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Ballett von John Neumeier

 für Pater John J. Walsh SJ

 

Musik
  Johann Sebastian Bach
Weihnachts-Oratorium, BWV 248 (1734)
Choreografie
Kostüme
Licht
  John Neumeier
Bühnenbild
  Ferdinand Wögerbauer

 

UraufführungTeile I-III
Hamburg Ballett, Theater an der Wien
Wien, 12. Dezember 2007

 

Originalbesetzung
   
ein Mann   Lloyd Riggins
die Mutter   Anna Polikarpova
ihr Mann   Peter Dingle
ein Hirte   Carsten Jung
Engel   Silvia Azzoni
Arsen Megrabian*
     
    Kusha Alexi
Edvin Revazov
Anna Laudere**
Dario Franconi

* für den erkrankten Thiago Bordin
** für die erkrankte Barbora Kohoutková

 

Gastspiele
2007 und 2009 Wien

 

UraufführungGesamtwerk, Teile I-VI
Hamburg Ballett, Hamburg, 8. Dezember 2013

 

Originalbesetzung
   
ein Mann   Lloyd Riggins
die Mutter   Anna Laudere
ihr Mann   Edvin Revazov
ein Hirte   Carsten Jung
Engel   Silvia Azzoni
Alexandr Trusch
die drei Weisenl   Marc Jubete
Sasha Riva
Thomas Stuhrmann
der König   Dario Franconi
     
    Leslie Heylmann
Lennart Radtke
Yuki Oishi
Silvano Ballone

 

 

Nicht selten, wenn Johann Sebastian Bachs Weihnachts-Oratorium mit den Worten "Jauchzet, frohlocket" ansetzt, erliegt man bereitwillig der Illusion zu schweben. Die mitreißende Fröhlichkeit dieses Chores, sein ansteckender Optimismus scheinen grenzenlos. "In ihm brodelt eine unaufhaltsame Freude, die noch nichts weiß von der menschlichen Ursünde", so John Neumeier über den alles überstrahlenden Eingangschor des mehrteiligen Oratoriums. Dieser Chor singt von Hoffnung, nicht von einer bereits vollbrachten Erlösung. John Neumeier fügt hinzu: "Die Erlösung ist nicht vollendet, sie ist immer wieder neu zu erarbeiten. Sobald die Musik zum 'Jauchzet, frohlocket'-Chor erklingt, und das ist das Wunder an Bachs Musik, wird in uns eine Flamme entfacht, welche die Idee der Freude zum Leuchten bringt. Wenn diese Musik endet, breitet sich wieder Stille aus und wir tauchen ein in unser Leben auf Erden."

Dabei gedenkt Bachs Werk der Menschwerdung Christi. Die näheren Umstände der Geburt Jesu sind dem Bericht der Evangelisten Lukas und Matthäus entnommen. Die Mutter, der Vater und das Kind, die Engel und ein Hirte, die Weisen aus dem Morgenlande, König Herodes, ein auf Wanderschaft befindliches Volk sowie ein das Geschehen begleitender Mann in Christusspiegelung bilden den äußeren Figurenkreis, der hineinführt in die grundlegenden Fragen um Vertrauen, Zuversicht, Glaube, Zweifel und Hingabe. So wird die biblische Geschichte zu einer Geschichte für alle. Sichtbar werden die Anfänge des Reise-Weges Jesu, in dem das Grundmotiv der Bewegung in Andeutungen zu erkennen ist, weniger als ein Prozess der Verweltlichung als ein Prozess der Vermenschlichung.

John Neumeier versteht sein Ballett indes nicht als neutestamentliche Auslegung des weihnachtlichen Geschehens: "Meine Choreografie zu Bachs Weihnachts-Oratorium ist kein religiöses Unterfangen, sie will weder ein Ersatzgottesdienst sein noch den Versuch unternehmen, missionarisch tätig zu werden. Das war schon in meiner Beschäftigung mit Bachs Matthäuspassion so und setzt sich jetzt fort. Ich will mit meiner Choreografie keinen sakralen Tanz schaffen, sondern theatrale Bewegungen generieren, die einer inspirierten, uns noch heute berührenden Musik entsprungen sind. Wir bringen Bachs Musik in einen Theaterraum, der kulturell und religiös unterschiedlich geprägte Menschen für ein paar Stunden als Zuschauer vereint. Für mich geht es immer um menschliche Werte. Das ist auch der Grund, dass in meinem Ballett Maria als 'die Mutter' bezeichnet wird und Joseph als 'ihr Mann'."

