Ballett in drei Teilen von George Balanchine

 

Musik
   
Smaragde
  Gabriel Fauré
aus Pelléas et Mélisande und Shylock
Rubine
  Igor Strawinsky
Capriccio für Klavier und Orchester
Diamanten
  Peter I. Tschaikowsky
aus Sinfonie Nr. 3 in D-Dur, op. 29
Choreografie
  George Balanchine
Einstudierung
 

Karin von Aroldingen
Elyse Borne
Patricia Neary
Malin Thoors

Kostüme
  Karinska
Kostümrealisation
  Holly Hynes
Lichtkonzept
Bühnenbild
  John Neumeier

2 Pausen - 2 Stunden 15 Min.

 

Uraufführung
New York City Ballet, New York State Theater
13. April 1967

 

Originalbesetzung    
Smaragde
  Violette Verdy
Mimi Paul
Sara Leland
Suki Schorer
Conrad Ludlow
Francisco Moncion
John Prinz
 
   
Rubine
  Patricia McBride
Patricia Neary
Edward Villella
 
   
Diamanten
  Suzanne Farrell
Jacques d'Amboise

 

Premiere in Hamburg
Hamburg Ballett, Hamburg, 25. Juni 2006

 

Originalbesetzung    
Smaragde
 

Hélène Bouchet
Joëlle Boulogne
Georgina Broadhurst
Barbora Kohoutkova
Jirí Bubenícek
Arsen Megrabian
Lloyd Riggins

 
   
Rubine
  Silvia Azzoni
Catherine Dumont
Alexandre Riabko
 
   
Diamanten
  Heather Jurgensen
Otto Bubenícek

 

Die Inspiration zu seinem Ballett "Jewels" erhielt George Balanchine durch die Kollektion des Juweliers Claude Arpels in New York. Balanchine sagte: "Sicher habe ich schon immer Juwelen gemocht, denn im Grunde bin ich ein Orientale aus Georgien im Kaukasus. Ich mag die Farben der Kristalle, die Schönheit der Steine…"
"Smaragde" zu Musik von Gabriel Fauré ist ein Andenken an Frankreich, das Frankreich der Eleganz, des Komforts, der Mode und des Parfums. "Rubine" visualisiert Igor Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester. Es bringt die geistreiche Frische in der Zusammenarbeit von Strawinsky und Balanchine zum Ausdruck. "Diamanten", erinnert zu Peter I. Tschaikowskys "Symphonie Nr. 3" an die Stilreinheit und vornehme Pracht des klassischen Balletts im zaristischen Russland.

 

George Balanchine

22. Januar 1904 – Georgi Melitonowitsch Balantschiwadse wird in St. Petersburg geboren.

1913 – Balantschiwadse wird gegen seinen Willen an der Kaiserlichen Ballettakademie eingeschrieben.

1920 (?) – Balantschiwadse choreografiert sein erstes Ballett La Nuit (Anton Rubinstein), später Romance genannt, für die Petrograder Ballettakademie.

1921 – Balantschiwadse beendet die Petragrader Ballettakademie mit Auszeichnung und tritt in die Compagnie des Staatstheaters ein.

1923 – Mit seinem Programm "Von Petipa über Fokine zu Balantschiwadse" zeigt er den ersten von zwei "Abenden des Jungen Balletts".

1924 – Mit Wladimir Dimitriew organisiert er für die Solisten des Russischen Balletts eine Deutschlandtournee. Am Ende der Tournee beschließt die Truppe, mit Alexandra Danilowa und Tamara Gewa im Westen zu bleiben. In Paris werden sie nach erfolgreichem Vortanzen von Diaghilew engagiert, der "Balantschiwadse" in "Balanchine" ändert.

1925 – An Bronislawa Nijinskas Stelle wird Balanchine Ballettmeister und Choreograf der Ballets Russes. Seine erste Choreografie für Diaghilew, Barabau (Rieti), entsteht für eine Londoner Premiere.

