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  • Foto: Kiran West
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Sonntag 09.12.2018, 18.00 - 20.00 Uhr | Großes Haus Premiere

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Ballette von George Balanchine

Brahms/Balanchine

Der Ballettabend "Brahms/Balanchine" vereint zwei Choreografien des legendären New Yorker Ballettchefs George Balanchine – für John Neumeier einer der wichtigsten Erneuerer des Tanzes, der das klassische Ballett in zeitgenmäße Ausdrucksformen überführte: "Balanchine war der Choreograf, der 'reinen Tanz' lieferte. Er war kein 'erzählender Choreograf', das heißt, er wollte mit seinen Choreografien keine Geschichten erzählen. Das wichtigste für ihn war es, die Freude an reinem Tanz zu vermitteln. In den 20 oder 25 Minuten, die ein normales Ballett von Balanchine dauert, darf ich die Welt vergessen und die Schönheit sowie die Harmonie zwischen dem, was ich sehe, und dem, was ich höre, genießen."
Mit dem "Brahms-Schoenberg Quartet" schuf Balanchine das erste sinfonische Ballett für das New York State Theater – ein ergreifendes Tanzstück für großes Ensemble. "Liebeslieder Walzer" ist dagegen ein intimes Ballett, das für John Neumeier zu den herausragenden Werken der Ballettgeschichte zählt: "Unter allen Choreografien von Balanchine hat 'Liebeslieder Walzer' eine Ausnahmestellung: Es ist ein Juwel – zart, delikat und subtil. Um seine tief empfundenen Emotionen zu Brahms' Musik und den deutschen Gedichten ausdrücken zu können, suchte Balanchine acht sehr besondere Tänzer aus. Eine von ihnen war Violette Verdy, deren Auftritt mir unvergesslich bleibt."
Besonders die dramaturgische Herangehensweise Balanchines beeindruckt John Neumeier: "Im ersten Walzerzyklus lernen wir die Außenwelt von vier Paaren kennen. Wir beobachten sie vor allem beim Tanzen, in einer unglaublich raffiniert erfundenen Form von Bewegungen innerhalb des vergleichsweise einfachen Wiener Walzers – mit sehr subtilen Suggestionen von Handlungen zwischen diesen vier Paaren. Nach einer kurzen Pause versetzen wir uns sozusagen noch weiter in diese vier Paare hinein. Man schaut gleichsam auf die Tiefenschichten menschlicher Beziehungen. Ich halte diese Formidee für extrem modern."

LIEBESLIEDER WALZER
Musik: Johannes Brahms
Liebeslieder-Walzer, op. 52 und Neue Liebeslieder-Walzer, op. 65
Gedicht: Friedrich Daumer und Johann Wolfgang von Goethe
Choreografie: George Balanchine
Bühnenbild: Heinrich Tröger
Kostüme: Karinska

50 Minuten

Premiere:
New York City Ballet, City Center of Music and Drama, New York, 22. November 1960


BRAHMS-SCHOENBERG QUARTET
Musik: Johannes Brahms
Klavierquartett Nr. 1 g-moll op. 25, Bearb. von Arnold Schoenberg
Choreografie: George Balanchine
Bühnenbild: Heinrich Tröger
Kostüme: Judanna Lynn

45 Minuten

Premiere:
New York City Ballet, New York State Theater, New York, 21. April 1966

2 Stunden | 1 Pause

Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper. Mit freundlicher Genehmigung des Balanchine Trusts

[MEHR]
BRAHMS "LIEBESLIEDER-WALZER"
Als Brahms die "Liebeslieder-Walzer" veröffentlichte, war er 35 Jahre alt. Neun Jahre zuvor hatte er sich als Erstunterzeichner an einer Erklärung gegen die "Neudeutschen" beteiligt – einer Art musikalischer Fortschrittpartei um Richard Wagner und Franz Liszt, die ihre Kompositionen durch die Anbindung an Literatur und Malerei zu einem Schauplatz aktueller Zeitfragen machen wollten. Brahms lehnte diese Art schnöder Außendarstellung ab. Dagegen vertiefte er sich in komplexe Kontrapunktstudien, um seine Kompositionen von innen her zu legitimieren.

