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Ballett von John Neumeier
nach dem Roman von Alexandre Dumas d.J.

Für Marcia

 

Musik
  Frédéric Chopin
     
Choreografie
Inszenierung
  John Neumeier
     
Bühnenbild
Kostüme
  Jürgen Rose

 

Uraufführung
Stuttgarter Ballett, Stuttgart, 4. November 1978

 

Originalbesetzung    
Marguerite Gautier
  Marcia Haydée
Armand Duval
  Egon Madsen
Manon Lescaut
  Birgit Keil
Des Grieux
  Richard Cragun
Prudence Duvernoy
  Jean Allenby
Gaston Rieux
  Vladimir Klos
Nanina   Ruth Papendick
Monsieur Duval   Reid Anderson
Olympia   Nora Kimball
Der Herzog   Marcis Lesins
Graf N.   Mark A. Neal

 

Premiere in Hamburg
Hamburg Ballett, 1. Februar 1981

 

Premierenbesetzung    
Marguerite Gautier
  Marcia Haydée
Armand Duval
  Kevin Haigen
Manon Lescaut
  Lynne Charles
Des Grieux
  Jean-Christophe Maillot
Prudence Duvernoy
  Marianne Kruuse
Gaston Rieux
  Ivan Liska
Nanina   Beatrice Cordua
Monsieur Duval   François Klaus
Olympia   Chantal Lefèvre
Der Herzog   Victor Hughes
Graf N.   Mark Diamond

 

Gastspiele
1981 München 1987 Berlin (Ost), Kopenhagen 1995 Dresden 1996 Buenos Aires, Rio de Janeiro, Sao Paulo 1997 Fukuoka, Nagoya, Omiya, Osaka, Tokio 2001 Palermo 2003 St. Petersburg 2004 Baden-Baden 2007 Los Angeles 2009 Fukuoka, Hiroshima, Nishinomiya, Yokohama 2012 St. Petersburg 2014 Wien

Im Repertoire
American Ballet Theater
Ballet de l'Opéra National de Paris
Bayerisches Staatsballett
Corpo di Ballo del Teatro alla Scala
Dresden Semperoper Ballett
Stuttgarter Ballett

 

Die Liebe macht den Menschen besser,
von welcher Seite sie auch kommen möge.
Alexandre Dumas d. J.

 