1928 – in Paris kreiert er seine erste Choreografie zu Strawinskys Apollon musagète, die er als den "Wendepunkt meines Lebens" beschreibt. "Ich sah allmählich, wie ich durch Begrenzung, durch Reduzierung von scheinbar unzähligen Möglichkeiten die eine unvereinbare Möglichkeit herauskristallisieren konnte." Ein französischer Kritiker: "Wer hat Apollo je auf den Knien gesehen?" Balanchine: "Wer hat Apollo je gesehen?"

1929 – In Paris choreografiert Balanchine den Verlorenen Sohn (Prokofjew), das letzte in Diaghilew in Auftrag gegebene und herausgebrachte Ballett. Diaghilew stirbt am 19. August 1929. Die Ballets Russes lösen sich auf.

1932 – Kurzfristige Arbeit als Ballettmeister und Choreograf für die von Blum und de Basil neugegründeten Ballets Russes mit Sitz Monte Carlo. Schaffung von vier neuen Werken, darunter La Concurrence (Auric) und Cotillon (Chabrier).

1933 – Balanchine gründet seine eigene Compagnie, Les Ballets 1933, für eine kurze Saison in London und Paris. Zu seinen neu erschaffenen Werken gehören sein erstes Tschaikowsky-Ballett, Mozartiana, und Die Sieben Todsünden von Brecht/Weill. Im Juli holt Lincoln Kirstein Balanchine nach Amerika.

17. Oktober 1933 – Balanchine und Dimitriew treffen in New York ein.

2. Januar 1934 – Eröffnung der School of American Ballet.

1. März 1935 – Premiere des American Ballet in New York mit allen Balanchine Werken einschließlich Serenade (Tschaikowsky), Alma Mater (Swift), Reminiscences (Godard) und Mozartiana (Tschaikowsky). John Martins in der New York Times, 2. März 1935: "Von den vier Werken der Premiere, allesamt von Balanchine geschaffen, können zwei als Tanzwerke ernsthaft in Betracht gezogen werden ... Serenade ist ein eher ganz brauchbares als ein inspiriertes Werk."

Herbst 1935 – Balanchine wird Choreograf der Metropolitan Opera in New York, an der das American Ballet seinen Sitz erhält.

April 1936 – Mit On Your Toes führt Balanchine den Begriff "Choreografie" am Broadway ein.

Mai 1936 – Balanchine bringt Orpheus (Gluck) mit dem American Ballet an der Met heraus. Olin Downes in der New York Times am 23. Mai 1936: "Es ist ... eine simple Tatsache, dass diese Produktion, soweit es Bühne und Choreografie angeht, einfach schlecht ist schlecht und langweilig, schlecht und jeglicher Würdigung der wahren Natur von Glucks Oper abträglich. Daher ist es eine Art von prätentiösem Dilettantismus, der überflüssig ist ..."

April 1937 – Balanchine präsentiert das erste Strawinsky-Festival an der Met. Das Programm umfasst Le Baiser de la fée, Apollon musagète und das Auftragswerk Jeu de cartes. Am Broadway choreografiert er Babes in Arms.

Sommer 1937 – Balanchine choreografiert die Goldwyn Follies of 1938 in Hollywood.

März 1938 – Balanchine verlässt die Met. Balanchine: "Die Tradition der Met ist schlechtes Ballett. Deswegen kann ich nicht bleiben." Das Management der Met: "Balanchine kann nicht kündigen. Er wurde vor drei Wochen gefeuert."

Mai 1938 – Balanchine choreografiert I Married an Angel am Broadway.

November 1938 – Broadway-Choreografie von The Boys from Syracuse.

Juni 1941 – Mit dem neu organisierten American Ballet Caravan geht Balanchine auf eine Goodwill-Tournee durch Südamerika. Zu seinen für die Tournee geschaffenen Werken gehören u.a. Concerto Barocco (Bach) und die erste Version von Ballet Imperial (Tschaikowsky).

April 1942 – Zu Circus Polka, Strawinskys Auftragswerk, choreografiert Balanchine The Ballet of the Elephants für den Zirkus Ringling Brothers, Barnum and Bailey. Zur Besetzung zählen fünfzig Frauen und fünfzig Elefanten. (Später schafft er eine neue Fassung mit rein menschlicher Besetzung.)

