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Ballett in drei Akten von John Cranko
nach Alexander Puschkin

 

Musik
  Peter I. Tschaikowsky
eingerichtet und instrumentiert von Kurt-Heinz Stolze
     
Choreografie
Inszenierung
  John Cranko
     
Bühnenbild
Kostüme
  Jürgen Rose
     
Einstudierung
  Jane Bourne
Tamas Detrich

 

Uraufführung
Stuttgarter Ballett, Stuttgart, 13. April 1965
(zweite Fassung 27. Oktober 1967)
 

Originalbesetzung    
Onegin
  Ray Barra
Tatiana
  Marcia Haydée
Olga
  Ana Cardus
Lenski
  Egon Madsen
Fürst Gremin
  Kenneth Barlow
Madame Larina
  Ruth Papendieck

 

Premiere in Hamburg
Hamburg Ballett, 4. November 1984
Neuproduktion
Hamburg Ballett, 2. Dezember 2012
 

Besetzung    
Onegin
  Alexandre Riabko
Tatiana
  Silvia Azzoni
Olga
  Leslie Heylmann
Lenski
  Thiago Bordin
Fürst Gremin
  Carsten Jung
Madame Larina
  Anna Polikarpova

 

Als das Stuttgarter Ballett 1969 zum ersten Mal in den USA gastiert und mit John Crankos vier Jahre zuvor uraufgeführtem Ballett "Onegin" an der New Yorker Metropolitan Opera die Herzen des Publikums gewinnt, urteilt der renommierte amerikanische Tanz- und Theaterkritiker Clive Barnes: "Crankos Choreografie hat zwei entscheidende Stärken. Erstens die Kraft seiner Arbeit mit dem Ensemble; hier beweist er, wie vollkommen er die Bühne beherrscht. Aber zweitens – und das ist möglicherweise noch entscheidender – die Eleganz und Ausdruckskraft seiner Pas de deux." Über die Tänzerin der Tatjana vermerkt er: "So scharf wie eine Rasierklinge, so intensiv wie eine grausame blaue Flamme, so fraulich wie eine Bäuerin, verfügt Marcia Haydée über die richtigen choreografischen Wahrheiten und dramatischen Unvereinbarkeiten, die Größe bedeuten."

Von Anfang an lebt das Ballett von seinen Tänzern. Marcia Haydée hatte die Tatjana bereits in der Stuttgarter Uraufführung getanzt, begleitet von Ray Barra als Onegin, Egon Madsen als Lenski und Ana Cardus als Olga. Nach der Premiere der Neufassung 1967 mit Heinz Clauss und Marcia Haydée ist "Onegin" allein vom Stuttgarter Ballett bis heute weit mehr als 500 Mal getanzt worden. 1972, vier Jahre nach Crankos Übernahme der künstlerischen Leitung des Balletts in München und ein Jahr vor seinem Tod, studiert der aus Südafrika stammende Choreograf sein abendfüllendes Werk mit Heinz Bosl und Konstanze Vernon beim Ballett der Bayerischen Staatsoper München ein. Erste Aufführungen beim Australian Ballet und beim Königlich Schwedischen Ballett folgen 1976, bevor es dann weitere Bühnen der Welt übernehmen. Die fortschreitende Verdichtung von "Onegin"-Neueinstudierungen verdeutlicht den hohen Stellenwert des Werks innerhalb der Ballettgeschichte. Das Stück gilt gemeinhin als Klassiker. Compagnien, die dem Kanon ihrer Kunstform einen breiten Raum geben, greifen neben den etablierten Stücken wie den Petipa-Balletten, "Giselle", "La Bayadère" und "La Sylphide" gern auf Crankos Literaturballett zurück, das den erzählerischen Moment im Tanz verortet. Cranko interessiert der Wechsel von Emotionalität und Rationalität, der Onegin und Tatjana im besonderen eingeschrieben ist. Beiden Figuren ist es durch ihre ungleichzeitige persönliche Entwicklung unmöglich, eine gleichzeitige Sprache ihrer Leidenschaften zu formulieren. In seinem 1833 erschienenen Versroman fügt Puschkin sie in ein gesellschaftliches Treiben ein, dessen Protagonisten richtungslos, unentschieden und zunehmend illusionslos erscheinen. Am Anfang seines Romans wendet sich der Autor an den Leser: "Nimm diese Sammlung bunter – halb komischer, halb trauriger, volkstümlich-derber, idealer – Kapitel entgegen, die nachlässige Frucht meiner Vergnügungen, schlaflosen Nächte, leichten Inspirationen, meiner unreifen und verwelkten Jahre, der kalten Beobachtungen des Verstandes und der traurigen Erfahrungen des Herzens." Puschkin will den Blick weiten. Er skizziert eine Welthaltigkeit, vor deren Hintergrund sich Tatjanas und Onegins verwickelte Leidenschaften um so wirkungsvoller abheben.

