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Ballett von John Neumeier
frei nach Henrik Ibsen
Uraufführung
Hamburg Ballett, Hamburg, 22. Januar 1989
| Originalbesetzung |
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Peer Gynt |
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Ivan Liska |
Solveig |
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Gigi Hyatt |
Aase, seine Mutter |
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Anna Grabka |
Die Andere - Ingrid,
die Grüne, Anitra |
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Chantal Lefèvre |
Peers Aspekte |
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Anima |
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Gigi Hyatt |
Kindheit |
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Patrick Becker |
| Fliegen |
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Jeffrey Kirk |
| Erotik |
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Jean Laban |
| Draufgänger |
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Eric Miot |
| Aggression |
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Gamal Gouda |
| Zweifel |
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Stephen Pier |
Die Handlung
Prolog - Eintritt in die Welt
Peer hat viele Aspekte
Erster Akt - Norwegen
Der junge Peer und seine Mutter Aase
Peers Phantasie - der Ritt durch die Luft
Tanz auf dem Haegstadhof - Ingrid heiratet
Peer sieht Solveig
er kann sie nicht haben und entführt die Braut
Flucht in die Berge
Peer hat Ingrid und will Solveig
Solveig sucht Peer Aase ruft nach ihm
Spuk oder Wirklichkeit- die Trollwelt
Peer trifft die Grüne
er lässt sich verführen und passt sich doch nicht an
Solveig lässt die Glocken läuten
mittendurch, zu ihr oder außenherum
Peer steht sich selbst im Weg
Allein hoch oben in den Bergen
Peer baut sein Haus
Solveig kommt zu ihm
Störung - die Vergangenheit holt Peer ein
er kann nicht bleiben
Aase ist verarmt
Peer kommt zu ihr, sie stirbt
Peer bricht auf
Zweiter Akt- Draussen - Scheinwelt
Vortanzen für eine Show
der Anfänger Peer fällt auf
und wird engagiert
Revuetheater- "Regenbogensextett"
Peer macht auf sich aufmerksam
er hat Erfolg
Music Hall - "Der Sklavenhändler"
Peer macht Karriere
Premierenfeier mit dem Filmstar Anitra
Peer setzt sich in Szene
und umwirbt Anitra
Im Kino
Peer steigt auf - Anitras Stern sinkt
Premierenfeier mit Peer Gynt, dem großen Filmschauspieler
er ist der neue Star
Anitra stört
Im Filmstudio
Peer dreht "Kaiser der Welt"
er ist größenwahnsinnig und gerät außer sich
Alptraum Irrenhaus
Peer hat die Kontrolle verloren
Dritter Akt - Zurück
Heimkehr
Erinnerungen
Ingrid wird begraben
Solveig wartet
Die Andere begegnet Peer -
sie ist Ingrid, ist die Grüne, ist Anitra
Peer sucht nach sich
und findet Peer Jedermann
Epilog - aus der Welt
Solveig erkennt Peer - Peer erkennt Solveig
Es ist ein mysteriöses Stück! Es erschöpft sich nicht
in einer Sicht . . . Peers Schicksal ist das jedermanns. Er ist der Antiheld,
der Mensch nach dem Sündenfall - und wir sind so wenig perfekt wie
er: Peer Jedermann Gynt, eine Parabel auf das menschliche Leben.
Während der Arbeitsgespräche zwischen Alfred Schnittke und mir
ist der Begriff des Kreises aufgetaucht, er hat ihn wohl zuerst geprägt.
Das Bild erinnert an Lebenskreislauf, an Reise nach innen, an den "nicht
geraden Weg" "Geh außen herum!" sagt der Krumme zu
Peer -, der schließlich doch ins Zentrum führt.
Der erste Kreis, gleichzeitig unser erster Akt, ist noch relativ anekdotisch,
viel Geschehen, viel Geschichte wird erzählt. Er folgt in großen
Zügen den ersten drei Akten bei Ibsen, spielt in Norwegen und entwickelt,
analog zur realen Handlung, ein ziemlich normales Zeitgefühl, was
die Länge der verschiedenen choreografischen Einheiten betrifft.
Unser zweiter Akt, der zweite Kreis, ist eigentlich eine Reise in den
Wahnsinn. Er entspricht Ibsens viertem Akt, Peers Reise in die Welt, einschließlich
der Irrenhausszene, nur bei Ibsen erlebt man gerade das nicht, was ich
zeige, Peers Aufstieg. Im Schauspiel setzt die Handlung eigentlich nach
dem Höhepunkt, wenn der Abstieg beginnt, ein und berichtet nur von
dem Vorausgegangenen. Im Ballett kann man nicht sagen: Das und das ist
bisher passiert, und ich gehe jetzt von diesem Punkt aus weiter. Man muss
wenigstens andeuten, wie sich die Aktion entwickelt. Der zweite Akt läuft
im Ballett fast wie im Zeitraffer ab, die verschiedenen Spielorte sind
nicht mehr zu unterscheiden, werden durcheinandergewürfelt, die Szenenübergänge
fließen ineinander ohne erkennbare Zäsur, das Raum- und Zeitmaß
gerät aus den Fugen.
