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Ballett von John Neumeier
Ein choreografisches Skizzenbuch in zwei Teilen

 

Musik
 

Lera Auerbach

24 Präludien für Violoncello und Klavier
Für John Neumeier

Auftragswerk von Tom und Vivian Waldeck in Verbindung mit dem Caramoor International Music Festival

24 Präludien für Violine und Klavier
Für Vadim Gluzman und Angela Yoffe

Auftragswerk von Herbert und Beverly Gelfand

     
Choreografie
Bühnenbild
Kostüme
  John Neumeier

 

Uraufführung
Hamburg Ballett, Hamburg, den 22. Juni 2003

 

Originalbesetzung
  Silvia Azzoni
Joëlle Boulogne
Otto Bubenícek
Laura Cazzaniga
Peter Dingle
Yukichi Hattori
Carsten Jung
Heather Jurgensen
Elizabeth Loscavio
Susanne Menck
Niurka Moredo
Anna Polikarpova
Alexandre Riabko
Lloyd Riggins
Yohan Stegli
Sébastien Thill
Lisa Todd

 

Versuchen Sie nicht das Ballett zu verstehen. Es hat keine Geschichte, (die ich Ihnen erzählen könnte) – außer der Handlung, die Sie eventuell beim Hören der Musik und beim gleichzeitigen Betrachten dieser Bewegungssituationen in sich selber spüren. Da formen sich sicher viele ganz unterschiedliche Geschichten...
Ich war von Lera Auerbachs Musik bewegt und habe mir, ohne viel nachzudenken, Tänzer ausgesucht, die ich in dieser Musik "gehört" habe. Aus ihren eigenen Persönlichkeiten entstanden die Figuren des Balletts. Für mich haben sie nun ein eigenes Leben angenommen. Aber, wie Menschen im wirklichen Leben, bleiben sie letztendlich enigmatisch, geheimnisvoll. D.h. ich sehe zwar, was sie tun (habe es selbst erfunden!), doch ich verstehe ihre Motive nicht immer. Weiß nicht, was sie wirklich denken, begreife nicht, warum sie etwas machen (oder nicht machen). Manchmal glaube ich die Menschen wiederzuerkennen – manchmal sehen sie ganz anders aus. Ich kenne sie – ich kenne sie doch auch wieder nicht. Ihre Beziehungen scheinen unklar und wechseln öfters. Sie sind nicht berechenbar – genau wie wirkliche Menschen.

3. April 2003
Notizen in den ersten Tagen der Kreationen von "Préludes CV"
 

Manchmal sehe ich das Ballett wie ein Skizzenbuch... mein sehr persönliches Bewegungs-Skizzenbuch der Gefühle. Tanzbilder, einzelne unvollendete Fragmente menschlicher Situationen (scheinbar) beziehungslos nebeneinander – räumlich begrenzt durch den Bühnenraum, zeitlich durch die Dauer der Musik (wie Skizzen durch die Maße des Papiers). Sie scheinen ohne Zusammenhang, aber wie im Zeichenblock hat der Instinkt des Künstlers sie genau dort auf dem Blatt skizziert und gibt damit unterschiedlichen Motiven unbewusst ihre geheimnisvolle Logik. Auch, typisch für ein Skizzenbuch, gibt es in meinem Ballett mehrere Varianten der gleichen Aktion, Tanz oder Situation... als ob der Beobachter (der Zeichner, der Choreograf) Aspekte des »Gleichen« auch anders einzufangen versucht...

9. Juni 2003
Notizen in den letzten Tagen der Kreationen von "Préludes CV"

John Neumeier

 

  

Lera Auerbach
 
Lera Auerbach 
Die Komponistin Lera Auerbach wurde 1973 in Tscheljabinsk/Russland geboren. Sie erhielt Klavierunterricht und trat bereits mit sechs Jahren öffentlich auf. Im Alter von 12 Jahren komponierte sie ihre erste abendfüllende Oper, die sogleich produziert und an vielen Orten in der Sowjetunion gezeigt wurde. Mit 14 Jahren publizierte sie ihr erstes Buch mit Poesie und Prosatexten. 1991 entschloss sie sich, nach einem Konzert-Gastspiel in den USA zu bleiben. Sie studierte mit Auszeichnung Klavier und Komposition an der Juilliard School in New York. Außerdem besuchte sie die Hochschule für Musik in Hannover und belegte das Fach Vergleichende Literaturwissenschaften an der Columbia University. 1996 zeichnete sie die Internationale Puschkin-Gesellschaft als Poetin des Jahres aus und sie erhielt den Poesie-Preis des Jahres der größten russischen Zeitung Novoye Russkoye Slovo. Im Jahr 2000 wurde Lera Auerbach von der Internationalen Brahms-Gesellschaft als Komponistin-in-Residence nach Baden-Baden eingeladen, wo sie im Haus von Johannes Brahms lebte und arbeitete. Lera Auerbach hat bereits fünf Bände mit ihrer Prosa und Poesie veröffentlicht und war 2000 Präsidentin der Jury beim Internationalen Puschkin-Poesie-Wettbewerb. Als Pianistin ist sie in der New Yorker Carnegie Hall, dem Lincoln Center, dem Müncher Herkulessaal, im Konzerthaus in Oslo und im Kennedy Center in Washington aufgetreten. Sie komponierte für u.a. Gidon Kremer, Vadim Gluzman und die Kremerata Baltica.

