Ballett in drei Szenen

 

Musik
 


Sergej Prokofjew
"Le Fils prodigue"
Op. 46, 1928-29

Auftragswerk für Serge Diaghilev

Libretto
  Boris Kochno
nach dem biblischen Gleichnis
Choreografie
  George Balanchine
Bühnenbild
Kostüme
  Georges Rouault

35 Min.

 

Premiere
Ballets Russes, Théâtre Sarah-Bernhardt
Paris, 21. Mai 1929

 

Originalbesetzung    
Der verlorene Sohn
  Serge Lifar
Der Vater
  Michael Fedorov
Die Sirene
  Felia Doubrovska
Die Schwestern
  Eleonora Marra
Nathalie Branitzka
Zwei Freunde
  Léon Woizikowsky
Anton Dolin

 

Premiere in Hamburg
Hamburg Ballett, Hamburg, 28. Juni 2009

 

Originalbesetzung    
Der verlorene Sohn
  Alexandr Trusch
Der Vater
  Edvin Revazov
Die Sirene
  Hélène Bouchet
Die Schwestern
  Odette Borchert
Mariana Zanotto
Zwei Freunde
  Peter Dingle
Dario Franconi

 

"Der verlorene Sohn" – uraufgeführt unter dem französischen Titel "Le Fils prodigue" – war die letzte Produktion der Ballets Russes, die sich nach dem Tod des Impresarios Serge Diaghilev im August 1929 auflösten.

 

Abschied – Fremde – Rückkehr

George Balanchines 1929 entstandenes Ballett über ein biblisches Gleichnis

George Balanchine schuf mit dem "Verlorenen Sohn" sein letztes Ballett für Serge Diaghilew und die Ballets Russes. Die Ausstattung übernahm der französische Maler und Grafiker Georges Rouault, die Musik komponierte Sergej Prokofjew, der die Premiere drei Monate vor dem Tod Diaghilews (am 19. August 1929) im Pariser Théâtre Sarah-Bernhardt dirigierte. Diaghilews Assistent Boris Kochno, der das Werk angeregt hatte, entwarf das Szenario. Die Quelle reicht zurück bis zum biblischen Gleichnis des verlorenen Sohnes, das Lukas in Kapitel 15 beschreibt, ohne dieses zu paraphrasieren. Ebenso wichtig ist die Anregung, die Kochno von Alexander Puschkins Erzählung "Der Postmeister" erhielt. Dort betrachtet der Ich-Erzähler drei Gemälde an der Wand einer Wohnung, die sich in einer ländlichen, typisch russischen Poststation befindet. Die Gemälde zeigen einzelne Szenen aus der lukanischen Geschichte, so wie sie Puschkin schildert: "Auf dem ersten entlässt ein ehrwürdiger Greis in Schlafrock und Schlafmütze den ungestümen Jüngling, der eiligst den Segen und einen Sack voll Geld dahin nimmt. Auf dem zweiten ist in grellen Farben das liederliche Leben des Jünglings geschildert. Er sitzt an einem Tische, umgeben von falschen Freunden und schamlosen Weibern. Weiter hütet der Jüngling, nachdem er sein Gut verprasste, die Schweine. Er ist in Lumpen gehüllt und teilt mit den Tieren das Futter. Auf seinem Gesicht ist tiefe Trauer und Reue ausgeprägt. Endlich wird die Rückkehr zum Vater dargestellt. Der gute Greis eilt ihm in demselben Schlafrock und derselben Schlafmütze entgegen. Der verlorene Sohn liegt vor ihm auf den Knien; in einiger Entfernung schlachtet der Koch das gemästete Kalb, und der ältere Bruder fragt die Diener nach dem Grunde dieser Freude." Mit seiner Gliederung in drei Bilder orientiert sich das Ballett an Puschkins Ausführung. Die erste Szene verdeutlicht den Abschied, in der zweiten befinden wir uns in der Fremde, bevor es im dritten Bild zur Rückkehr des Sohnes kommt.

Die Handlung

Im Heiligen Land

I. Bild, "Der Abschied"
Im Hintergrund sieht man einen Hafen mit Leuchtturm, rechts hinten ein Zelt, links von einen niedrigen Zaun mit Tor; die Freunde des verlorenen Sohnes tragen Dinge herbei und arrangieren Weinkrüge; sie wollen mit dem Sohn eine Reise unternehmen. Der Sohn tritt aus dem Zelt; diese versuchen, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Als der Vater hinzukommt, setzen sich seine drei Kinder ihm zu Füßen, der Sohn allerdings unwillig; die Kinder empfangen den Segen des Vaters. Zwischen Sohn und Vater entwickelt sich ein Streit, und der Sohn bricht mit seinen Vertrauten auf. Der Vater und die zwei Dienerinnen treten ins Zelt.

2. Bild, "In der Fremde"
Ein offenes Zelt mit dekoriertem Tisch: Zwölf Männer brechen ihre Feier ab, als der Sohn mit einen Vertrauten naht. Diese drängen ihn weiterzugehen, doch der Sohn will bleiben. Die Zurückhaltung der Männer endet erst, als der Sohn die Weinkrüge öffnen lässt. Da erscheint die Sirene, deren Verführungen der Sohn erliegt. Betrunken, wird er schließlich von der Sirene, den Männern und seinen beiden Vertrauten vollständig ausgeraubt; er kriecht davon. Die anderen kehren zurück und teilen sich die Beute.

3. Bild, "Die Rückkehr"
Erschöpft und heruntergekommen nähert sich der Sohn wieder dem Zelt des Vaters. Die Schwestern öffnen ihm die Zauntür, und der Vater tritt vor das Zelt. Der Sohn schleppt sich zu seinem Vater und blickt zu ihm auf. Da dieser keine Geste der Begrüßung zeigt, will der Sohn wieder gehen. Nun streckt der Vater seine Hand aus und nimmt den Sohn in seine Arme.

Pressestimmen

Begeisternd: "Le Pavillon d'Armide"
Frech und originell: "Der verlorene Sohn"
Berauschend: "Le Sacre du Printemps"
Hamburger Morgenpost

Hier zeigt sich der sonst so als nüchtern und puristisch verschriene Balanchine als fantasievoller Geschichtenerzähler alter russischer Tradition mit höchst moderner, expressionistischer Tanzsprache vor einem ebensolchen Bühnenbild.
Tanznetz.de

Langanhaltend aufwühlend wirkt nicht nur Neumeiers Uraufführung, sondern auch die Stücke, die "Le Pavillon" rahmten: George Balanchines eklatant modernes Prokofjew-Ballett "Der verlorene Sohn", 1929 kurz vor Diaghilews Tod für die Ballets Russes entstanden – und Nijinskys wundervoll archaische und zugleich anmutig avantgardistische Choreographie "Le Sacre du Printemps". Glanzvoller hätten die 35. Hamburger Ballett-Tage nicht eröffnet werden können. Ein avantgarde-trunkenes Publikum verlässt das Haus, im Kopf Bilder einiger der besten Tänzer der Welt ... Das muss man gesehen haben!
Deutschlandradio Online

 

Fotos
Trailer

 
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