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Ballettlegende von John Neumeier
in sieben Bildern und einem Prolog
frei nach Ferenc Molnár

 

Musik
  Michel Legrand
Ein Auftragswerk
des HAMBURG BALLETT
der Hamburgischen Staatsoper
     

Choreografie
Kostüme
Licht

  John Neumeier
     
Bühnenbild
  Ferdinand Wögerbauer

 

Premiere
Hamburg Ballett, Hamburg, 4. Dezember 2011

 

Originalbesetzung
   
Liliom
Julie
Louis, ihr Sohn
Mann mit den Luftballons
Frau Muskat

Marie
Wolf Beifeld
Ficsur
 
Ein Matrose
Konzipist im Jenseits
Ein schüchterner Junge
Ein trauriger Clown
Elmer
 

Carsten Jung
Alina Cojocaru a.G.
Aleix Martínez
Sasha Riva
Anna Polikarpova
Leslie Heylmann
Konstantin Tselikov
Lloyd Riggins
für Dario Franconi
Kiran West
Edvin Revazov
Alexandr Trusch
Zachary Clark
Emanuel Amuchástegui

 

Gastspiel
2012 Baden-Baden 2014 Costa Mesa, California

 

Mein Ziel war es, eine Pester Vorortsgeschichte so primitiv, so naiv auf die Bühne zu bringen, wie sie alte Frauen in der äußeren Josefstadt zu erzählen pflegen. Was hier an symbolischen Gestalten, überirdischen Figuren vorkommt, dahinter wollte ich nicht mehr an Bedeutung verstecken, als ihnen ein bescheidener Strolch gibt, wenn er an sie denkt.

Ferenc Molnár

 

 

Das Kind: "Ist es denn möglich, dass man einen heftigen, einen so ganz furchtbar heftigen Schlag bekommt … und dass es doch gar nicht weh tut?"
Julie: "Ja, es ist möglich, mein Kind ... dass einen jemand schlägt ... und es tut gar nicht weh ..."

Am Ende machen in Ferenc Molnárs Vorstadtlegende Kind und Mutter die gleichen Erfahrungen mit Liliom, dem einstigen Hutschen­schleuderer, dem das Leben zusetzt und der dennoch austeilt. Ein Mann des Jahrmarkts, von den Frauen bewundert, kehrt er durch falsch verstandene Ehre dem Schaustellergewerbe den Rücken und wird an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Sein Kind soll es besser haben, und doch muss Liliom erkennen, dass sein Leben sich in ihm fortschreibt. "In dieser Geschichte passieren Dinge, auf die Liliom reagieren muss", so John Neumeier, der Molnárs Schauspiel aus dem Milieu der Karussellbetreiber mit Mitteln des Balletts nacherzählt.

Die Musik von Michel Legrand liefert einen Hintergrund, der an das Amerika der dreißiger Jahre erinnert, an die Zeit der Großen Depression mit ihren sozialen Zerrüttungen, als die Träume der Menschen reihenweise platzten und in kurzweiligen Vergnügungen zum Vorschein kamen. Ein Leben, das nach Erfüllung verlangte in einer Welt tiefgreifender Desillusionierung, und das nach Zerstreuung suchte, um überhaupt einen Wert des Lebens zu spüren. Dafür sorgt die Musik der NDR Bigband, die der oscargekrönte Filmkomponist Michel Legrand in großem Umfang in seine Partitur aufgenommen hat.

John Neumeier kreiert erstmals für Alina Cojocaru. Die gefeierte Erste Solistin des Royal Ballet wird die Rolle der Julie tanzen.

 

 

Inhalt

PROLOG – DIE VERFALLENE KULISSE VON PLAYLAND
Der Mann mit den Luftballons. Nach sechzehn Jahren im Fegefeuer darf Liliom für eine gute Tat kurz auf die Erde zurückkehren. Er bringt einen gestohlenen Stern für seinen Sohn Louis, der seinen Vater nicht erkennt und dessen Geschenk abwehrt. Aus Wut und Frust schlägt ihn Liliom. Julie, die Mutter von Louis, erscheint. Sie spürt – wie ihr Sohn – Lilioms Schlag als Umarmung. Julie erinnert sich an Liliom, den einstigen Ausrufer eines Karussellbetriebes in Playland.

ERSTES BILD – PLAYLAND
Der Jahrmarkt wird von Lilioms Gegenwart dominiert. Er ist bei der Karussellbesitzerin Frau Muskat angestellt und ihr Liebhaber. Die Freundinnen Marie und Julie servieren in einem Café in Playland. Nicht zum ersten Mal besuchen sie das Karussell. Julie wird von einem schüchternen Jüngling umworben. Sie sucht jedoch die Begegnung mit Liliom. Ein betrunkener Matrose stürzt in die Menge. Er belästigt Julie, die von Liliom beschützt wird. Ficsur, ein Mann aus dem Untergrund, steckt dem Matrosen ein Messer zu. Liliom, der als Sieger aus dem Kampf hervorgeht, lässt den Matrosen laufen. Frau Muskat ist auf Julie eifersüchtig.