Bereits 2007 choreografierte Hamburgs Ballettintendant die ersten drei Teile des Weihnachts-Oratoriums, in denen Bach das Heben und Senken des menschlichen Gemüts so eindrücklich nachzeichnet und die Wechselfälle des Glaubens plastisch zum Klingen bringt. Sechs Jahre später, 2013, arbeitet John Neumeier an der Version von 2007 weiter, um ein neues Ballett zu schaffen. Für den Choreografen ist es wichtig, dass es immer zwei verschiedene, gleichrangig bestehende Ballette bleiben. "Die Opuszahl der ersten drei Teile ist in meinem Werkkatalog eine andere als die des gesamten Weihnachtsoratoriums. Was wir jetzt herausbringen, ist tatsächlich die Premiere von einem neuen, aus Bachs sechs Kantaten bestehenden Werk", so John Neumeier.

 

 

Pressestimmen - Weihnachstoratorium I-III (2007)

Eine großartige Mischung aus Freude, Jubel, Glück und Überschwang, gepaart mit Nachdenklichkeit, Verzagtheit, Zaudern und Ungewissheit. Licht und Dunkel. Gemeinsamkeit und Einsamkeit... Neumeiers neuestes Oeuvre ist reich an neuem Bewegungsvokabular, an Intensität und an Virtuosität... ein funkelnder Edelstein mehr ist im Schatzkästlein des Neumeier-Repertoires.
Tanznetz.de

Die Tanz-Version zog das Publikum in ein neues Nachdenken über Weihnachten zwischen Zweifel und Hoffnung.
Die ureigene Tanzsprache John Neumeiers ist nochmals weicher, runder geworden, sie bewegt sich längst fernab aller Moden und produziert nur selten musikbegleitenden Leerlauf, sondern bringt in eindringlichen Gesten unmittelbar verständlich das nahe, was ihr Schöpfer in Bachs Musik und der christlichen Weihnachtsgeschichte fand.
Der Beifall am Ende war überschwänglich und kam von Herzen.
Hamburger Abendblatt

Eine heutige Story um eine Patchwork-Familie? Oder die biblische Liebesgeschichte von Maria und Josef? Beides in einem: John Neumeier schlägt im "Weihnachtsoratorium" eine Brücke zwischen Bethlehem vor 2000 Jahren und dem Europa des 21. Jahrhunderts.
Hamburger Morgenpost

Der Tanz verbindet sich in einer idealen Symbiose mit der lebendigen und geschmeidigen Musik zu einem Fest für alle Sinne.
Die Presse

Alles in allem verdient sich Neumeiers "Weihnachtsoratorium" die Bezeichnung "Gesamtkunstwerk", indem sich die Genres technisch perfekt, aber auch emotional berührend aneinander schmiegen.
Wiener Zeitung

Und es wechseln ab: Szenen des Jubels und der erwartungsvollen Freude, des Bangens und der Verzagtheit, der zärtlichen Zuneigung, die sich in minimalen Gesten zu erkennen gibt - in weiten Schwüngen und ekstatischen Raumeroberungen, in Gruppenbildungen und Soli - auf der von Ferdinand Wörgerbauer leer geräumten, nur mit wenigen zeichensetzenden Markierungen bestückten Bühne. Welch ein Kosmos der Gefühle, der Leidenschaften und Temperamente! Ausgedrückt in einer Körpersprache, aus der alles Klassische verbannt ist, einem Espressivo gestico.
Tanznetz.de – Koeglerjournal

John Neumeier antwortet auf den Text der ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums mit barocker Opulenz. Er überzeichnet musikalische Phrasen, schmückt sie sozusagen trillernd aus, nimmt das Tempo furios auf und zeichnet die ruhigen Stellen ganz behutsam mit nackten Sohlen und Händen nach. Sein choreografischer Gestus reicht über ein gleichermaßen klassisches wie modernes Bewegungsmaterial, das dank seiner Stilisierung vielleicht einige Moden überdauern wird.
Süddeutsche Zeitung

 

Pressestimmen - Weihnachstoratorium I-VI (2013)

"Eine Annäherung an das Wunder Weihnachten, ganz ernst, ganz einfach und sehr schön."
Wiebke Hüster, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Ein Monumentalwerk, das zur Premiere auf jubelnde Zustimmung traf."
Ruth Bender, Kieler Nachrichten

"Es gehört zu den Festtagen wie Adventskranz und Lichterglanz: das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Kein tief religiöses spirituelles Werk, sondern ein musikalisches Fest der Freude über die Geburt und Menschwerdung Jesu Christi. Genau dieser Freunde fühlt sich auch John Neumeier verpflichtet. Seine Choreografie ist kein andächtiger Kommentar, sondern ein leidenschaftliches, menschliches Bekenntnis."
Catarina Felixmueller, NDR 90,3

