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Bayerisches Staatsballett
Direktor: Ivan LiskaBiografie

39. Hamburger Ballett-Tage
Hamburgische Staatsoper, 11. und 12. Juni 2013
 
 

Goldberg-Variationen
Ballett von Jerome Robbins
 

© Wilfried Hösl

 
Uraufführung
New York City Ballet, New York State Theatre, New York, 27. Mai 1971
 

Musik
  Johann Sebastian Bach
     
Choreografie
  Jerome Robbins
     
Kostüme
  Joe Eula
   
Kostümrekonstruktion
  Holly Hines
   
Einstudierung
  Elyse Borne
Ben Huys

 
Die Goldberg-Variationen haben in den letzten Jahrzehnten die unterschiedlichsten Choreographen zur Auseinandersetzung gereizt, die zu verschiedenen gültigen Lösungen gefunden haben. Aber unbestritten ist, dass Jerome Robbins' Arbeit von 1971 die Krone gebührt. "Ein tänzerisches Jubelstück", schrieb Horst Koegler nach der Uraufführung, "die Choreographie als freie Raum- und Bewegungsparaphrase, die Musik umspielend, mit ihr wetteifernd... Demonstration einer nur sich selbst verpflichteten Tanzphilosophie, eine Anleitung, Tanz sehen zu lernen..." Robbins' unverwechselbare Aneignung und zwanglose Variierung des klassischen Bewegungskanons, sein Gespür für Struktur und sein Aufgehen in Bachs musikalischem Kosmos - die physische Vollkommenheit des Balletts transzendiert zum metaphysischen Ereignis.

 

 

Gods and Dogs
Ballett von Jirí Kylián
 

© Wilfried Hösl

 
Uraufführung
Nederlands Dans Theater II, Lucent Danstheater, Den Haag
13. November 2008
 

Musik
 

Dirk Haubrich
Ludwig van Beethoven (Konzept Jirí Kylián)

     
Choreografie
  Jirí Kylián
     
Computergesteuerte
Projektion
  Tatsuo Unemi
Daniel Bisig
   
Kostüme
  Joke Visser
   
Bühne
  Jirí Kylián
   
Licht
  Kees Tjebbes
   
Einstudierung
  Urtzi Aranburu
Gerald Tibbs

 
2008 kreierte Jirí Kylián dieses geheimnisvolle, fast mystische Ballett für vier Paare für das NDT mit fast dem identischen Team aus Komponisten, Bühnenbildner und Projektionsdesignern, das auch "Zugvögel" in München realisierte. "Gods and Dogs", eine rätselhafte Doppelfigur, die aus dem Reich der Pharaonen stammt, ist ein weiterer Schritt in den aktuellen Kosmos des tschechischen Choreographen, der von sich sagt: "Mich interessieren die Grenzen zwischen Normalität und Verrücktheit, zwischen Gesundheit und Krankheit und die Normen, die beides definieren. In jedem Moment seines Lebens kann man der einen oder anderen Kategorie zugeordnet werden. Aber der genaue Moment, an dem man ultimativ über die unsichtbare Grenze ins dunkle Reich von krankhafter Verrücktheit gestoßen wird, entzieht sich unserer Wahrnehmung."

 

 

Die Compagnie

Zwar hat Tanz in München seit 1650 Tradition, aber erst mit der Emanzipation des Balletts von der Oper, die Konstanze Vernon 1988, unterstützt vom Bayerischen Freistaat, erkämpft hatte, konnte sich die Münchner Ballett-Compagnie zu einem der profiliertesten Ensembles der internationalen Tanz-Szene entwickeln. Das Bayerische Staatsballett, wie das ehemalige "Ballett der Bayerischen Staatsoper" nun heißt, steht seit September 1998 unter der Direktion von Ivan Liska, der quasi direkt von der Bühne des Hamburg Balletts, wo er über zwanzig Jahre lang einer der prägenden Solisten unter John Neumeier war, seinen Posten als Ballettdirektor antrat. Dieser engen, künstlerischen und freundschaftlichen Verbindung zwischen Ivan Liska und John Neumeier ist es sicherlich auch zu verdanken, dass das Bayerische Staatsballett heute zahlreiche Neumeier-Werke tanzt.

