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Romantisches Ballett
von August Bournonville / Lloyd Riggins

 

Musik
  Edvard Helsted
Holger Simon Paulli
Niels Wilhelm Gade
Hans Christian Lumbye
     

Traditionelle
Choreografie

  August Bournonville
1. und 3. Akt
     

Inszenierung
Neue Choreografie

  Lloyd Riggins
     
Bühnenbild
Kostüme
  Rikke Juellund

 

Premiere
Hamburg Ballett, Hamburg, 7. Dezember 2014

 

Originalbesetzung
   

Teresina
Gennaro
Golfo
Veronica
Peppo
Giacomo

 

Silvia Azzoni
Alexandr Riabko
Otto Bubenícek
Laura Cazzaniga
Carten Jung
Konstantin Tselikov

 

"Napoli" ist ein klassisches Beispiel für Geist und Stil des großen dänisches Choreografen August Bournonville. Es steht seit seiner Premiere am 29. März 1842 in einer fast ungebrochenen Aufführungstradition und ist noch immer im Repertoire des Königlich Dänischen Balletts. Weitergegeben von einem "Balletmester" (das ist das Wort im dänischen Theater für den Künstlerischen Leiter) zum nächsten, von einer Generation zur nächsten, erfuhr das Werk leichte Änderungen, um die Klarheit der Handlung und die Tiefgründigkeit seiner Charaktere noch stärker herauszuarbeiten. Man verbindet den ersten und dritten Akt ohne große Zweifel mit Bournonvilles ursprünglicher Choreografie. Der zweite Akt wurde indes kritisiert, weil er zu viel Tanz zeige!!!! Das lief darauf hinaus, dass der Meister persönlich über viele Jahre an den größeren Stellen schnitt und sie fortwährend umarbeitete. Dies hielt nach seinem Tod mit den Produktionen seiner Nachfolger an. Spätestens in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Bournonvilles Version als verloren erachtet.

Ich will den zweiten Akt nicht in der Art von August Bournonville choreografieren, mich aber von seinem Geist und seinen Ideen anregen lassen. Den Meister zu imitieren, fällt dabei zu kurz, da seine Stimme die seiner Zeit war. Mit den leitenden Worten seines ausführlichen Librettos und der großartigen Erziehung, die ich von zahlreichen Lehrern aus verschiedenen Generationen in meinen Jahren mit dem Dänischen Ballett in privilegierter Weise erhalten habe, werde ich den zweiten Akt inspiriert von Bournonville präsentieren; ich zolle seinem romantischen Verständnis und Geist Respekt und widme ihm eine Hommage.

In "Napoli" tanzte ich meine ersten Bournonville-Schritte auf der Bühne des Königlichen Theaters: es handelte sich um das Balabile-Divertissement im ersten Akt und das erste sowie zweite männliche Solo des berühmten Pas de Six aus dem dritten Akt. Damals war ich in Kopenhagen einer der wenigen ausländischen Tänzer in der Compagnie, und als mir ein Solo in einem ihrer Schlüsselwerke anvertraut wurde, war es eine sehr bewegende Erfahrung für mich. Es bedeutete für mich eine große Ehre, in die lebendige Geschichte des Dänischen Balletts aufgenommen zu sein.

Später tanzte ich meinen ersten Gennaro anlässlich des 150. Jubiläums der Premiere von "Napoli" während des Zweiten Bournonville Festivals 1992. Diese Erfahrung führte mich zu einem tieferen Verständnis der Verantwortung im Weitergeben eines künstlerischen Erbes und des Geheimnisses einer nicht nachschöpfenden, sondern in jeder Aufführung neu auflebenden Kunst. Als ich 1995 nach Hamburg kam, sah ich, wie diese Themen hier – zusammen mit Bournonvilles Gewissheit, das Publikum verbinde sein Werk mit Humanität – sich leitmotivisch durch das Leben wie auch durch den Tanz hindurchziehen. Die Verknüpfungen meiner Zeit in Dänemark mit meiner Arbeit mit John Neumeier sind vielfältig. Die Brücke (wie jene im dritten Akt in "Napoli") meines Werdegangs verbindet mein erstes Training in Florida mit meinen Anfängen in Kopenhagen und den aufregenden Jahren mit John.

In diesem Abschnitt meines Lebens, als Ballettmeister "Napoli" für Johns Hamburg Ballett auf die Bühne zu bringen, schließt sich ein Kreis. Ich bin sehr aufgeregt, unserer Compagnie dieses Werk zu vermitteln und ihr einen wesentlichen Teil meiner Geschichte anzuvertrauen, die mich zum Tänzer und Künstler formte.
Die Bezüge für Tänzer beim Erarbeiten eines Bournonville-Balletts sind reichhaltig; ich freue mich und bin neugierig, mit welcher Energie und welchem Einsatz unsere Hamburger Tänzer diesem Werk entgegenkommen werden und was sie in seine lebendige Geschichte einbringen.