Wenn man das, was Ibsen durch die Weltreise schildert, mit Tanz darstellen
und in knapper Form erzählen muss, kann man das wahrscheinlich am
besten anhand eines Tänzerlebens. Mein zweiter Akt beginnt deshalb
mit einem Vortanzen, bei dem Peer durch eine gewisse Frische und Inspiration
auffällt, engagiert wird, Karriere macht und um weiterzukommen immer
mehr Klischees erfüllt. Der Druck, den Erfolg zu halten, den er erreicht
hat, bringt ihn in eine extreme Stress-Situation. Das ist es, was ich
zeigen wollte, einen Weg wie der von Michael Jackson, der als ganz netter
Junge anfing, dann eine wahnsinnige Vision von sich selbst entwickelte
und sich zu einem schönen Ungeheuer hochstilisierte.
Auf einer poetischen Ebene spricht Ibsen schon früh von Peer als
Kaiser, "Kaiser der Welt". So malt es sich Peer in seinen kindlichen
Wunschträumen detailliert und phantasievoll aus. Film wäre,
dachte ich, dafür die richtige Übersetzung. Was für ein
prätentiöser Titel: Kaiser der Welt. Eine absurde Vorstellung!
Das wird man nur im Film! Dort werden mit Riesenaufwand genau solche Illusionen
höchst farbig realisiert und mit viel Kitsch und Klischee inszeniert.
Der dritte Kreis ist retrospektiv; das ist meiner Auffassung nach ganz
ähnlich wie in Ibsens fünftem und letzten Akt, wo Peer nach
Norwegen zurückkehrt: "Home coming . . . a search into the very
heart of loss", hat Brian Johnson es genannt. Da geschieht für
mich der große Bruch. Der dritte Kreis bringt die traurige Erfahrung,
das Erkennen und die Rückschau auf ein Leben, das eigentlich kein
Erfolg war, die Erinnerung an etwas, das einmal frisch gewesen ist, voll
Hoffnung, Kraft, Wildwuchs und Freiheitsdrang. Statt der Berge beschreibt
Ibsen nun eine verbrannte, öde Landschaft. Es ist diese Stimmung,
bei Ibsen, in Schnittkes Musik und auch bei mir, die aufkommt, wenn man
älter wird und darüber nachzudenken beginnt, wie das Leben verlaufen
ist. Warum ist es so gekommen?
Und da wird "Peer Gynt" in einem ganz anderen Sinn zu einem
"Jedermann"Stück, als ich vorher meinte. Es geht nicht
um die Erlösung des Menschen, nicht darum, ob er gut oder schlecht
war - und in den Himmel oder die Hölle kommt, wie bei dem alten christlichen
Morality-Play. Der Knopfgießer sagt Peer, dass er weder gut noch
schlecht war; er war mittelmäßig - wie jedermann. Das ist das
eigentlich Traurige. Er taugt nur als Material zum Weiterverwenden, Umgießen,
neu formen . . . Es gibt nicht einen Peer Gynt, es gibt viele. Nicht ein
Name prangt in großen Lettern am Broadway, es sind viele, ganz klein
geschrieben und im Computer gespeichert: Peer Gynt, Peer Gynt, Peer Gynt
. . .
Das Ende des dritten Kreises bringt die Erkenntnis: Ich bin nicht anders
als die anderen und gibt die Antwort auf die Frage: Was bin ich? Ich bin
unverwechselbar in den Augen dessen, der mich liebt, ob es ein Mensch
ist oder der Gott, an den wir glauben. Das ist die Tür der Erlösung:
Weil mich jemand liebt, bin ich nicht nur Durchschnittsmensch. Weil Solveig
mich liebt, bin ich Peer. Da beginnt im Ballett der Epilog.
Er ist eine in sich abgeschlossene Einheit. Musikalisch klingen in ihm
noch einmal alle Motive auf. Er ist ein Mikrokosmos im Makrokosmos des
Stücks. Extrakt oder Keimzelle, das ist schwer zu sagen: Was war
zuerst da, die Henne oder das Ei? Der Epilog führt in einen Bereich,
der von Ibsen höchstens berührt, aber nicht betreten wird. Vielleicht
lässt es sich in Sprache weniger gut sagen und ist ein Raum der Musik
und der Choreografie.
