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Ballett von John Neumeier

 

Musik
  Olivier Messiaen
     

Choreografie
Licht

  John Neumeier
     
Bühnenbild
  Heinrich Tröger
     
Kostüme
  Albert Kriemler – AKRIS

 

Premiere
Hamburg Ballett, Hamburg, 3. Juli 2016

 

Originalbesetzung
   

 

 

Carolina Agüero
Hélène Bouchet
Florencia Chinellato
Xue Lin

Christopher Evans
Carsten Jung
Marcelino Libao
Aleix Martínez
Edvin Revazov
Alexandr Trusch

 

 

Turangalîla – eine Entdeckungsreise
Gedanken zur Uraufführung von John Neumeier

Ein Ballett mit der großartigen Musik von Olivier Messiaens "Turangalîla-Symphonie" zu kreieren, ist ein lang gehegter Wunschtraum von mir. Den ersten Anstoß zu meiner Beschäftigung mit diesem Werk verdanke ich Manfred Gräter. Als Programmchef beim WDR Fernsehen förderte er unermüdlich junge Choreografen und initiierte hochinteressante Ballettproduktionen, etwa von Hans van Manen und auch von mir. Eines Tages spielte er mir den überirdisch schönen 6. Satz der "Turangalîla- Symhponie" vor ("Der Garten des Liebesschlummers"). Ich war fasziniert – und zugleich davon über- zeugt, diese Musik eines Tages zu choreografieren.

Was das Thema des Balletts anbelangt, ist es mir nicht möglich, ein Libretto anzubieten. Ich betrachte die Kreation als sinfonisches Ballett, das heißt für mich, dass die Musik selbst die Inspiration – den Kern des Balletts bildet. Als Choreograf setze ich mir das Ziel, meine persönlichen Eindrücke mit Bewegungen darzustellen. Keinesfalls möchte ich – und dies gilt besonders für den Beginn meiner Arbeit – der musikalischen und emotionalen Struktur des Werkes ein Handlungsgerüst überstülpen. Gerade die praktische Arbeit mit meinen Tänzern im Ballettsaal ermöglicht es mir, ein getanztes "Drama" zu entwickeln. Meine instinktiv vorüberziehenden Gedanken zur choreografischen Struktur des Werkes sind derzeit nur für mich persönlich verwertbar und keinesfalls für Außenstehende bestimmt. Diese Gedanken folgen keiner erzählerischen Struktur und sie ergeben auch keine "Geschichte". Wenn ich mein Ballett fertiggestellt habe, wird es vielleicht möglich sein, das Geschehen auf der Bühne in Worte zu fassen; es kann aber auch sein, dass keine "Wörter" dafür existieren – wie es auch keine Wörter gibt, um Musik angemessen zu beschreiben.

An diese Grundsätze habe ich mich in der Vergangenheit gehalten, beispielsweise als ich mehrere (im Ganzen neun!) Sinfonien von Gustav Mahler choreografiert habe.

Liebeslied 1
Messiaen hat seine Sinfonie durch den Titel "Turangalîla", aber auch durch sprechende Satzüberschriften mit vielschichtigen Bedeutungsebenen aufgeladen. Die vielleicht wichtigste Bedeutung des Titels ist: ein Lied über die Freude, vor allem über die Freude an der Liebe. Üblicherweise wird Messiaen mit tief religiösen Gefühlen und Gedanken assoziiert; hier aber hat er ausgesprochen sinnliche Musik geschrieben.

Fünf Sätze haben zu tun mit Liebesbeziehungen: Es sind die drei "Liebeslieder" sowie "Garten des Liebesschlafes" und "Entfaltung der Liebe". Ich versuche, diese verschiedenen Aspekte, Stufen oder Formen der Liebe mit menschlichen Beziehungen darzustellen, hauptsächlich zwischen einem Mann und einer Frau. Wie so oft bin ich überrascht, dass die Choreografie im Verlauf der Kreation eine Eigendynamik gewinnt. Es war eine Freude, diesen 2. Satz mit Hélène Bouchet und Carsten Jung zu erarbeiten, weil sie auf besondere Weise physisch miteinander korrespondieren.

Beim ersten Hören der Sinfonie empfand ich den Satz als äußerst faszinierend, aber das Element der Liebe konnte ich nur schwer wiedererkennen. Ich habe die Choreografie immer wieder überdacht und schließlich fiel mir der Vergleich mit einer modernen Darstellung der Liebe in einem Gemälde ein – wie man es etwa bei einem Bild von Pablo Picasso erwarten würde. Man kann sich das Bild einer Frau vorstellen, deren Nase an der falschen Stelle ist und die zugleich von der Seite und von vorne dargestellt ist. Alle Elemente der Frau sind da, aber sie sind nach ungewohnten ästhetischen Prinzipien angeordnet. So könnte es auch bei Messiaen sein: Die wichtigsten Elemente der Liebe – extreme Nervosität, Hingabe, Leidenschaft, Angst und Sehnsucht – sind in diesem Satz vorhanden, aber die Reihenfolge und ihr abruptes Aufeinandertreffen sind derart ungewohnt, dass sie auf den ersten Blick fremdartig wirken.

 

 

"Lîla heißt wörtlich: Spiel. Gemeint ist aber Spiel im Sinne eines göttlichen Einwir­ kens auf das kosmische Geschehen, also das Spiel der Schöpfung, der Zerstörung, der Wiedererschaffung, das Spiel von Leben und Tod. Lîla bedeutet auch: Liebe. Turanga: das ist die Zeit, die davoneilt wie das galoppierende Pferd, die Zeit also, die fließend zerrinnt wie der Sand einer Sanduhr. Turanga meint die Bewegung und den Rhythmus. Turangalîla schließt somit gleichzeitig die Bedeutungen Liebesgesang, Freudenhymne, Zeit, Bewegung, Rhythmus, Leben und Tod ein."

Olivier Messiaen

 

 

 
 

 
Trailer

keine Pause
1 Stunde 30 Minuten

Spielzeit 2016/2017

Hamburgische Staatsoper
20., 22., 29. Oktober
2016
8. Juli
2017

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