Das vielfältige und äußerst substanzreiche Repertoire des Bayerischen Staatsballetts umfasst mehr als fünfzig Werke. Gewichtig und umfassend die großen abendfüllenden Ballette: von der Romantik – "Giselle" und "La Sylphide", - über die Klassik – "Schwanensee", "Dornröschen", "Don Quijote", "La Bayadère" und "Le Corsaire" - zu den Klassikern unseres Jahrhunderts - John Crankos "Romeo und Julia", "Onegin" und "Der Widerspenstigen Zähmung"; "La Fille mal gardée" und "Scènes de ballet" von Frederick Ashton, "Das Lied von der Erde" von Kenneth MacMillan, Robbins' "Goldberg-Variationen" und John Neumeiers "Ein Sommernachstraum", "Der Nussknacker", "A Cinderella Story", "Die Kameliendame" und "Illusionen – wie Schwanensee". Dazu Meisterwerke von Balanchine, Kylián, van Manen, William Forsythe, Mats Ek, Twyla Tharp, Lucinda Childs, Angelin Preljocaj, Merce Cunningham, José Limón und aufsehenerregende junge Choreographen wie Terence Kohler, Richard Siegal und Simone Sandroni.

Im September 2010 gründete Ivan Liska gemeinsam mit Konstanze Vernon und Jan Broeckx das Bayerische Staatsballett II / Junior Company, als erstes seiner Art in Deutschland. Ausgangspunkt für die Gründung dieses jungen Ensembles war der Wunsch, den eigenen Nachwuchs auszubilden, neue künstlerische Wege zu beschreiten, jungen begabten Tänzern durch die Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern besondere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und durch ein Junior Ensemble auch das Gewicht und das Ansehen des Tanzes in der Gesellschaft weiter zu stärken.

Im Februar 2012 wurde Ivan Liska für seine Karriere als Tänzer und seine Arbeit als Direktor der Münchner Compagnie mit dem Deutschen Tanzpreis ausgezeichnet, auch der Deutsche Tanzpreis 'Zukunft' ging nach München.

 

Erste Solistinnen/Solisten
Lisa-Maree Cullum, Roberta Fernandes, Lucia Lacarra, Daria Sukhorukova, Marlon Dino, Tigran Mikayelyan, Cyril Pierre, LukᚠSlavický

Solistinnen/Solisten
Ivy Amista, Luisa Díaz González, Séverine Ferrolier, Katherina Markowskaja, Ekaterina Petina, Ilana Werner, Zuzana Zahradníková, Karen Azatyan, Maxim Chashchegorov, Wlademir Faccioni, Javier Amo, Norbert Graf, Matej Urban

Demi-Solo
Emma Barrowman, Evgenia Dolmatova, Stephanie Hancox, Mai Kono, Magdalena Lonska, Gözde Özgür, Léonard Engel, Gregory Mislin, Ilia Sarkisov, Olivier Vercoutère

Corps de Ballet
Joana de Andrade, Francesca dell’Aria, Martina Balabanova, Luiza Bernardes Bertho, Giuliana Bottino, Jessica Buckley, Sinead Bunn, Mia Cooper, Sophia Carolina Fernandes, Maira Fontes, Maria Sascha Khan, Teegan Kollmann, Antonia McAuley, Kyla Moore, Claudia Ortiz Arraiza, Mia Rudic, Alba Sempere, Isabelle Sévers, Freya Thomas, Marcella Zambón, Vittorio Alberton, Zoltan Mano Beke, Matteo Dilaghi, Dustin Klein, Nikita Korotkov, Martin Milner, Maged Mohamed, Ruben de Monte, Erik Murzagaliyev, Ilya Shcherbakov, Nicola Strada, Olzhas Tarlanov, Shawn Throop

Volontärinnen/Volotäre
Kateryna Kistol, Elisa Mestres, Nicha Rodboon, Alexandra Stewart, Marta Navarrete Villalba, Andrei Dan Berihoi, Jonah Cook, Sebastian Goffin, Florian Sollfrank

Stipendiatinnen/Stipendiaten der Heinz-Bosl-Stiftung
Lisa Gareis, Nagisa Hatano, Alisa Scetinina, Devon Carbone, Thomas Gordon, Nicholas Losada, Carlos Salcedo de Zarraga