Auseinandersetzung – Frau Muskat kündigt Liliom.

ZWEITES BILD – EIN EINSAMER PLATZ
Marie und Julie warten in einem Park auf einer Bank. Maries Freund Wolf kommt, später auch Liliom. Julie und Liliom bleiben allein. Sie sind unfähig, sich gegenseitig ihre Liebe zu gestehen.

INTERLUDIUM
Ficsur versucht Liliom für das Drehen krummer Dinger zu gewinnen.

DRITTES BILD – AUF JOBSUCHE
Eine Menge von Jobsuchenden konkurriert um die knappen offenen Stellen, darunter Liliom und Ficsur.

VIERTES BILD – ZUHAUSE
Vorbereitungen zur Hochzeit von Marie und Wolf. Arbeitslos und frustriert tritt Liliom auf.

Julie und Liliom allein. Mit sich unzufrieden und ungehalten schlägt er sie in dem Moment des Auftretens von Frau Muskat. Sie versucht Liliom zu überreden, zu ihr als Karussellausrufer zurückzukehren. Liliom zögert.

Wieder allein will Julie Liliom anvertrauen, dass sie ein Kind erwartet. Endlich begreifend träumt er von einer Zukunft mit seinem Sohn.

FÜNFTES BILD – DIE HOCHZEIT VON MARIE UND WOLF
Die Gäste feiern die Hochzeit von Marie und Wolf. Ficsur und Liliom entfernen sich von der Gesellschaft, während Julie von dem schüchternen Jüngling zum Tanzen aufgefordert wird.

Naiv versuchen Liliom und Ficsur einen Diebstahl durchzuführen. Der Raub geht schief. Liliom will fliehen. Polizisten erscheinen – er erkennt die Aussichtlosigkeit seiner Lage und ersticht sich.

Julie trauert um Liliom. Sie gesteht ihm ihre Liebe.

SECHSTES BILD – IM JENSEITS
Der Mann mit den Luftballons begleitet Liliom auf seiner Überführung ins Jenseits. Liliom tritt vor den Konzipisten, dem er gestehen muss, dass er Julie geschlagen hat. Teufel erscheinen. Der Mann mit den Luftballons erinnert an die Auseinandersetzung mit dem Matrosen. Obwohl Liliom dem Matrosen überlegen ist, sticht er nicht mit dem Messer zu. Daraufhin wird Liliom zunächst nicht verdammt. Während seiner sechzehn Jahre im Fegefeuer wächst sein Sohn auf.

SIEBTES BILD – LOUIS
Der sechzehnjährige Louis allein vor der verfallenen Kulisse von Playland. Inzwischen reich geworden ziehen Marie und Wolf mit ihrem Kind Elmer in eine bessere Gegend. Der Mann mit den Luftballons führt Liliom zu seinen Sohn. Louis erkennt seinen Vater nicht. Liliom will ihm einen Stern schenken, den er im Himmel gestohlen hat. Brüsk wird er von seinem Sohn zurückgewiesen. Fassungslos schlägt ihn Liliom. Julie erscheint, hebt den Stern auf, erinnert sich an Liliom und spürt seine Nähe. Es scheint, als ob Liliom ihr zuflüsterte: "Wisse, dass ich dich liebe."

 

 

Für John ein Stück zu schreiben macht mich stolz und glücklich. Vor einiger Zeit sprachen wir über verschiedene Sujets. Schnell schlug er "Liliom" vor. Mich faszinierte seine Idee und so vertiefte ich mich in den Stoff. Es war ein großes Vergnügen, mit ihm über mehrere Monate an diesem Projekt zu arbeiten. Die Liebe zwischen Liliom und Julie ist besonders, absolut unvergleichlich. Für mich ist die Handlung nicht nur eine Love Story, sondern eine Geschichte, in der auch Härte und Rohheit, ja sogar Hass ihren Platz haben. Ich finde den plot großartig, er lässt mir unendlich viele Möglichkeiten für seine Darstellung. Die Welt des Jahrmarktes, seine Brutalität und Poesie, die kleinen und großen Träume der Menschen, Nähe und Ferne, Enttäuschung und Hoffnung, eine große Liebe und Lilioms Gewalt als ihre Kehrseite – all das sind Dinge, die mich berühren und eine Anregung für meine Musik lieferten. Ich wollte das Vielgestaltige des Stils von Ferenc Molnár in meine Komposition aufnehmen. An den Einsatz einer Big Band dachte ich, als ich die Beziehung zwischen Liliom und Frau Muskat in einer Weise ausdrücken wollte, die an das Zirkus- und Schaustellerleben erinnert. Als Filmkomponist schreibt man Musik, die unterbrochen wird und neu einsetzt. Im Ballett läuft die Musik hingegen durch. So ist es mir möglich, die Geschichte anders zu erzählen. Die Musik wird nicht nur zur Verstärkung und Intensivierung bestimmter dramatischer Momente herangezogen, sondern ist Träger der kompletten Handlung. Wichtig ist der Spannungsaufbau innerhalb der Komposition. Die Faktur versucht die unterschiedlichen Charaktere in "Liliom" einzufangen. In Molnárs Vorstadtlegende besitzt jede Figur ihre eigene Persönlichkeit und setzt sich von der anderen ab. Für mich lag der Reiz der Komposition darin, genau das in Musik zu übertragen.

