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Ballett von John Neumeier nach Motiven von Miguel de Cervantes

Don Quixote

Don Quixote und Sancho Pansa, wem ist das Paar kein Begriff, wem sind sie nicht vertraut aus frühester Kindheit, und wer von uns hat wirklich den Roman gelesen? Ich muss gestehen - ich las das Mammutwerk nicht leicht, ich arbeitete mich durch die vielen verwirrenden Geschichten und Episoden, die Don Quixote durchleidet und durchkämpft. Was mich an ihnen betraf, war immer die Person selbst, die Figur in ihrer Quintessenz sozusagen, die all diesem Wirrwarr Einheit und Sinn (Sinn im Unsinn) gibt, Don Quixote in seinem Wahn und Wahnsinn. Cervantes Geschichte von Don Quixote nachzuerzählen schien mir weder für Ballett geeignet noch wichtig. Mich bewegte die Idee, den Menschen, eine Figur wie Don Quixote zu zeichnen und ihren Traum und ihr Irren zu beleuchten.
Auch Richard Strauss' Musik hat eigentlich den Wahnsinn Don Quixotes zum Thema dessen Zerrissenheit; sie pendelt zwischen unglaublicher Lyrik und abrupten, dissonanten Brüchen, zwischen höchst poetischen, melodischen Phrasen und abgerissenen, misstönenden Fragmenten und banalen Geräuschen hin und her. Strauss benutzt eine Reihe realistischer Elemente in der Komposition. Zum Beispiel verwendet er eine Windmaschine und imitiert, was zu seiner Zeit ungewöhnlich und provokativ wirkte, lautmalerisch das Blöken einer Schafherde. Gerade dieser avantgardistische Aspekt seiner Musik, den wir heute rasch überhören, hat mich angeregt und die Wahl der Mitte! bestimmt. Auch meine choreografische Sprache pendelt zwischen kontroversen tänzerischen Formen, Ballettgesten und konkreten Bewegungen aus Alltag und Sport. Die Ebenen wechseln überraschend und unvermittelt, dem collagenartigen Aufbau der musikalischen Komposition entspricht die fast revuehafte Folge der Tanzsequenzen. Es ist faszinierend, wie in der Musik eine Episode sich übergangslos in die nächste verwandelt, wie eine musikalische Stimmung in die nächste umschlägt. Es ist wirklich wie ein Traum; man erlebt ein Geschehen, in dem die Bilder nahtlos wechseln, in dem man von einer Atmosphäre in die andere, von einer Sphäre in die andere versetzt wird ohne zu wissen, wie einem geschieht. Man ist da, aber man weiß nicht, wie man hingelangt ist. Die Einheit der Szenen liegt in der Person, die sie durchträumt. Die Einheit des Balletts liegt in den zwei Menschen, die in ihm träumen, zwei Charaktere von gegensätzlicher Natur und unterschiedlichem Naturell, Sancho Pansa und Don Quixote.

John Neumeier


Musik: Richard Strauss
Choreografie und Inszenierung: John Neumeier
Bühnenbild und Kostüme: Marco Arturo Marelli

Premiere:
Hamburg Ballett, Hamburg 18. Juli 1979

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Die Handlung

Don Quixote träumt von einer ritterlichen Welt. Sancho träumt von einer profanen Welt. Beim Erwachen begegnen die beiden einander. Befremdet und gleichzeitig voneinander fasziniert bleiben sie zusammen.
Don Quixote verwechselt ständig die Realität mit seiner Traumwelt. Sancho rettet ihn aus den daraus entstehenden Schwierigkeiten.
Begeistert erzählt Don Quixote von seiner ritterlichen Welt. Sancho schläft dabei ein.
Don Quixote ist wütend. Sancho dagegen trifft seinen "Traum" und folgt dem Mädchen nach.
Don Quixote verwechselt eine Wahnsinnige mit seiner Traumgestalt Dulcinea. Sancho greift entsetzt ein und führt Don Quixote fort - tiefer in die Genüsse seiner "modernen" Welt.
Don Quixote macht dabei mit und wird sogar Box-Champion. Während die anderen seinen Sieg feiern, merkt er, dass er seinen eigenen Traum getötet hat.

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