"Mit ungeheurer Energie und Wucht tanzt das HAMBURG BALLETT nach der tristen Einleitung den Bach'schen Jubelchor als mitreißenden Freudentanz. Jauchzet, frohlocket!
Die Mutter heißt hier ganz schlicht die Frau, die Maria sein könnte. Denn um Phantasien und Vorstellungen der Geschehnisse um Christi Geburt geht es in Neumeiers Ballett. Kein Weihespiel ist das in den hinreißenden Bühnentableaus mit nahezu himmlichen Lichteffekten, sondern eine vielschichtige Erzählung, die sich so nur in Tanz umsetzen lässt."
Jan Peter Gehrckens, Tagesthemen

"Einmal mehr besticht neben der makellosen Technik des Ensembles, die Neumeier aus der Formelhaftigkeit des klassischen Tanzes ins Expressive kippt, sein Gespür für das Schnüren eines dramatischen Knotens. […] Wenn Lloyd Riggins zuletzt in der Schar jubilierender Seraphim aufgeht und wie Fred Astaire über die Bühne steppt, ist das Weihnachtsoratorium vollkommen."
Dorion Weickmann, Süddeutsche Zeitung

"So hat John Neumeier, was das sakrale Ballettwerk betrifft, hier einen Markstein gesetzt, ja, fast eine eigene Kunstform kreiert. Zweifellos eine Symbiose aus Kultur und christlich-jüdischer Religion auf allerhöchstem Niveau. Er will aber das Auditorium nicht festlegen, sondern sieht es "nur" auf ein paar Stunden im Theater vereint. Den Wertekanon soll also jeder für sich definieren, diese Freiheit weist Neumeier jedem Zuschauer zu, und das vermittelt auch den Eindruck, nicht einem "Ersatzgottesdienst" beizuwohnen, sondern einer wunderbaren Ballettaufführung zur Musik des großen Thomas-Kantors."
Bernd Pfeifer, Unser Lübeck

"Ganz großes Kino sind die drei Weisen aus dem Morgenlande: Marc Jubete, Sasha Riva und Thomas Stuhrmann (mit Sonnenbrille!), in langen Beinkleidern in Grün, Rot und Blau, denen Neumeier wunderbare, von jedem Kitsch entschlackte Tanzkompositionen auf die wohlgeformten Körper choreografiert hat. Ihr Auftritt ist einer der Höhepunkte des zweiten Teils. Desgleichen ein ebenso kurzes wie furioses Solo für eine der großen Nachwuchshoffnungen im Corps de Ballet: Christopher Evans, der seine Chance phänomenal zu nutzen verstand. Carsten Jung als "Hirte" vermittelt eine Ahnung des späteren Christus, indem er seinen Part angenehm unaufgeregt und in sich ruhend ausfüllt."
Annette Bopp, Tanznetz.de

"John Neumeiers Ballettversion aller sechs Teile von Bachs "Weihnachtsoratorium" hat in Hamburg eine umjubelte Premiere gefeiert. Nach der gut dreistündigen Vorstellung applaudierte das begeisterte Publikum im Stehen.[…] Im Mittelpunkt stehen Maria und Josef, die wie die anderen Menschen auf der Suche sind. Anna Laudere verleiht der Maria im hellblauen Kleid und barfuß tanzend eine zerbrechliche Aura. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht, die anderen Tänzer müssen sie zu "Bereite dich, Zion" stützen und tragen."
Carola Große-Wilde, Frankfurter Neue Presse

"Lloyd Riggins ist "der Mann", der vom distanzierten Beobachter zum Fluchthelfer wird, er hat eine starke Präsenz und glänzt, als er endlich in den tänzerischen Jubel einstimmen darf. Silvia Azzoni und Alexandr Trusch tanzen ein überirdisches Engelpaar, das an den himmlischen Ursprung der Geschichte erinnert. Die drei Weisen aus dem Morgenland indes sorgen für ein eher plakatives exotisches Flair. Das Böse hält Einzug mit dem König. Dario Franconi gibt ihn grandios als narzisstischen Latino-Tänzer. Das Ensemble tanzt neben den heimatlos Suchenden die unterschiedlichen Gefühle, die die Weihnachtsgeschichte auslöst: Freude, Furcht, Überwältigung, Zweifel – zugängliche, fesselnde Bilder".
Hans-Jürgen Fink , Die Welt