Ich widme diese "Napoli"-Produktion Frank Andersen, dem ehemaligen Direktor des Dänischen Balletts, der mir viele wichtige Chancen und breite Unterstützung in meiner Auseinandersetzung mit Bournonville gab. Mit dieser Arbeit gedenke ich auch der unschätzbaren Zeit und der Lehrer, die ich in Dänemark hatte, und schließlich John Neumeier, der in faszinierender Weise weiterhin die Kraft hat zu inspirieren, zu leiten und neue Welten der Schönheit und Menschlichkeit zu erschaffen.

Lloyd Riggins

 

 

Handlung

Erster AktNeapel, Hafen Santa Lucia
Mitten im lebhaften Treiben im Hafen von Neapel möchte die Witwe Veronica ihre Tochter Teresina mit einem der beiden reichen Händler der Stadt – Peppo oder Giacomo – verheiraten. Das rebellische Mädchen hat ihr Herz aber schon lange an den ar­men Fischer Gennaro verloren. Inmitten von Strei­tigkeiten und Beleidigungen zwischen den beiden Verehrern und Gennaro schaffen es die beiden Verliebten, die Mutter zu überzeugen, ihnen ihren Segen zu geben. Das Paar und seine Freunde tanzen daraufhin aus Freude über ihr junges Glück. Um sich der Aufregung und Freude zu entziehen und über ihre Zukunft nachzudenken, segeln beide aufs offene Meer. Währenddessen gehen die Tänze weiter und Straßenkünstler unterhalten die Bürger Neapels. Doch wird die ausgelassene Stimmung durch einen aufziehenden Sturm unterbrochen und alle flüchten von den Straßen, um sich zu schützen. Gennaro wird dabei entdeckt, wie er in den stürmischen Wellen um sein Überleben kämpft, und an die Küste gebracht. Teresina aber ist verschollen.
Veronica verflucht wütend Gennaro, weil er ihre Tochter der See geopfert hat. Der Verzweifelte wird seiner Schande überlassen. Er ist kurz davor, sich zu ertränken, als er sich noch einmal der Madonna dell’Arco, der heiligen Patronin der Stadt und der See, zuwendet. Der Mönch Fra Ambrosio übergibt ihm ein Amulett mit dem Bild der Madonna, nachdem er Gennaros traurige Geschichte gehört hat. Der Mönch spricht dem Fischer Glaube und Hoffnung zu und schickt ihn los, seine Geliebte zu suchen.

Zweiter AktDie blaue Grotte
Teresina erwacht in der Grotte des Meergeistes Golfo und ist umgeben von seinen Najaden. Sie sind die Seelen der auf See verschollenen Mädchen. Golfo ist von Teresinas Schönheit und Leidenschaft verzaubert und verwandelt sie in eine Najade. Lang­sam beginnt sie, Gennaro, Neapel und sich selbst zu vergessen. Sie versucht, tiefer in Golfos sinnliche Welt vorzudringen. Gennaro schafft es, die Grotte zu erreichen und findet Teresina. Die allerdings er­kennt ihn nicht und reagiert auch nicht, als er sie umarmt. An das Amulett des Mönches geklammert, betet Gennaro verzweifelt zu Gott. Dieser Anblick des innigen Glaubens erweckt Teresinas Seele. Sie verwandelt sich wieder in die Braut des Fischers. Außer sich vor Wut und dem Verlust Teresinas will Golfo das Liebespaar vernichten. Die Najaden aber, die so gerührt von Teresinas und Gennaros Liebe sind, schützen und bewachen das Paar, so dass sie fliehen können.

Dritter AktMonte Vergine, außerhalb Neapels
Während der Pilgerfahrt zu der heiligen Stätte der Madonna dell’Arco beklagt die traurige Veronica den Verlust ihrer Tochter. Plötzlich schlägt die Trauer in Schrecken um, als Teresina und Gennaro auftauchen. Die anderen Pilger, von den zurückgewiesenen Verehrern Peppo und Giacomo angeheizt, be­trachten die beiden mit Argwohn und Abscheu und vermuten nichts als Hexerei. Gennaro ist auf die Meute wütend. Der Mönch Fra Ambrosio soll ihn ex­orzieren. Der jedoch beruhigt die Menge und löst den Argwohn auf, indem er erklärt, dass Gennaros Glaube und Liebe Teresina zurück gebracht haben. Daraufhin segnet und vereint er das Paar, und ihre Freude springt auf alle über. Das Volk verfällt in ausgelassene Tänze und feiert in überschwängli­cher Freu­de die Rettung und Heirat des jungen Paares.

