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Les Ballets de Monte-Carlo

Unter der Schirmherrschaft Ihrer Königlichen Hoheit
der Prinzessin von Hannover
Choreograf und Direktor: Jean-Christophe Maillot

39. Hamburger Ballett-Tage
Hamburgische Staatsoper, 18. und 19. Juni 2013
 
 

Romeo und Julia
Ballett von Jean-Christophe Maillot nach William Shakespeare
 

 
Uraufführung
Les Ballets de Monte-Carlo, Monte Carlo Opernhaus, Salle Garnier
23. Dezember 1996

Musik
  Sergej Prokofjew
     
Choreografie
  Jean-Christophe Maillot
     
Bühnenbild
  Ernest Pignon-Ernest
     
Kostüme
  Jérôme Kaplan
     
Licht
  Dominique Drillot

 

In seiner Version von "Romeo und Julia" hat sich Jean-Christophe Maillot vom episodischen Charakter der Musik Prokofjews anregen lassen und das Bühnengeschehen wie eine Filmgeschichte strukturiert. Statt sich auf Themen der gesellschaftlichen und politischen Gegensätzlichkeiten zwischen den beiden sich befehdenden Clans zu konzentrieren, stellt die Choreografie die Mehrdeutigkeit des Heranwachsens in den Vordergrund. Zerrieben zwischen widersprüchlichen Impulsen, Zärtlichkeit und Gewalt, Furcht und Stolz, geraten die Liebenden in eine Tragödie, die ihre radikalen Gefühle und inneren Konflikte berührt. Die Liebenden erleben, wie ihr Schicksal der bewussten Kontrolle zu entgleiten droht und der innere Aufruhr von nur schwer unterdrückbaren Leidenschaften dominiert wird. Das Festhalten an Idealen provoziert unverhältnismäßige, fatale Folgen. Im Hervorrufen dieses zerbrechlichen und unberechenbaren Zustandes hat der Künstler Ernest Pignon-Ernest ein transparentes und helles Dekor erarbeitet – ein Spiel mit einfachen Formen, das die zugrundeliegende Komplexität des Sujets umso wirkungsvoller hervorhebt.

 

 

Handlung

OUVERTÜRE

I. AKT

1. Szene – Die Straße

Pater Lorenzo und seine beiden Begleiter – der Clan der Montagues: Mercutio, Romeo, Benvolio – Auftritt von Tybalt, Rosalinde und die Capulets – der Kampf – Pater Lorenzo und seine beiden Begleiter

Pater Lorenzo, eine seltsam gequälte Person, ist der vitale Faden, der die Ereignisse des Dramas verbindet. Er verkörpert eine Dreieinigkeit, die zwischen Gut und Böse gefangen ist und zwischen Zufall und Notwendigkeit hin und her gerissen wird. Er ist ein manipulierter Manipulator, der Hauptanstifter der Geschichte, durch den die Tragödie in Gang kommt, obwohl er glaubt, dass er den Schlüssel zum Glück übergeben hat. Daher erscheint er am Anfang des ersten Aktes und zeigt, wie sehr die Geschichte von Romeo und Julia – ihr Tod ebenso wie ihre Begegnung und sogar ihre Liebe – vom Zufall bestimmt ist. Er ist der Agent des Dramas, das wie folgt beginnt: In einer Straße in Verona entwickelt sich ein Streit zwischen Mercutio, Benvolio und Tybalt in einen Kampf, als Romeo vorbeikommt.

2. Szene – Julias Schlafzimmer

Die Amme – Auftritt von Julia – Auftritt von Lady Capulet

Während Julia in ihrem Zimmer mit ihrer Amme spielt, tritt die Mutter dazu (Symbol der elterlichen Autorität), um ihr zu mitzuteilen, dass Graf Paris um ihre Hand angehalten hat. Sie versucht das rebellierende Mädchen zur Vernunft zu bringen.

3. Szene – Vorbereitungen für den Ball

Im Palast der Capulets laufen die Vorbereitungen für den Ball. Mercutio und Benvolio beschließen, verkleidet und maskiert auf dem Ball zu erscheinen und überreden Romeo, sie zu begleiten.