Der Weg des Balletts "Die Kameliendame" beginnt eigentlich mit der Beisetzung von John Cranko im Jahre 1973. Damals versprach ich Marcia Haydée, ihr und der Stuttgarter Compagnie zu helfen, wenn ich es könnte. Nachdem sie dann Ballettdirektorin des Ensembles geworden war, bat sie mich sofort, gelegentlich Stücke für die Compagnie zu choreografieren, insbesondere ein abendfüllendes Werk. Während eines Essens mit Marcia Haydée kam mir dann blitzartig bei ihrem Anblick die Idee, für sie "Die Kameliendame" nach dem Roman von Alexandre Dumas fils zu kreieren, der mich seit vielen Jahren schon faszinierte. Der Stoff des Balletts also war gefunden; zu welcher Musik ich "Die Kameliendame" aber choreografieren wollte, wusste ich anfangs noch nicht. Meine erste Idee war, die Opernmusik von Verdi bearbeiten zu lassen, ein Plan, den ich jedoch bald verwarf. Dann fand ich sogar die Partitur für ein abendfüllendes Ballett zu diesem Thema von dem französischen Komponisten Henry Sauguet, die mir bei näherer Betrachtung allerdings auch nicht die richtige Musik zu sein schien. Der Zeitpunkt des Probenbeginns rückte schon bedrohlich näher, und zufällig, wieder beim Essen, traf ich den Dirigenten Gerhard Markson und stellte ihm verzweifelt die Frage: "Welche Musik würden Sie für ein Ballett nach Dumas 'Kameliendame' nehmen?" Er überlegte einige Minuten und antwortete: "Chopin oder Berlioz oder beide zusammen." Ich war begeistert von dem Chopin-Gedanken, denn ich liebe diesen Komponisten sehr, hatte aber noch nie etwas zu dieser Musik choreografiert. Ich bat Herrn Markson um eine Zusammenstellung der Stücke, die für das Ballett in Frage kämen. Innerhalb weniger Wochen ist dann das musikalische Konzept, so wie es jetzt ist, entstanden.
Im Unterschied zu Dumas' Schauspiel oder Verdis Oper habe ich mein Ballett durch die Figuren von Manon Lescaut und Des Grieux ergänzt. Diese Idee kam mir aufgrund der Romanversion der "Kameliendame", in der Marguerite von Armand den Roman "Manon Lescaut" geschenkt bekommt. Dieses Buch wird bekanntlich nach ihrem Tod bei der Versteigerung ihrer Sachen von dem späteren Autor der "Kameliendame" erworben. Armand versucht nach seiner Rückkehr nach Paris, unbedingt wieder in den Besitz des Buches zu gelangen. So ist es nicht nur der Grund für die Begegnung von Armand und dem Autor, sondern auch Anlass für Armand, seine Geschichte, sein Leben mit Marguerite zu erzählen. Übrigens nehmen alle wichtigen Personen in der "Kameliendame" Stellung zu Manon. Armands Vater sagt in einer Auseinandersetzung: "Wer eine Manon liebt, läuft Gefahr, ein Des Grieux zu werden." Und Marguerite meint: "Wenn eine Frau liebt, kann sie nicht wie Manon handeln." So habe ich Manon und Des Grieux als eine Art Spiegel für Marguerite und Armand benutzt: Ihre Gedanken, ihre Zweifel und ihre Vorstellungen von der Zukunft, ihre Phantasien werden sichtbar, werden reflektiert in dem anderen Paar. In meinem Ballett lernen sich Marguerite und Armand übrigens während einer Vorstellung von "Manon Lescaut" kennen: ein Spiel im Spiel. Und am Ende, wenn Marguerite mit ihrer letzten Kraft versucht, noch einmal das Leben zu greifen, geht sie zurück in das Theater und erlebt den Schlussakt von "Manon". Die Verlassenheit und Einsamkeit der beiden Liebenden Manon und Des Grieux begleiten sie nach Hause und in ihren eigenen Tod. Das Ballett endet mit einem "Pas de trois", in dem sie sich so stark mit den Liebenden identifiziert, dass sie nicht mehr unterscheiden kann, ist es Armand oder ist es Des Grieux, ist sie Marguerite oder ist sie Manon.

John Neumeier

 

 

Reihenfolge der verwendeten Kompositionen
von Frédéric Chopin

Prolog
aus dem Largo der Sonate für Klavier Nr. 3 h-Moll op. 58
 

I. Akt
Second Concerto pour le piano avec orchestre f-Moll op. 21
 

II. Akt
Walzer Nr. 1, As-Dur op. 34 · 3 Écossaises op. 72

Walzer Nr. 3, F-Dur op. 34

Largo aus der Sonate für Klavier Nr. 3 h-Moll op. 58

Prélude Nr. 2 a-Moll, Nr. 17 As-Dur, Nr. 15 Des-Dur, aus 24 Préludes op. 28

aus dem Largo der Sonate für Klavier Nr. 3 h-Moll op. 58

Prélude Nr. 2 a-Moll, Nr. 24 d-Moll, aus 24 Préludes op. 28
 

III. Akt
Grande fantaisie sur des airs polonais pour le piano avec orchestre A-Dur op. 13, Largo ma non troppo, Andantino, Vivace

Ballade g-Moll op. 23

Andante spianato Es-Dur op. 22

Grande polonaise brillante Es-Dur op. 22

Romanze, 2. Satz aus dem Grand Concerto pour le piano avec orchestre e-moll op. 11

aus dem Largo der Sonate für Klavier Nr. 3 h-Moll op. 58

 

 

Die Handlung

Prolog

Haushaltsauflösung - wegen Todesfall soll das gesamte Inventar einer luxuriös ausgestatteten Wohnung versteigert werden. Zwischen dem Auktionator, der die einzelnen Gegenstände schätzt, und seinen Helfern sitzt Nanina, die treue Dienerin, und nimmt Abschied.
Kauflustige und nur neugierige Besucher, frühere Bekannte und Freunde der Verstorbenen besichtigen die Einrichtung. Unter ihnen ist auch ein älterer Herr, Monsieur Duval.
Ein junger Mann stürzt wie von Sinnen herein. Es ist Armand Duval. Als er seiner Umgebung gewahr wird und die vertrauten Räume sieht, droht er ohnmächtig zusammenzubrechen. Liebevoll fängt der alte Herr seinen Sohn auf. Von Erinnerungen überwältigt, beginnt Armand, dem Vater seine Geschichte zu erzählen.