"Es geht um menschliche Bindungen. Nicht um Heiligengeschichten. Ballett ist ja nichts Geringeres, als das Unmögliche zu wollen. Daß dieses dialektische Streben berauschend intensiv sein kann, zeigt das Hamburg Ballett jetzt einmal mehr. Es ist das 150. Ballett seines Begründers Neumeier: ein getanztes Antidepressivum, eine Bündelung von Lebenslust und Inspiration."
Gisela Sonnenburg, Junge Welt

"Den ersten Teil (Kantaten I-III) hat Neumeier 2007 choreografiert. Er ist in sich geschlossen, verzichtet auf jeglichen "Zierrat", ist wundervoll ausgewogen, als absoluter Tanz so begeisternd wie als "Predigt". […] Der neue Teil, die Kantanten IV-VI, ist Fortsetzung, hebt sich von der stringenten Form des ersten Teils aber ab. Es wird bunter, sogar lustig."
Detlev Mücke, Evangelische Zeitung

"Ja, ein Kitsch-Krippenspiel mit Stall und Stroh, Hirten und Rindviechern ist dieses Ballett zum Glück nicht geworden, nie kommt die Gefahr einer plumpen Bebilderung auf. Wo Neumeier konkret wird, banalisiert er nicht, sondern schafft einfach die körperliche Übersetzung der Ur-Affekte von Trauer und Trost, von Zweifel und Hingabe, von Glaube, Glück und Liebe."
Peter Krause, concerti.de

"Unabhängig davon, ob man in der Choreographie eine Überarbeitung und Erweiterung oder ein gänzlich neues Werk sehen möchte, gelungen ist sie über alle Maßen. Dabei sind es dieses Mal vor allem die großen Ensemble-Szenen, die begeistern. Welch eine Präsenz und Präzision, Energie und Eleganz. Neumeier hat ein reiches, komplexes Bewegungsvokabular geschaffen, dem die Tänzer des Hamburg Balletts überzeugenden Ausdruck verleihen. Die vielen raffinierten (und schwierigen) Hebungen, Drehungen und Schrittfolgen gelingen selbst an den extrem schnellen Stellen."
Fiona Trede, Tanz.at

"Jedoch: Die getanzte Fremdauslegung des Weihnachtsoratoriums erschließt gerade dem, der es oft gehört und die Choräle mitgesungen hat, die meist verkannte körperliche Dimension des Heilsgeschehens. Gott wird Mensch, wird Ausdruck und Affekt in der Musik, wird sich freuender und leidender Körper im Tanz. Religiöse Inbrunst, die an Himmelfahrt und Engelflug glaubt, kann sich an der partiellen Aufhebung der Schwerkraft freuen, wie sie auf die Decken barocker Kirchen gemalt ist. Hier wird sie getanzt Ereignis."
Hans-Jürgen Benedict, Hamburger-Feuilleton.de

"So gelingt Neumeier am Ende beiderlei: Die Geschichte einer, unser aller Lebensreise zu erzählen und aufzuladen mit Erfahrungen der Zuwendung sowie Aufblendungen wundersamer Freude, die man auch religiös verstehen kann, aber nicht muss. Prägnant charakterisiert er das durch verschiedenen Bewegungssprachen: Tanztheater für Volk, Maria, Josef; Klassik für die Engel; Gesellschaftstanz für die machthabende Society. Übergänge gibt es stets, etwa wenn Josef im Duett mit dem Engel dessen Bewegungen doppelt, also etwas von dessen fröhlicher Zuversicht aufnimmt und so zu Maria stehen kann. Übergänge auch zum Publikum, das sich freudig erheben lässt von dieser Premiere und vielleicht noch etwas bewegter in diese Weihnacht geht. Bravos, Ovationen."
Andreas Berger, Die deutsche Bühne

"So wird die biblische Geschichte auf der nahezu leeren Bühne (Ferdinand Wögerbauer) zu einem individuellen Geschichtenraum, der von Hoffnung und Hingabe erzählt. Dem entspricht eine Grundstimmung aus freudiger Erregung und zärtlicher Zuneigung, die sicherlich auch die Zuneigung des Choreografen zu seinen Figuren zum Ausdruck bringt."
Martina Wohlthat, Neue Züricher Zeitung

 
 

 
Fotos   Trailer

1 Pause - 3 Stunden 15 Minuten

Hamburgische Staatsoper
25., 27., 29.
Dezember
2014

Kalender

Preise
5,- bis 97,- € (A)
4,- bis 89,- € (B)

 

Gastspiel 2014/2015
WIEN
Theater an der Wien
17., 18., 19., 20. Dezember
2014

 
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