Man hat Puschkins "Eugen Onegin" eine "Enzyklopädie des russischen Lebens" genannt. Mit einigem Recht könnte man John Crankos "Onegin" eine Enzyklopädie der Gefühle nennen. Denn Liebe, zumal wenn sie unerfüllt bleibt, weiß viel von dem stockenden Beben eines blutenden Herzens.

 

 

Die Handlung

ERSTER AKT
1. Szene: Im Garten Madame Larinas
Tatjana und Olga tanzen mit ihren Freundinnen. Ein altes Spiel wird gespielt: Wer in den Spiegel blickt, sieht den Geliebten. Bei der fröhlichen Olga bewahrheitet sich der Aberglaube, sie erblickt ihren Verlobten, den Dichter Lenski. Als ihre Schwester, die scheue Tatjana, in den Spiegel blickt, sieht sie Onegin, der – zu Besuch aus St. Petersburg – von seinem Freund Lenski in das Haus der Witwe Larina gebracht wird. Tatjana verliebt sich augenblicklich in ihn. Doch Onegin, gelangweilter Städter und zukünftiger Erbe eines reichen Landgutes, lässt die Gesellschaft seine Überlegenheit spüren, und auch Tatjana vermag seinen Hochmut nicht zu durchbrechen.

2. Szene: Tatjanas Schlafzimmer
Tatjana schreibt einen Brief an Onegin, in dem sie ihrer schwärmerischen Liebe zu dem fast unbekannten Mann Ausdruck gibt. Über dem Geschriebenen eingeschlafen, blickt sie im Traum in ihren Spiegel: Onegin erscheint und erwidert ihre Liebe.

ZWEITER AKT
1. Szene: Im Haus Madame Larinas
Tatjanas Geburtstag wird gefeiert, und auch Lenski und Onegin nehmen an dem Fest teil. Ungeduldig wartet Tatjana auf ein Zeichen, mit dem Onegin auf ihren Brief antwortet. Durch ihre naive Offenheit gereizt, zerreißt Onegin den Brief vor ihren Augen und flirtet so skandalös mit ihrer Schwester Olga, dass der eifersüchtige, ahnungslose Lenski ihn zum Duell fordert. Auch Fürst Gremin, ein angesehener Freund des Hauses, kann das Drama nicht verhindern.

2. Szene: Ein verlassener Park
Tatjana und Olga beschwören Lenski, auf das Duell zu verzichten. Auch Onegin ist zur Versöhnung bereit, scheint sein Unrecht zu ahnen. Doch der romantische Dichter ist zu tief getroffen. Vor Tatjanas Augen wird Onegin zu seinem Mörder.

DRITTER AKT
1. Szene: Ballsaal des Fürsten Gremin
Zehn Jahre sind vergangen. Tatjana ist die Frau des Fürsten Gremin geworden. Auf einem Ball, den der Fürst gibt, erscheint ein vom Leben enttäuschter Onegin. Als er Tatjana dort so unerwartet wiedersieht, wird ihm klar, dass er in ihr die einzige echte Liebe seines Lebens verschmäht hat. Die Bilder vetauschen sich: Die Fürstin Gremin wendet sich scheinbar überlegen von ihm ab.

2. Szene: Tatjanas Boudoir
Onegin hat sich brieflich bei Tatjana angemeldet; diese will die Begegnung vermeiden, doch ihre Bitte an den sorglosen Gatten, sie an diesem Abend nicht allein zu lassen, bleibt vergeblich. Onegin kommt und offenbart ihr seine Liebe. Im Kampf mit ihren Gefühlen erkennt Tatjana, dass Onegins Einsicht zu spät kommt: vor seinen Augen zerreißt sie seinen Brief.

 

 

John Cranko

1927
Am 15. August geboren in Rustenburg (Südafrika)

1942
Choreografie des ersten Balletts zu Igor Strawinskys Suite aus der "Geschichte vom Soldaten" in Kapstadt.

1946
London: Mitglied des Sadler's Wells Theatre Ballet (des späteren Royal Ballet).

1947
Aufsehenerregende Choreografie zu Claude Debussys "Children's Corner".

1949
Beginn der ausschließlich choreografischen Laufbahn. Zahlreiche Ballettschöpfungen für das Sadler's Wells Ballet, u.a. "The Lady and the Fool" (nach Musik von Giuseppe Verdi, 1954).

1955
Für die Pariser Oper: "La belle Hélène" (nach Jacques Offenbach – Aubert – Rosenthal).

1957
Erste abendfüllende englische Uraufführung für das Royal Ballet: "Der Pagodenprinz" (nach Musik von Benjamin Britten).