 

1. Akt

Es war im Théâtre des Variétés. Man gab an diesem Abend das Ballett "Manon Lescaut", das berühmte Drama der zwischen Luxussucht und Liebe hin und her gerissenen Rokoko-Kurtisane. Im Publikum befand sich eine der schönsten und begehrtesten Kurtisanen von Paris, Marguerite Gautier. Betroffen reagierte sie auf das Verhalten Manons, fühlte sich ihr verwandt, und weigerte sich dennoch, in ihr das eigene Spiegelbild zu sehen.
Armand hatte Marguerite bereits früher von Ferne bewundert, aber bisher nie die Möglichkeit gefunden, sie kennen zu lernen. Nun war er ihr zum erstenmal vorgestellt worden. Noch aufgewühlt von der Begegnung, verfolgte er mit erhöhter Spannung die Aufführung. Im Wesen Des Grieux', Manons treuem Liebhaber, spürte er verwandte Züge und fürchtete für einen Augenblick, in dessen traurigem Schicksal die eigene Zukunft zu entdecken.
Nach der Vorstellung hatte Marguerite, um sich die Zeit zu vertreiben und sich trotz der Anwesenheit des sie langweilenden Grafen N, zu amüsieren, Armands Freund Gaston und Prudence, eine etwas vulgäre Kurtisane, zu sich eingeladen. Armand war mitgekommen. Und Marguerite benützte ihn, um den jungen Grafen zu ärgern. Die Situation spitzte sich zu. Graf N verließ eifersüchtig die Wohnung. Marguerite erlitt einen Hustenanfall und zog sich zurück. Armand folgte ihr, bot ihr seine Hilfe an und gestand ihr überwältigt seine Liebe. Sie wehrte zunächst ab, blieb skeptisch; gleichzeitig rührte sie seine leidenschaftliche Zuneigung. In der folgenden Zeit vertiefte sich die Beziehung zwischen beiden. Marguerite führte weiter ihr gewohntes Leben, eilte von Ball zu Ball, von Verehrer zu Verehrer, vom alten Herzog zum jungen Grafen. Aber immer wartete Armand auf sie. Er folgte ihr selbst aufs Land, wo der Herzog ihr wegen ihrer angegriffenen Gesundheit ein idyllisches Haus zur Verfügung gestellt hatte.

 

II. Akt

Auch auf dem Land setzte Marguerite ihr turbulentes und aufwendiges Leben auf Kosten des Herzogs fort. Eines Tages kam es zur offenen Konfrontation zwischen Armand und dem Herzog. Marguerite bekannte sich zum erstenmal eindeutig vor allen zu ihrem Geliebten und entschied sich gegen Reichtum und Sicherheit. Empört verließ der Herzog die Gesellschaft. Auch die Freunde gingen. Endlich waren Armand und Marguerite allein und konnten schrankenlos ihre Liebe leben.

Der Gedanke, dass dieses Glück jetzt unwiederbringlich verloren ist, lässt Armand erneut zusammenbrechen. Sein Vater ist tief erschüttert. Betroffen erinnert er sich der Rolle, die er in der Geschichte gespielt hat:
Als er vom Lebenswandel seines Sohnes erfahren hatte, suchte er ohne Armands Wissen Marguerite in ihrem Landhaus auf und verlangte von ihr die Trennung von seinem Sohn zu dessen und seiner unbescholtenen Tochter Wohl. Aus Liebe brachte Marguerite das Opfer. Sie kehrte während Armands Abwesenheit nach Paris zurück und stürzte sich verzweifelt in ihr altes Leben.

