem Hamburg Ballett: Ich bin auf die Vielfalt unserer Ballettproduktionen ebenso stolz, wie ich auf die Resonanz bei unserem treuen Publikum gespannt bin!

John Neumeier

Spielzeit 2019/2020
Infomaterial für die Spielzeit 2019/2020
Vorverkaufsstart für die neue Saison!
Ab Montag, 20. Mai 2019

 

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