1944 – Beginn eines Zweijahresvertrags als Hauschoreograf des Ballet Russe de Monte Carlo, Choreografie von Danses concertantes (Strawinsky).

1946 – Balanchine und Kirstein organisieren die Ballet Society. Balanchine choreografiert für deren Premiere erneut L'Enfant et les sorfilèges (Ravel) und The Four Temperaments (Hindemith).

1947 – Während seiner sechsmonatigen Tätigkeit als Gastballettmeister der Pariser Opera choreografiert er Le Palais de Cristal, später Symphony in C. Für das Ballet Theatre choreografiert er Theme and Variations (Tschaikowsky).

1948 – Balanchine präsentiert das Auftragswerk Orpheus (Strawinsky) im New Yorker City Center. Danach wird ihm und Kirstein die Einrichtung einer Compagnie mit ständigem Sitz im City Center angeboten. Sie soll New York City Ballet heißen.

1948-1964 – For das New York City Ballet im City Center schafft Balanchine u.a. The Firebird (Strawinsky, 1949), La Valse (Ravel, 1951), das erste abendfüllende Ballett der Compagnie, The Nutcracker (Tschaikowsky, 1954), Ivesiana (Ives, 1954), Divertimento No. 15 (Mozart, 1956), Allegro Brillante (Tschaikowsky, 1956), Agon (Strawinsky, 1957), den Tschaikowsky Pas de Deux (Tschaikowsky, 1960), Liebeslieder Walzer (Brahms, 1960), A Midsummer Night's Dream (Mendelssohn, 1962) und Movements for Piano and Orchestra (Strawinsky, 1963).

24. Juni 1962 – Anlässlich von Strawinskys 80. Geburtstag führt Balanchine seine Ballette Orpheus, Agon und Apollon musagète unter Beteiligung von Solisten des New York City Ballet an der Hamburgischen Staatsoper auf.

1962 – Das New York City Ballet gastiert in der Sowjetunion. Balanchine äußert dort: "Russland, meine Herren, ist die Heimat des romantischen Balletts; die Heimat des klassischen Balletts ist heute Amerika."

1964 – Das New York City Ballet zieht in seine ständige Residenz um, das neu erbaute New York State Theatre im Lincoln Center for The Performing Arts.

1964-82 – Für das New York City Ballet choreografiert Balanchine im New York State Theatre Don Quixote (Nabokov, 1965), Harlequinade (Drigo, 1965), Jewels (Fauré/Strawinsky/Tschaikowsky, 1967), La Source (Delibes, 1968), Tchaikovsky Suite No. 3 (Tschaikowsky, 1970), Stravinsky Violin Concerto, Symphony in Three Movements und Duo Concertant für das Strawinsky-Fesfival 1972, Cortège Hongrois (Glasunow, 1973), Coppélia (mit Alexandra Danilowa, Delibes, 1974), Le Tombeau de Couperin und Tzigane für das Ravel-Festival 1975, Chaconne (Gluck, 1976), Ballo della Regina (Verdi, 1978), Ballade (Fauré, 1980), Robert Schumanns Davidsbündlertänze (Schumann, 1980) und Mozartiana (Tschaikowsky, 1981).

1968 – Balanchine wird vorübergehend Leiter des Ballet du Grand Théâtre de Genève; er übt diese Tätigkeit parallel zu seiner New Yorker Arbeit aus.

1971 – Anlässlich von Strawinskys Tod veranstaltet das New York City Ballet ein Strawinsky-Festival mit 33 Balletten (darunter 20 Uraufführungen).

1976 – Balanchine gastiert mit dem New York City Ballet in Paris.

2. Juli 1982 – Zweites großes Strawinsky-Festival des New York City Ballet zum 100. Geburtstag des Komponisten. Balanchine präsentiert seine 425. Produktion, Variations for Orchestra, ein Solo für Suzanne Farrell und sein letztes Originalwerk.

30. April 1983 – Balanchine stirbt in der Nacht zum 1. Mai in New York City. Lincoln Kirstein: "Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass Balanchine dort ist, wo auch Mozart, Tschaikowsky und Strawinsky sind."