Armand ist wieder ruhiger geworden. Gefasst erzählt er dem Vater nun, wie er bei seiner Rückkunft das Haus verlassen vorgefunden hatte. Vergeblich hatte er auf Marguerite gewartet, bis Nanina ihm zu seinem Erstaunen einen Brief Marguerites brachte, in dem sie ihm schrieb, dass sie mit ihm bräche und in ihr früheres Leben zurückkehre. Ungläubig eilte er sofort nach Paris. Als er nach nächtlichem Fußmarsch in der Stadtwohnung ankam, fand er sie in den Armen eines anderen.

 

III. Akt

Einige Zeit später begegneten sich beide zufällig auf den Champs-Elysées. Marguerite war in Begleitung einer anderen schönen Kurtisane, Olympia, um die sich Armand sofort bemühte. Er musste Marguerite quälen, denn er fühlte sich zu tief verletzt. Um sich zu rächen, hielt er nun Olympia aus. Ein letztes Mal suchte Marguerite, bereits todkrank, Armand auf und bat ihn, von seinem demütigenden Verhalten zu lassen und sie zu schonen. Beide fanden noch einmal zueinander. Doch im Schlaf wurde Marguerite von der alptraumhaften Vision Manons verfolgt. Erwachend beschloss sie, ihrem Versprechen treu zu bleiben. Heimlich verließ sie den Geliebten. Armand sah sich ein zweites Mal allein.
Und nun brüskierte er sie bei einem großen Ball in aller Öffentlichkeit. Er überreichte ihr einen mit Geldscheinen gefüllten Brief, den Lohn für die gewährten Liebesdienste. Marguerite brach zusammen.

Armand ist am Ende seines Berichts angelangt. Der Vater hat ihm ergriffen zugehört. Sie trennen sich. Nanina, die von Armands Ankunft gehört hat, kommt zurück und übergibt ihm Marguerites Tagebuch. Armand beginnt darin zu lesen. Er erfährt von ihrem immer rascheren Dahinsiechen. Er begleitet sie bei ihrem letzten Theaterbesuch. Es gab "Manon Lescaut": Nach Amerika verbannt und verarmt, befindet sich Manon wieder auf der Flucht. Vor Erschöpfung stirbt sie in den Armen ihres treuen Liebhabers Des Grieux, der ihr selbst in die Verbannung gefolgt war. Krank und verzweifelt ging Marguerite aus dem Theater. Aber die Gestalten des Balletts bedrängten sie in ihren Fieberträumen und mischten sich mit den eigenen Erinnerungen und Hoffnungen. Einmal noch wünschte sie, Armand wiederzusehen. Von den früheren Freunden verlassen, vertraute sie ihre Ängste und Sehnsüchte dem Tagebuch an, das sie Nanina für Armand übergab. Verarmt und einsam starb Marguerite.

 

 

Pressestimmen

Wenn es ein vollkommenes Handlungsballett gibt, dann "Die Kameliendame" von John Neumeier. ... Geschaffen für das Stuttgarter Ballett und dessen überragende Tänzerin und Menschendarstelllerin Marcia Haydée, hat das Ballett alle Metamorphosen der Besetzung bestens überstanden. War bei mancher Aufführung gerade die Kombination der Maguerite in der reifen Gestaltung von Marcia Haydée und des Armand in der jungenhaften, unschuldig wirkenden Verkörperung durch Kevin Haigen besonders reizvoll, kommt jetzt mit dem Paar Heather Jurgensen und Jirí Bubenícek ein anderer – ebenso richtiger – Aspekt zum Tragen: Armand, reifer Mann, wirkt nicht als Opfer, sondern als für sein und Marguerites Schicksal Verantwortlicher.
Nordelbische Kirchenzeitung

John Neumeier erzählt zur Musik von Chopin nicht nur nuanciert die unglückliche Liebesgeschichte, er typisiert eine ganze Gesellschaftsschicht in ihrer Genussucht und rückt doch das Einzelschicksal der Kurtisane in den Mittelpunkt. "Die Kameliendame" berührt unmittelbar.
Dagmar Fischer, Hamburger Morgenpost

 

 
 

 
Trailer Fotos
Handlung Pressestimmen

2 Pausen
3 Stunden

Hamburgische Staatsoper
18. (2x) Mai
2014

Kalender

Preise
4,- bis 89,- € (B)

 
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