Mein überraschtes Erstaunen über ihre so offensichtliche Begabung hält an. Eine junge Frau, die sich in die große humanistische Tradition reiht... Kurz gesagt: Lera Auerbach ist eine "Poly-Artistin", jemand der mehr als je gebraucht wird in einer Gesellschaft, die immer skeptischer denjenigen gegenübersteht, die in allen Dingen einen Ausdruck erkennen.
David Dubal, Biograf von Vladimir Horowitz

 

 

Pressestimmen

Einhelliger, begeisterter Beifall für ein Ballett, auf das man sich vor der Uraufführung nur schwer einen Vers machen konnte ... Neumeier (bittet) die Zuschauer, ihre eigenen Assoziationen anzustellen, Beziehungen zu knüpfen und ihre eigenen Geschichten zu formen ... Eine ungemein reizvolle Aufgabe, wie sich im Verlauf des Abends herausstellte, selbst für die, die sich gern von einem Geschichtenerzähler an die Hand nehmen lassen.
Monika Fabry, Hamburger Abendblatt

Manche Soli und Duette wirken da wie ein Befreiungsschlag, der ganz neue Seiten im jeweiligen Interpreten aufscheinen lässt. Neumeiers Stil haben (die Tänzer) voll und ganz internalisiert und wissen doch darüber hinaus in seinem Sinne zu experimentieren.
Marga Wolff, taz Hamburg

Neumeiers grandiose "Préludes CV" uraufgeführt. Von der Bühne direkt ins Herz.
Lienj Kaspari, Bild

Auerbach und Neumeier, da haben sich zwei gesucht und gefunden: beide keine Avantgardisten, sondern subtile Tiefschürfer, Nuancen-Sucher in einer fortgeschriebenen, aufgerauten Klassik. Auerbachs geschlossenen Stücke streifen verschiedene Stile, vom Barock bis zur Atonalität, wechseln regelmäßig zwischen lyrisch-elegisch und pointiert rhythmisch aufreizend und aggressiv. Eine farbige Form und genau der willkommene Rahmen für Neumeiers freie Assoziationen.
Malve Gradinger, Münchner Merkur

Persönlicher waren Erste Solisten, Solisten und Tänzer der Compagnie nie zuvor in einem Ballett zu erleben. ... Nicht zufällig entsteht diese Choreografie im Jahr des 30jährigen Bestehens des HAMBURG BALLETT: Der zweieinhalbstündige Abend wirkt wie die Quersumme der kreativen Arbeit zwischen John Neumeier und seinen Tänzern.
Dagmar Fischer, Hamburger Morgenpost

Es geschieht ungeheuer viel auf der nachtschwarzen Bühne - und es ist durchaus spannend. Neumeiers Kreativität bleibt auch in seinem 125. Ballett staunenswert!
Horst Koegler, Koeglerjournal

In ... "Préludes CV" verlässt John Neumeier die gewohnten Pfade des Handlungsballetts und der symphonischen Dichtungen und überlässt sich ... offeneren Strukturen ... (Er schafft eine) skizzenhafte Choreografie, die aus räumlich und zeitlich sehr variabel kombinierbaren Modulen besteht und das Bild eines spezifisch wuchernden Tanzes entfaltet, den das Ensemble sichtlich animiert umsetzt.
Edith Boxberger, Frankfurter Allgemeine Zeitung

John Neumeier tanzt die Liebe, dass seine Kritiker aus der Fassung geraten müssen ... dann kramen sie heimlich nach einem Taschentuch.
Evelyn Finger, Die Zeit

Die Inspiration zu diesem Ballett ist die wundervolle, spritzige Partitur der jungen russischen Komponistin Lera Auerbach. Die Musiker, Lera Auerbach spielt auch selbst, sind Teil des Stückes und sitzen links auf der Bühne. Es ist ein Geniestreich von John Neumeier die Quelle des Tanzes – die Körperlichkeit der Musik – mit den Darstellern zu verbinden. Exquisit: als die Erste Solistin Anna Polikarpova zum Geiger Vadim Gluzman gleitet, während er ein zartes Diminuendo spielt.
James Woodall, Financial Times
  

Pressestimmen zur Wiederaufnahme 2012

Es ist beeindruckend, wie es ihm [John Neumeier] gelungen ist, die so verschieden temperierten Musikstücke in ein variationsreiches, freies Bewegungsvokabular umzusetzen. Selten so ausgeprägt wie hier zeigt sich Neumeier am zeitgenössischen Tanz orientiert, bleibt seinem eigenen Stil aber dennoch treu.
tanz.at

Und gerade weil es so authentisch ist, entwickelt dieses Stück auf der Bühne eine sehr besondere Intensität, die sich unmittelbar auf das Publikum überträgt.
tanznetz.de

Was gibt es nun wirklich zu sehen? Vor allem erstklassige Tanzkunst in technisch perfekter Reinheit und subtiler Ausdruckskraft.
Hamburger Abendblatt

 

 
 

 
Trailer I | Trailer II | Fotos
Handlung | Pressestimmen

1 Pause
2 Stunden 30 Minuten

Hamburgische Staatsoper
21., 23., 24. April
2015

Kalender  Karten

Preise
4,- bis 89,- € (B)
4,- bis 79,- € (C)

 
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