Die Idee zu einem abschließenden "endlosen Adagio" kam
mir wohl während der Arbeit an "Othello", wo ich zum erstenmal
mit einem langen Pas de deux aufgehört habe. Da man Zeit hatte zu
schauen, sich auf zwei Menschen zu konzentrieren und einzulassen, entstand
ein fast hypnotischer Sog. Das hat mich fasziniert, und ich versuche in
"Peer Gynt" etwas Ähnliches, allerdings noch extremer:
eine - fast möchte ich sagen - rituelle Beziehung jenseits alles
Realen. Der vierte Kreis ist der spirituelle und metaphysische Kern des
Stücks.
J. N. 1989
Alfred Schnittke
Der russische Komponist Alfred Schnittke wurde 1934 in Engels,
in der autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen geboren. Er wuchs in
Moskau und Wien auf und studierte am Moskauer Musikkonservatorium, wo
er später auch als Lehrer tätig war. Ab 1957 veröffentlichte
er eigene Kompositionen, wurde jedoch aus der sowjetischen Komponistenvereinigung
ausgeschlossen. Mit Musik für Theater und Film sicherte er sein Auskommen.
Seit 1989 war er Professor an der Musikhochschule Hamburg. Sein umfangreiches,
fast alle Genres umfassendes Werk ist durch die von ihm selbst so bezeichnete
Polystilistik geprägt. John Neumeier choregrafierte "Othello"
u.a. zu Schnittkes Concerto grosso und "Endstation Sehnsucht"
nach der Ersten Sinfonie. Im letzten Jahr widmete er seine Kreation "Sounds
of Empty Pages" in St. Petersburg zu Alfred Schnittkes Konzert für
Viola und Orchester dem 1998 verstorbenen Freund.
Pressestimmen zur Premiere
Peer Gynt, ein wunderbares Ballett über jedermann,
das John Neumeier als einen Ballettdichter von außergewöhnlicher
Tiefe zeigt. Vergleichbares ist heute in der internationalen Ballettwelt
nicht zu finden. Das ist Tanztheater, wie es am größten ist.
Erik Aschengreen, Berlingske Titende, Kopenhagen
Dann aber, mit dem dritten Akt, mit dem Begin eines riesigen, fast einstündigen
Adagios änderte sich plötzlich das choreographische Bild, Neumeier
fand hinüber in eine jener aufregenden tänzerischen Apotheosen,
in denen er seit je Meister ist... Neumeier, ein choreographischer Himmelsstürmer
seit je, hat am Schluss seines "Peer Gynt" sich diesen Himmel
fast aufgesprengt.
Klaus Geitel, Die Welt
Dass Neumeier in solchen Momenten keine billige Sentimentalität
aufkommen lässt, alle denkbare choreographische Süße vermeidet,
trägt zu der großen atmosphärischen Dichte der "norwegischen"
Akte seines "Peer Gynt"-Balletts bei, in denen er in epischer
Breite (und beinahe originalgetreu) Ibsen nacherzählt. Die komplexe
Struktur der Choreographie, ihre bisweilen vielfach ineinander verwobenen
Raummuster entsprechen Schnittkes Partitur, ohne die Musik lediglich zu
illustrieren.
Horst Vollmer, Basler Nachrichten
John Neumeier ist, mit Abstrichen, ein genialer Wurf gelungen. Er sollte
sich öfter mit einfachen Helden beschäftigen da wirkt er überzeugender,
ehrlicher. Die Ballettbearbeitung behandelt die Theatervorlage zwar frei,
aber stimmig.
Roland Langer, Frankfurter Rundschau
Ein Pulsschlag unendlicher Langsamkeit der Musik, der Bilder und Bewegungen
hält den dritten Akt und Epilog in einer kaum zu ertragenden Spannung.
Noch einmal heben sich Peer und Solveig im Pas de deux heraus, aus der
Bewegung und dem Entkleiden heraus - und in die Gemeinschaft aller hineinwachsend
- äußerstes Konzentrat einer Choreographie, die immer wieder
von traumhafter Ruhe durch zogen ist. So ist John Neumeier heraus aus
Nostalgie und Stagnation der europäischen Tanzszene ein großer
Schritt nach vorn gelungen.
Herbert Glossner, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
Die Überwindung aller Vorstellungen und allen egozentrischen Wollens
durch die Liebe, das Leben jenseits aller Träumerei, aber auch frei
von zeitlichen Zwängen, Aktualitäts-Neurosen, politischen/sozialen/ideologischen
Querelen in der Zuwendung zu diesem anderen Menschen: John Neumeier als
Utopist, der seine Endstation Sehnsucht nicht mehr nur als erotische Extravaganz
vor Augen hat, sondern in der Mitmenschlichkeit einen neuen Lebenssinn
erkennt? Ballett als die neue ethische Instanz, nachdem das Theater als
moralische Anstalt sich selber aufgegeben hat? ... Dass John Neumeier
aus einer intellektuell-künstlerischen Vision ein ästhetisches
Prinzip ableiten und in imaginativer Kraft ein Werkkonzept gewinnen und
mit seinem fabelhaften Ensemble realisieren konnte, hebt diesen "Peer
Gynt" weit aus dem Rahmen eines illustrativen oder formalästhetischen
Tanzabends auf die Ebene eines großen Welttheaters.