 

 

Ivan Liska

Ivan Liska, der bis heute am längsten amtierende Direktor des Bayerischen Staatsballetts, wurde 1950 in Prag geboren. Am Konservatorium seiner Heimatstadt erhielt er eine tänzerische Ausbildung, die er 1969 erfolgreich abschloss. Anschließend wechselte er nach Deutschland, wo er seine Karriere als Tänzer beim Ballett der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf begann. 1974 kam Ivan Liska als Demi-Solist nach München und sammelte dort erste Erfahrungen mit dem Ballett der Bayerischen Staatsoper. Nach drei Jahren in Bayern zog es ihn 1977 nach Hamburg, wo er zum Ersten Solisten des HAMBURG BALLETT ernannt wurde. Zwanzig Jahre arbeitete er hier unter der Leitung von John Neumeier und interpretierte viele der größten und wichtigsten Rollen in dessen Œuvre, u.a. in "Sommernachtstraum", "Matthäus-Passion", "Wie es euch gefällt", "Peer Gynt", "Zwischenräume", "Odyssee" und zusammen mit Marcia Haydée in der Verfilmung von "Die Kameliendame". Er trat weltweit auf und tanzte außerdem in Choreografien von Robbins, Béjart, van Manen, Kylián, Balanchine, Cranko, Louis, Lubovitch, Limón und Tudor. Noch im letzten Jahr war er im Stück "The Old Man and Me" von Hans van Manen als Tänzer auf der Bühne zu erleben. Im Rahmen der Hamburger Ballett-Werkstätte choreografierte Liska auch selbst und schuf 1997 das Stück "Der Streit". 1998 kehrte er schließlich nach München zurück und folgte einem Ruf als Ballettdirektor des Bayerischen Staatsballetts, welches erst knapp 8 Jahre zuvor von Konstanze Vernon als Staatsballett begründet worden war. Der Ballettchef, dessen Lieblingsaspekt der täglichen Arbeit nach eigenen Angaben die Probe mit den Tänzern im Ballettsaal ist, hat den Charakter der Compagnie seither maßgeblich geprägt. Nicht nur ist er dafür verantwortlich, dass sich die großen klassischen und romantischen Ballette wie "La Bayadère", "Giselle", "Schwanensee" und "Dornröschen" zusammen mit den Klassikern der letzten Jahrzehnte wie John Crankos "Romeo und Julia" oder auch John Neumeiers "Der Nussknacker" im Spielplan befinden, er hat es mit der Aufnahme von zeitgenössischen Choreografen wie William Forsythe, Peter Martin, Jirí Kylián, Mats Ek und Martin Schläpfer außerdem geschafft, das Spektrum des Repertoires nachdrücklich zu erweitern. Mutig und erfolgreich agiert Liska auch in der Spielplangestaltung, die immer wieder durch Besonderheiten wie die 2002 begonnene "Portrait"-Reihe oder die von Uraufführungen bestimmte Spielzeit 2005/2006 auffällt. Weiterhin engagiert Ivan Liska sich gemeinsam mit Bettina-Wagner Bergelt in der Education-Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zusammen mit der erst kürzlich verstorbenen Konstanze Vernon (Leiterin der Heinz-Bosl-Stiftung) und Jan Broeckx (Leiter der Ballettakademie der Hochschule für Musik und Theater München) gründete er 2010 das Bayerische Staatsballett II – Junior Company, in dem sich junge Tänzer beweisen und ihre Ausbildung vertiefen können. Außerdem ist Liska Mitglied des künstlerischen Rates des Nationaltheaters in Prag und Sprecher der Bundesdeutschen Ballettund Tanzdirektoren Konferenz. Im Februar 2012 wurde er für seine Laufbahn als Tänzer ebenso wie für seine Arbeit als Direktor des Bayerischen Staatsballetts mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt. 2007 erhielt er die "Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa", 2008 überreichte ihm das Chinesische Kulturministerium einen "Preis für herausragende Verdienste um den internationalen kulturellen Austausch". Seit 2009 ist er Träger des Bayerischen Verdienstordens.

 

Texte © Bayerische Staatsballett / Foto © Wilfried Hösl und Bettina Stöß (Portrait)

 
Ivan Liska 
Direktor 

 
 
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