3. Mai 1983 – Balanchine wird in South Harbor, Long Island, begraben, einer Stadt, die er liebte, weil sie ihn an Südfrankreich erinnerte.

Otis Stuart

 

Karinska

Karinska wurde als Varvara Andrejewna Smudska 1886 in Charkow/Ukraine als Tochter eines wohlhabenden Textilkaufmanns geboren und verließ Russland nach der Revolution in den 1920er Jahren. Sie unterhielt Ateliers in Paris, Monte Carlo und London und setzte als Kostümschneiderin Entwürfe von Salvador Dalí, Baltus, Henri Matisse, Marc Chagall, Cecil Beaton u.a. um. 1930 ging sie in die USA, arbeitete zunächst in Hollywood, bis sie sich 1949 in New York niederließ, wo ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit George Balanchine begann. Sie kreierte die Kostüme für 75 seiner Ballettproduktionen und trug mit ihrem Perfektionismus, der Qualität und Raffinesse ihrer Arbeit zum Erfolg der Werke bei. Sie war auch für viele andere berühmte Choreografen und Regisseure tätig, wie Frederick Ashton, Agnes de Mille, Bronislawa Nijinska, Jerome Robbins, Franco Zeffirelli und George Cukor. Neben Balletten stattete sie auch Schauspiele, Opern, Musicals und Filme aus. 1948 entwarf sie die Kostüme für Victor Flemings Verfilmung von "Jeanne d’Arc" mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle und erhielt dafür einen Oscar. George Balanchine sagte über seine wichtigste Kostümdesignerin: "Was Shakespeare für die Literatur bedeutet, das ist Karinska für die Kostüme".

 

Pressestimmen

Es ist zweifelhaft, ob Balanchine je ein Stück kreiert hat, in dem die Inspiration so anhaltend war, der Ideenreichtum oder das Konzept so großartig.
The New York Times

zur Hamburger Premiere

Was für ein phantastischer Auftakt der 32. Hamburger Ballett-Tage in der Staatsoper! George Balanchines abendfüllendes, abstraktes Ballett in drei Teilen, "Jewels", offenbart Tanz pur in höchster Meisterschaft, dem die Hamburger Compagnie vollkommen gewachsen ist. Speziell die Solisten hauchen ihren Parts ihre Persönlichkeiten ein, ohne die Choreographie zu verfälschen. Sie zeigen bei aller technischen Perfektion Herz. Das zu erleben ist schieres Glück.
Monika Fabry, Hamburger Abendblatt

Als eine von Mr. B's gültigsten Schöpfungen war "Jewels" bisher nur bei den … Compangien in New York, Paris und St. Petersburg zu sehen. Hamburg - in den Sechzigern die deutsche Balanchine-Hochburg - erhielt jetzt den Nachtanz-Zuschlag für solcherart hier eher ungewohnte Neoklassik. Und die sah schon sehr gut aus. … Eine Wonne freilich die Solisten.
Manuel Brug, Die Welt

In den reinen, raffiniert auf die Musik choreografierten Schmuckstücken können sie mit Allüre, Charme und Technik brillieren. Solisten und Ensemble des Hamburg Ballett zeigten sich zur Eröffnung der 32. Ballett-Tage in Topform. John Neumeier kann stolz auf seine Compagnie sein: Sie meisterte den schwierigen, temporeichen Balanchine-Stil mit Eleganz und Virtuosität und wurde für die hochdisziplinierte Bravourleistung vom Publikum mit Jubelrufen und begeistertem Beifall belohnt.
dpa

Balanchine war von 1960 an der Staatsoper unter Rolf Liebermann eng verbunden und vor vierundvierzig Jahren jubelten die Hamburger Igor Strawinsky zu, der bei einem Gastspiel des New York City Ballet seinen achtzigsten Geburtstag feierte. Es ist nobel von John Neumeier, zum Auftakt er Ballett-Tage an diese großen Abende zu erinnern. Famos, dass er die Tänzer dazu hat.
Wiebke Hüster, Frankfurter Allgemeine Zeitung
 

Mit freundlicher Genehmigung des George Balanchine Trust.
Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung
der Hamburgischen Staatsoper.

 

Fotos

 
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