 

 

Pressestimmen

"Riggins brachte durch seine Arbeit alle Sympathien auf seine Seite. […] Die Story, das Libretto, die Musik und die Choreographien des ersten und dritten Akts von ›Napoli‹ gibt es ja. Riggins hat sie wunderbar in Szene gesetzt. Ein hundertfünfzig Jahre altes Ballett neu zu inszenieren, ohne es in seiner Anmut und seinem Charme zu beschädigen, aber auch ohne es altmodisch und nur für dänische Experten gelungen aussehen zu lassen, ist eine echte Herausforderung"
Wiebke Hüster, FAZ

"Tanzen, bis der Boden glüht. Das ist vor allem deshalb herrlich anzuschauen, weil die Compagnie mit größter Ausgelassenheit bei der Sache ist. Pas de deux, Soli, Gruppentänze jagen einander – auch die Umstehenden sind Bestandteil eines fortwährenden, raffiniert zum Ballett hochgejazzten volkstänzerischen Wogens, und alle sind prächtigst kostümiert (Rikke Juellund)"
Tom R. Schulz, Hamburger Abendblatt

"[…] virtuoseste Tanztechnik, die dennoch Menschen mit all ihren Schwächen und Nöten glaubwürdig auf die Bühne bringt. Und das Premierenpublikum Sonntagabend begeisterte!"
Dagmar Ellen Fischer, MOPO

"Ein optischer und tänzerischer Hochgenuss!"
Lien Kaspari, BILD

"Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Riggins gelingt die tänzerische Quadratur des Kreises: das fehlende Mittelstück für eine Compagnie des 21. Jahrhunderts frisch zu choreographieren, ohne den Geist des Altmeisters zu verraten, dabei sozusagen Adapter in beide Richtungen zu den traditionellen ersten und dritten Akten anzulegen, um ein organisches Ganzes mit fließenden Übergängen zu gewährleisten"
Dagmar Ellen Fischer, die-deutsche-buehne.de

"Poesie, Leichtigkeit, stille Harmonie, Anmut – all diese Leitbegriffe samt der Virtuosität, die ganz in ihrem Dienst stehen soll, lässt Riggins großartig auf der Bühne aufglänzen. Sie führen die Grundlagen des Tanzens vor, aus denen das Hamburg Ballett in anderen Werken schöpfen kann"
Hans-Jürgen Fink, kultur-port.de

"Unter Leitung von Markus Lehtinen harmonieren Orchester und Ensemble, selbst an den schwierigen, extrem temporeichen Tarantella-Stellen. Die für die Bournonville-Technik typische feine, keinesfalls beifallsheischende Virtuosität spiegelt sich dabei perfekt im Ausdruck der Bewegungen. Die pantomimische Erzählweise passt ins Bild, wirkt weder ironisierend noch aufgesetzt"
Fiona Trede, tanz.at

"[Riggins] vermag es, das gesamte Ensemble zu tänzerischen Höchstleistungen zu motivieren – allen voran Silvia Azzoni als Teresina und Alexandre Riabko als Gennaro, die sich ebenso temperamentvoll wie stilsicher in das Geschehen werfen. Herausragend auch Christopher Evans mit zwei Soli im Ballabile des 1. Aktes und Madoka Sugai, die im 3. Akt schier explodiert vor Tanzeslust und Lebensfreude, aber ebenso eine delikate Najade sein kann"
Annette Bopp, tanznetz.de

"Die Solo-Najaden Madoka Sugai und Mayo Arii zeigen hier einen anmutig-träumerischen Pas de deux. Und Otto Bubenicek hat eine neue wichtige Episodenrolle, gibt den Unhold mit nackter Brust, Rastalocken, Stirnband und dämonischem Augen-Make-up in der Manier von Johnny Depp als Pirat Jack Sparrow. Kraftvoll seine Drehungen und Sprünge, dämonisch seine Ausstrahlung und berührend die vermittelte Tragik einer gescheiterten Hoffnung auf Liebe"
Bernd Hoppe, operalounge.de

"Riggins fand sowohl für die Einstudierung der überlieferten Bournonville-Passagen als auch für die Neufindung des Mittelstücks die richtigen Wege. Der eigenwillige Stil, der sich mit Bournonville als typisch für das dänische Ballett ausgeprägt hat, wird auf den Punkt und äußerst zuschauerfreundlich serviert"
Gisela Sonnenburg, ballett-journal.de

 

 
 

 
Fotos
Handlung   Pressestimmen

2 Pausen
2 Stunden 45 Minuten

Hamburgische Staatsoper
7., 10., 13., 31. Dezember
2014
10., 11., 13., 15., 16. Januar
2015
1. Juli
2015

Kalender   Karten

Preise
5,- bis 97,- € (A)
4,- bis 89,- € (B)
4,- bis 79,- € (C)
7,- bis 176,- € (P)
6,- bis 132,- € (S)

 
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