4. Szene – Der Ball

Paartanz (Pas de six): Julia und Graf Paris, Romeo und Rosalinde, Lady Capulet und Tybalt – Julias Variationen – Mercutios Variationen – Julia trifft Romeo – Tybalt erkennt Romeo – die Gäste verlassen den Ball

Der Ball ist in Capulets großem Haus in vollem Gange. Romeo versucht, die Aufmerksamkeit der schönen Rosalinde zu erregen, die vor seinen Avancen zurükkscheut. Julia sieht als erste den gut aussehenden jungen Mann, der bald ebenso gefangen ist. Tybalt entdeckt die Eindringlinge und beendet dieses erste und entscheidende Treffen.

5. Szene – Der Balkon

Romeo sieht Julia auf dem Balkon – Mercutio und Benvolio suchen Romeo und werden von Tybalt beobachtet – Romeos Variationen – Julia erblickt Romeo – Pas de deux

Auf dem Balkon vor ihrem Zimmer träumt Julia von dem Abend. Romeo, dessen Freunde ihn suchen, erscheint im Garten, um ihr seine Liebe zu gestehen.
 

II. Akt

6. Szene – Die Straße

Pater Lorenzo – Mercutio, Benvolio und ihre Freunde – dazu Romeo – Marionetten – eine Botschaft

Romeo trifft Benvolio inmitten der Feierlichkeiten – Tänze, Maskeraden und Puppenspiele beleben die Straße. Die Amme erscheint mit einem Brief von Julia, in dem sie Romeo mitteilt, dass er sie in der Zelle von Pater Lorenzo treffen soll, wo der Priester ihre Trauung vornehmen wird.

7. Szene – Die Zelle – Hochzeit

Pater Lorenzo, der durch diesen Akt die beiden verfeindeten Familien zu versöhnen hofft, hat sich einverstanden erklärt, Romeo und Julia zu vermählen. Die Hochzeit findet unter dem Zeichen des Möbius-Rings statt, einem Zeichen unauflösbarer Einheit, ein Symbol von Ewigkeit und immerwährender Rückkehr über den Tod hinaus.

8. Szene – Die Straße

Tybalt und seine Freunde – Mercutio und Tybalt treffen sich – Mercutios Tod – Tybalts Tod

Tybalt fordert einen Streit mit Mercutio und Benvolio heraus. Romeo versucht zu schlichten, aber Tybalt tötet schließlich Mercutio. Romeo, ein friedfertiger Mann der Ehre, fühlt sich verpflichtet, den Tod seines Freundes zu rächen. Er duelliert sich mit dem Feind der Montagues und tötet ihn.

III. AKT

9. Szene – Julias Schlafzimmer

Pater Lorenzo und seine beiden Begleiter – Julia und Romeo – Auftritt der Amme – Lady Capulet und Paris – Julia und die Amme – Julia allein – Julia, Pater Lorenzo und seine beiden Begleiter

Bevor er nach Mantua flieht, um dem Zorn der Capulets zu entgehen, verabschiedet sich Romeo von Julia. Die Trennung ist schmerzvoll. Julia kann nicht akzeptieren, was passiert ist. Aber noch weniger kann sie Paris als Ehemann akzeptieren. Ihre Mutter hat gerade die bevorstehende Hochzeit verkündet und betritt mit dem Freier ihr Schlafzimmer. Entsetzt bittet Julia bei Pater Lorenzo um Rat.

10. Szene – Julias Schlafzimmer – Das Grab

Julia, Pater Lorenzo und seine Begleiter – die Amme, Lady Capulet, Romeo und Pater Lorenzo

Pater Lorenzos Plan ist es, Julia einen Trank zu verabreichen, der sie in einen todesähnlichen Schlaf versetzt. Nachdem man sie in die Familiengruft gebracht hat, kann sie von dort fliehen und Romeo folgen, der von Pater Lorenzo darüber informiert wird. Doch es kommt anders: Pater Lorenzo kann seine Nachricht nicht übermitteln. Voller Verzweiflung begeht Romeo über der toten Geliebten Selbstmord. Als Julia erwacht und erkennt, was geschehen ist, beschließt sie, Romeo in ewiger Liebe zu folgen.