Heinz Josef Herbort, Die Zeit
Peers Pas de deux mit Solveig, der erste in zarter Jugendblüte,
der zweite, nachdem sie erblindet ist, und mit Ingrid, die ihm zu entkommen
versucht, sind überwältigend schöne Beispiele für
Neumeiers choreographische Kunst, Bewegungen des klassischen Balletts,
erweitert durch Elemente des Modern Dance und Jazz-Schritte... "
Peer Gynt" ist ein Tanzdrama, das alle Zeichen von Größe
aufweist.
James Helme Sutcliffe, International Herald Tribune
Pressestimmen zu Wiederaufnahme (2002)
Schwebende Seelenvereinigung
"Peer Gynt" scheitert als Welteroberer, gewinnt aber - choreographisch
aus einem genialen Guss - im tänzerischen Flug mühelos das Publikum ... Die zweite große Verblüffung: Neumeier hat sich in seinem vor
13 Jahren entstandenen Stück als Visionär erwiesen. Es
ist aktueller denn je, hat es doch die gegenwärtige mediale Realsatire
vorweggenommen. ... Auch choreographisch: Im wunderbar endlosen Schluss-Adagio
bringt er Bewegung durch scheinbaren Stillstand suggestiv ins Schweben.
Klaus Witzeling, Hamburger Abendblatt
Obacht, hier tanzt sich jemand die
Seele aus dem Leib
Erzählt wird die universelle Geschichte eines Menschen, der sich
einzig dünkt und doch nur ein Jedermann ist, der sich sucht und nicht
findet, weil sein Leben wie eine Zwiebel ist: lauter Schalen, kein Kern.
Und doch ein Mensch, der Erlösung findet, weil es Solveig gibt, die
reine Seele, die ihn liebt.
Das Ballett endet in einem wunderbar harmonischen Pas de deux, in dem
sich alle Freude und alles Leid des Menschlichen spiegelt.
Doris Blum, Die Welt
Zu der Musik von Alfred Schnittke
Schnittke erweist sich mit dieser ausladenden, ungeheuer weitgespannten,
vor keinem stilistischen Risiko zurückschreckenden, keinem Zusammenstoß
ausweichenden Musik als der legitime Erbe, der Tschaikowsky, Prokofjew,
Schostakowitsch. Eine gewichtigere, Handlungsballett?Paritur als dieser
"Peer Gynt" ist seit Prokofjews "Romeo und Julia"
nicht geschrieben worden ? trotz Henzes "Undine" und "Orpheus'
Horst Koegler, Stuttgarter Zeitung
Peers Pas de deux mit Solveig, der erste in zarter Jugendblüte,
der zweite, nachdem sie erblindet ist, und mit Ingrid, die ihm zu entkommen
versucht, sind überwältigend schöne Beispiele für
Neumeiers choreografische Kunst, Bewegungen des klassischen Balletts,
erweitert durch Elemente des Modern Dance und Jazz-Schritte
"Peer
Gynt" ist ein Tanzdrama, das alle Zeichen von Größe aufweist.
James Helme Sutcliff, International Harald Tribune
Seit Jahr und Tag hat kein musikalisches Werk dieses Riesenkalibers eine
derart uneingeschränkt zustimmende Aufnahme gefunden wie Schnittkes
Peer Gynt. Das liegt natürlich auch daran, dass Schnittke
keine Neue Musik schrieb, sondern Musik schlechthin; ... Schnittkes Komposition ist eine Musik der tausend Gesichter,
farbensprühend, ausdruckssatt, unerbittlich privat. Sie ist glänzend
instrumentiert, klangreich, faszinierend, im Grunde konservativ, aber
auf unbeirrbar eigenständige Art. Mit seiner "Peer Gynt"
- Musik ... hat Schnittke einen neuen Höhepunkt seiner Laufbahn und
der Freien Musik erreicht.
Klaus Geitel, Die Welt
Und so finden sich in der "Peer Gynt"-Musik Alfred Schnittkes
fast wie selbstverständlich nebeneinander die Techniken von vier
Jahrhunderten; glaubt der Hörer Zitate zu hören, die aber nur
eine Art "im Stile von" bedeuten; wiegt er sich noch im Bewusststein,
etwas begriffen zu haben - und ist bereits wieder verunsichert; oder gewinnt
die beabsichtigte Distanz.
Heinz Josef Herbort, Die Zeit
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