1959
Für die Mailänder Scala: "Romeo und Julia" (Sergej Prokofjew).

1961
Ballettdirektor an den Württembergischen Staatstheatern. Gezielter Aufbau einer Kompanie, mit der er in Stuttgart wie auf zahlreichen Tourneen große Erfolge feiert. Die wichtigsten Choreografien: "Katalyse" (Dmitri Schostakowitsch), "L 'estro armonico" (Peter I. Tschaikowsky / Kurt-Heinz Stolze), "Jeu de Cartes" (Igor Strawinsky), "Onegin" (Peter I. Tschaikowsky / Kurt-Heinz Stolze), "Die Befragung" (Bernd Alois Zimmermann), "Fragmente" (Hans Werner Henze).

1968
Chef-Choreograf der Bayerischen Staatsoper München.

1969 bis 1973
Berühmte Ballett-Schöpfungen, u.a bis "Der Widerspenstigen Zähmung" (Domenico Scarlatti/ Kurt-Heinz Stolze), "Brouillards" (Claude Debussy), "Carmen" (George Bizet-Collage von Wolfgang Fortner und Wilfried Steinbrenner), "Initialen R.B.M.E." (Johannes Brahms).

1973
Am 26. Juni verstorben.

 

 

Pressestimmen

Begeistert schreibt die Deutsche Presse Agentur: "Zum 40. Jubiläum des Hamburg Balletts hat (…) John Crankos Ballett "Onegin" eine umjubelte Premiere an der Hamburger Staatsoper gefeiert."
Deutsche Presse Agentur

Und die Stuttgarter Zeitung druckt weiter: "In dem Klassiker des Handlungsballetts nach dem 1830 erschienenen Versroman "Eugen Onegin" von Alexander Puschkin überzeugten Alexandre Riabko und Silvia Azzoni als unglückliches Liebespaar. Mit dem 1965 uraufgeführten Ballett will Ballettintendant John Neumeier an seine Anfangszeit als Tänzer im Stuttgarter Ensemble von John Cranko (1927-1973) erinnern."
Stuttgarter Zeitung

"In der Hamburg-Premiere steigerten sich Silvia Azzoni und Alexandre Riabko als unglückliches Liebespaar von Akt zu Akt bis zum finalen hochdramatischen Pas de deux, dem absoluten Höhepunkt und Solisten-Prüfstein jeder "Onegin"-Aufführung und ernteten vom Publikum Standing Ovations," kommentiert Klaus Witzeling im Hamburger Abendblatt und schließt "Grandios choreographiert und grandios getanzt."
Hamburger Abendblatt / Die Welt

Dagmar Zurek schreibt in der Financial Times Deutschland: "Das Publikum raste vor Begeisterung nach der Premiere des eineinhalbstündigen Tanzdramas um Liebe, Stolz und Eifersucht" und lobt "Die Solisten des Abends erwiesen sich in Hochform – vor allem bei ihren anrührenden Pas de deux."
Financial Times Deutschland

"John Neumeier (…) tritt beiseite und überlässt seinem ehemaligen Lehrer John Cranko das Feld," schreibt Gabriele Wittmann vom DeutschlandRadio/ Deutschlandfunk, "dass diese große Geste als Eröffnung der 40. Spielzeit für das Hamburg Ballett funktioniert, zeigt sich bereits in den ersten Minuten."
DeutschlandRadio/ Deutschlandfunk

Annette Bopp sprüht vor Begeisterung auf tanznetz.de: "Sascha Riabko gibt den Onegin (…) so grausam unnahbar (…). Silvia Azzoni durchlebt all diese großen Gefühle mit einer solchen Intensität, dass nie der Eindruck aufkommt, sie spiele diese Rolle nur." Und auch das zweite Paar bringt die Autorin ins Schwärmen: "Thiago Bordin gibt einen wunderbar lyrischen Lenski, mit einer phantastischen Linie, dazu noch gesegnet mit einem bildschönen, wohlproportionierten Körper (…) Leslie Heylmann ist Olga – frisch, anmutig, übermutig (…) – da sitzt jede Geste, jeder Schritt."
Tanznetz.de

Auf Dirk Schneider von NDR Info wirkt "Silvia Azzoni – die scheue, innerlich zerrissene Tatjana – mit einer Atem beraubenden Feinheit und Ausdrucksstärke." Sein Fazit: "mit Onegin ist ein berührender Ballettklassiker zu sehen, der mit seiner klaren Sprache immer wieder auch für Ballett-Neulinge einen Besuch wert ist."
NDR Info

"Ein romantisches Ballett und das leidenschaftliche Paar in der Titelrolle haben das Premierenpublikum gestern Abend glücklich gemacht", resümiert Sandra Hofmann.
NDR Hamburg Journal

 
 

 
Trailer I   Trailer II
Fotos   Handlung

2 Pausen
2 Stunden 30 Minuten

Hamburgische Staatsoper
29. (2x), 30. Mai
2015

Kalender   Karten

Preise
5,- bis 97,- € (A)
4,- bis 89,- € (B)

 
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