 

 

Die Compagnie

Die Geschichte der Ballets de Monte-Carlo beginnt mit dem Auftreten der Ballets Russes 1909 in Paris. Sitz der Compagnie wird Monte-Carlo, wo sich die Truppe auf die jährliche Saison in Paris und auf Tourneen vorbereitet, u.a. auf das Gastspiel in den USA 1916 bis 1917. 1932 geht eine neue Compagnie aus der Vereinigung des Opernballetts von Monte-Carlo mit dem Russischen Opernballett in Paris hervor. Direktor der neuen Ballets Russes de Monte-Carlo wird Colonel de Basil, als künstlerischer Leiter fungiert René Blum. Nach einem offenen Streit gründet de Basil eine Compagnie mit dem Namen Ballets Russes du Colonel de Basil, Blum ruft 1936 Les Ballets de Monte-Carlo ins Leben, die mit Léonid Massines Antritt als Direktor 1938 in Ballet Russe de Monte-Carlo umbenannt werden. In den frühen fünfziger Jahren wird die Compagnie aufgelöst. 1954 wieder gegründet, verschwindet sie jedoch nach und nach bis zu ihrem endgültigen Aus 1963.

1985 werden Les Ballets de Monte-Carlo als offizielle Ballettcompagnie des Fürstentums von Monaco von Ihrer Königlichen Hoheit, Prinzessin von Hannover (Caroline von Monaco), auf Wunsch ihrer Mutter, der Fürstin Gracia Patricia von Monaco, gegründet. Die erste Aufführung findet unter Mitwirkung einiger Stars der Pariser Oper am 21. September 1985 statt. Unter der Leitung von Ghislaine Thesmar und Pierre Lacotte probt die Compagnie im Diaghilew-Studio, tanzt auf der Bühne der Salle Garnier in der Oper von Monte-Carlo und nimmt ihre Tourneetätigkeit wieder auf. Das Repertoire umfasst Arbeiten der Ballets Russes sowie zeitgenössische Werke von Choreografen wie Kevin Haigen, John Clifford, Jean-Christophe Maillot, Dieter Amman und Uwe Scholz. 1989 übernimmt Jean Yves Esquerre die Direktion. 1992 kommt Jean-Christophe Maillot zunächst als künstlerischer Berater zur Compagnie und wird im September 1993 zu ihrem Direktor und Chefchoreografen ernannt.

 

TÄNZERINNEN UND TÄNZER
Carmen Andres, April Ball, Anjara Ballesteros, Anja Behrend, Sivan Blitzova, Bernice Coppieters, Francesca Dolci, Vanessa Henriques, Liisa Hamalainen, Mimoza Koike, Frances Murphy, Tiffany Pacheco, Noelani Pantastico, Erin Patak, Quinn Pendleton, Gaëlle Riou, Maude Sabourin, Anne-Laure Seillan, Yi Sun, Kaori Tajima, Beatriz Uhalte, Simone Webster

Aurélien Alberge, Raphaël Bouchard, Stephan Bourgond, Piotr Czubowicz, Edgar Castillo, Gabriele Corrado, Daniele Delvecchio, Léart Duraku, Asier Edeso, Ediz Erguc, Julien Guerin, Joseph Hernandez, Giovanni Mongelli, Gaëtan Morlotti, Alexis Oliveira, George Oliveira, Lucien Postlewaite, Alvaro Prieto, Chris Roelandt, Bruno Roque, Stefan Stewart, Asier Uriagereka, Jeroen Verbruggen

 

 

Jean-Christophe Maillot

Rosella Hightower bemerkte einst über ihren Schüler Jean-Christophe Maillot, sein Leben beschreibe eine Vereinigung von Gegensätzen. Tatsächlich kombiniert der Chefchoreograf der Ballets de Monte-Carlo Tanz mit Theater, lässt sich von verschiedenen Sujets anregen und erkundet die Übertragung literarischer Formen auf die visuelle Kunst. Jedes seiner Ballette versteht sich als ein Skizzenbuch, das den Kern nachfolgender Arbeiten in sich trägt. Seit über dreißig Jahren hat Jean-Christophe Maillot sechzig Werke erarbeitet, deren Bandbreite von großen Handlungsballetten bis zu kleineren Formaten reicht. Maillots Oeuvre lässt sich keiner bestimmten stilistischen Richtung zuschreiben, es ist weder klassisch noch zeitgenössisch noch steht es zwischen beiden Strömungen. Maillot versteht Tanz als einen Dialog, der Tradition und Avantgarde nicht länger gegenseitig ausschließt.