Michel Legrand

 

 

Pressestimmen

Hamburgs Tanzchef John Neumeier und Filmkomponist Michel Legrand geizen nicht mit Poesie und Emotion. Dabei bleiben sie ... einfach und pur. Das ist eine ideale Mischung. Das Ergebnis: ein fast vollkommenes, choreografisches wie musikalisches Meisterwerk; logisch und sensibel, innovativ und liebenswert. Dafür badeten alle Beteiligten im Beifall. ... Lange schon gelang ihm nicht mehr eine szenisch, musikalisch wie tänzerisch so gelungene Uraufführung. Gut möglich, dass man ihr schon in Kürze auch auf den großen Ballettbühnen in Paris und London begegnen wird.
Die Welt

Die Uraufführung von "Liliom" am Sonntagabend in der Hamburger Staatsoper wurde zum Triumph.
Der durchaus riskante Coup, "Liliom" auf die Tanzbühne zu bringen, ist John Neumeier geglückt: Gerade weil er und seine Protagonisten sich nicht scheuen, Züge des altmodisch-sentimentalen Molnár-Stücks zu erhalten, sie eigenständig und fantasievoll mit unbefangen amerikanischem Kolorit zu interpretieren und so ehrlich wie gefühlsintensiv auszuspielen. Ihre Botschaft lautet: In dunklen Krisenzeiten braucht es das Licht der aufrichtigen und verständnisvollen Liebe.
dpa

Neumeiers größte Leistung aber ist sein respekt- und liebevoller Blick auf die sozialen Analphabeten, die das Fernsehen täglich durch Scripted-Reality-Formate schleust und dabei öffentlich exekutiert. Es sind die Lilioms unserer Tage, Kerle wie die Krawallmacher von der Kirchenallee. Ihnen verehrt Neumeier in Anlehnung an Eugene O'Neills "Mond für die Beladenen" einen funkelnden "Liliom"-Stern.
Süddeutsche Zeitung

Neumeier kann wie sonst niemand mit Tanz Geschichten erzählen. Und so gelingt ihm auch in "Liliom", das Drama klar, die Personen plastisch und die Umstände nachvollziehbar zu gestalten.
Hamburger Morgenpost

Es ist nichts Aufgesetztes in dieser Choreographie, nichts Effekthascherisches. So rein und tief wie diese Liebe, aber auch so zerrissen, so sprachlos, so hilflos, sind die Gesten im Tanz. ... Und doch wäre das alles längst nicht so eindrucksvoll, wenn da nicht diese unglaubliche Musik wäre, eigens für diese Ballettversion geschrieben von Michel Legrand ... Der Liebe zwischen Julie und Liliom hat Legrand eine schmelzend schöne kurze Tonfolge geschenkt, die ebenso zart wie kraftvoll gespielt werden kann. Es ist eine Musik, die Sehnsucht atmet und Erfüllung zugleich, die erdet, aber auch alles offen lässt, schwebt, fliegt, verweht.
tanznetz.de

Fulminanter Erfolg für John Neumeiers Ballett "Liliom"
Das Licht aufrichtiger Liebe in dunkler Krisenzeit feiert Neumeier in seinen lyrischen "Liliom"-Szenen. Er bietet mit dem Komponisten Legrand und dem Bühnenbildner Ferdinand Wögerbauer alle Mittel auf, die eine Choreografie zum großen Handlungsballett und publikumswirksamen Erlebnis machen: Eine vielfarbige Partitur, dramaturgisch klaren Aufbau mit aktueller Sozialkritik, emotionale und erotische Spannung im Liebes-Dreieck, sowie Show-Effekte mit Akrobaten und bunten Lichtern auf dem Jahrmarkt.
Hamburger Abendblatt

Ballett-Abend der Extra-Klasse
Bild

 
 

 
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Handlung | Pressestimmen

1 Pause
2 Stunden 45 Minuten

Hamburgische Staatsoper
22., 24., 31. Januar
2015

Kalender  Karten

Preise
5,- bis 97,- € (A)
4,- bis 79,- € (C)

 
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