Die Komposition der "Liebeslieder-Walzer" schloss Brahms zwar im Sommer 1869 in Baden-Baden ab, ihre offizielle Uraufführung fand aber in der europäischen Musikmetropole Wien statt. Wie bei allen frühen Aufführungen der "Liebeslieder-Walzer" wurden die Gesangsstimmen solistisch von einem Vokalquartett gesungen. Diese Besetzung ist auch musikalisch sinnvoll, denn neben vierstimmigen Liedern gibt es Duette und Solonummern, die technisch anspruchsvoll sind. Die 18 "Liebeslieder-Walzer" entfalten ein vielschichtiges Kaleidoskop zu den Themen Liebe, Glück und Leid. Anders als man heute meinen könnte, bezieht sich der Begriff "Walzer" nicht zwingend auf den schnellen Wiener Walzer. Brahms schrieb über den Beginn "Im Ländler-Tempo" und verweist so auf einen langsameren, vergleichsweise primitiv-bäuerlichen Tanz. Zugleich ist damit die Spannbreite angesprochen, die die Musik ausfüllt: zwischen einfacher Gebrauchsmusik und dem hohen Anspruch von Kunstliedern.

Mit symbolischer Geste schloss Brahms die zweite Serie seiner "Liebeslieder-Walzer" mit den letzten Zeilen aus der Elegie "Alexis und Dora" Johann Wolfgang von Goethes ab. Ausdrücklich wollte Brahms dieses Stück nicht in die Nummerierung der "Neuen Liebeslieder" aufgenommen, sondern unter der Überschrift "Zum Schluss" angefügt wissen. Auch musikalisch ist die Goethe-Vertonung herausgehoben: Als ruhig-tiefsinniger Schluss steht das Stück im 9/4-Takt, der Passacaglia-artig wiederkehrende Bass zitiert zudem den Choralanfang aus dem 3. Teil von Brahms "Alt-Rhapsodie".
 

BRAHMS-SCHOENBERG QUARTET
Die Klavierquartette g-Moll op. 25 und A-Dur op. 26 schuf Brahms 1861 bei einem sommerlichen Landaufenthalt in dem Hamburger Vorort Hamm. Mit diesen ambitionierten Kammermusikwerken positionierte er sich zugleich gegen die Ästhetik der "Neudeutschen Schule" und schrieb bewusst Kompositionen, die ihren Kunstcharakter im Wesentlichen aus sich selbst beziehen.

Brahms ließ das g-Moll-Klavierquartett in Hamburg uraufführen. Weitaus bedeutender wurde für ihn aber die Aufführung im Folgejahr, als das Werk bei seinem Debütkonzert in Wien mit Mitgliedern des renommierten Hellmesberger-Quartetts erklang. Allein die Annahme des Werkes war für Brahms ein wichtiger Erfolg, denn selbst im musikbegeisterten Wien waren Aufführungen von Werken lebender Komponisten in den zurückliegenden Jahrzehnten drastisch zurückgegangen.

Rund 75 Jahre später nahm sich der gebürtige Wiener Arnold Schönberg des g-Moll-Klavierquartetts an und schuf eine Orchesterfassung, die dem Kammermusikwerk einen bleibenden Platz auch in den Programmen großer Sinfonieorchester sichern sollte. Am 7. Mai 1938 kam es zur Erstaufführung mit dem Los Angeles Philharmonic unter Otto Klemperer. Der Dirigent äußerte sich enthusiastisch über die neue Klanggestalt: "Man mag das Originalquartett gar nicht mehr hören, so schön klingt die Bearbeitung."

In einer Mischung aus Stolz und Scherz bezeichnete Schönberg seine Orchesterfassung als "Brahms‘ Fünfte Sinfonie". Dieses Bonmot griff der langjährige Assistent von Igor Strawinsky Robert Craft im Januar 1966 auf: George Balanchines Ballett "Liebeslieder Walzer" hatte eine erfolgreiche Wiederaufnahme auf der großen Bühne des New York State Theaters erlebt; im Anschluss schlug Craft ein Ballett mit Schönbergs Fassung des Brahms-Quartetts vor – es klänge wie eine "Fünfte Brahms-Sinfonie". Möglicherweise war das für Balanchine ein wichtiger Impuls, denn noch im selben Frühjahr sollte er sein "Brahms-Schoenberg Quartet" als Premiere herausbringen.


Information:

Ort: Großes Haus, Dammtorstraße 28, 20354 Hamburg
Preise: 8,00 EUR bis 195,00 EUR

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