Jean-Christophe Maillot wurde 1960 geboren und studierte Tanz und Klavier am Conservatoire de Région de Tours, bevor er zur Rosella Hightower International School of Dance in Cannes kam und 1977 den Prix de Lausanne gewann. John Neumeier engagierte ihn beim HAMBURG BALLETT, wo er für fünf Jahre führende Rollen als Solist tanzte. Eine Verletzung bedeutete das plötzliche Ende seiner tänzerischen Karriere.

1983 folgte er einer Ernennung als Ballettdirektor und Chefchoreograf des Ballet du Grand Théâtre de Tours, das später zum Nationalen Zentrum für Choreografie ausgerufen wurde. Hier erarbeitete er ca. zwanzig Ballette und gründete 1985 das Tanzfestival "Le Chorégraphique". 1987 schuf er für die Ballets de Monte-Carlo mit großem Erfolg "Le Mandarin Merveilleux". 1992/1993 arbeitete er als Künstlerischer Berater der Ballets de Monte-Carlo und wurde im September 1993 von der Prinzessin von Hannover zum Ballettdirektor und Chefchoreografen der Compagnie ernannt. Nach seiner Ankunft in Monte-Carlo schlug die Compagnie einen neuen Weg ein, der schnell einen hohen Grad der Reife und Leistung erreichte, für den die Compagnie aus fünfzig Tänzern seit nunmehr zwanzig Jahren bekannt ist.

Maillot hat nahezu dreißig Ballette für sein Ensemble kreiert. Einige der Werke, darunter "Vers un pays sage" (1995), "Romeo und Julia" (1996), "Cinderella" (1999), "La Belle" (2001), "Le Songe" (2005), "Alto Canto" (2006), "Faust" (2007), "LAC" (2011) und "Choré" (2013) konnten das Ansehen der Compagnie weltweit weiter steigern.

Viele seiner Arbeiten sind in das Repertoire zahlreicher internationaler Ballettensembles eingegangen, u.a. bei den Grands Ballets Canadiens, dem Königlich Schwedischen Ballett, dem Stuttgarter Ballett, dem Königlich Dänischen Ballett, dem Ballet du Grand Théâtre de Genève, dem American Ballet Theatre und dem Béjart Ballet Lausanne.

Mehrfach verpflichtete er für seine Compagnie Kollegen, die ein anderes ästhetischen Profil vertreten. Um die choreografische Kunst in ihren unterschiedlichen Formen öffentlichkeitswirksam präsentieren zu können, gründete er 2000 das Monaco Dance Forum, ein international ausgerichtetes Podium für Tanz mit einer Vielzahl von Aufführungen, Ausstellungen, Workshops und Konferenzen.

Mit "Faust" führte er 2007 erstmals Regie in einer Opernproduktion für das Hessische Staatstheater, 2009 folgte "Norma" für die Oper in Monte-Carlo.

2007 schuf er seinen ersten choreografischen Film mit "Cinderella", 2009 kam die Verfilmung seines Balletts "Le Songe" hinzu.

2009 entwickelte er das Konzept und übernahm zudem auch die Koordination für die Hundertjahrfeier der Ballets Russes in Monaco, in der über fünfzig Compagnien und Choreografen das Fürstentum besuchten und von mehr als 60.000 Zuschauern begleitet wurden.

2011 erlebt der Tanz in Monaco einen tiefgreifenden Wandel. Unter dem Vorsitz der Prinzessin von Hannover vereinen die Ballets de Monte-Carlo die Compagnie, das Monaco Dance Forum sowie die Prinzessin Grace Tanzakademie in einer von Jean-Christophe Maillot geführten Organisation.

Jean-Christophe Maillot ist Träger des Ordens du Mérite Culturel des Fürstentums Monaco sowie Ritter der französischen Ehrenlegion und Chevalier des Ordens der Schönen Künste und Literatur. Prinz Albert II. von Monaco ernannte ihn am 17. November 2005 zum Chevalier des Ordens Saint Charles. 2010 erhielt er in Moskau den Prix Benois de la Danse als Bester Choreograf, im selben Jahr wurde ihm der Premio Dansa Valencia verliehen.

Texte © Les Ballets de Monte-Carlo / Foto © Marie-Laure Briane (Protrait)

 
Jean-Christophe Maillot 
Choreograf Direktor 

 
 
Handlung

1 Pause
2 Stunden 30 Minuten

BMC Website

 

 
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