Fantastisches Ballett in zwei Akten
von Jules Henri Vernoy de Saint Georges,
Théophile Gautierund Jean Coralli

 

Produktion 2000

For Natasha Makarova,
unforgettable Giselle - with deepest thanks
for her generous artistic advice and inspiration
J. N.

 

Musik
  Adolphe Adam
Bauern-Pas de deux
  Friedrich Burgmüller
Traditionelle
Choreografie
  Jean Coralli
Jules Perrot
Marius Petipa
Inszenierung
neue Choreografie
  John Neumeier
Bühnenbild
Kostüme
  Yannis Kokkos

 

Premiere
Hamburg Ballett, Hamburg, 10. Dezember 2000

 

Premierenbesetzung    
Giselle
  Elizabeth Loscavio
Herzog Albert
  Lloyd Riggins
Myrtha
  Heather Jurgensen
Bathilde
  Alison Kappes
Hilarion
  Carsten Jung
Bauern-Pas de deux
  Silvia Azzoni
Alexandre Riabko
Zulma   Adéla Pollertová
Moyna   Silvia Azzoni
Berthe   Anna Grabka
Der Prinz von Kurland   Eduardo Bertini
Wilfried   Andrzej Glosniak

 

Produktion 1983

Bühnenbild
Kostüme
  Klaus Hellenstein

 

Premiere
Hamburg Ballett, Hamburg, 23. Juni 1983

 

Premierenbesetzung    
Giselle
  Lynne Charles
Herzog Albert
  Ivan Liska
Myrtha
  Colleen Scott
Bathilde
  Gigi Hyatt
Hilarion
  Gamal Gouda
Bauern-Pas de deux
  Chantal Lefèvre
Jeffrey Kirk
Zulma   Robyn White
Moyna   Trinidad Vives
Berthe   Beatrice Cordua
Der Prinz von Kurland   Max Midinet
Wilfried   Eduardo Bertini

 

Gastspiel
2014 Baden Baden

 

In dem Wald, im Mondenscheine,
Sah ich jüngst die Elfen reuten;
Ihre Hörner hört ich klingen,
Ihre Glöckchen hört ich läuten.

Ihre weißen Rößlein trugen
Güldnes Hirschgeweih und flogen
Rasch dahin, wie Schwanenzüge
Kam es durch die Luft gezogen.

Lächelnd nickte mir die Kön'gin,
Lächelnd im Vorüberreuten.
Galt das meiner neuen Liebe,
Oder soll es Tod bedeuten?

Heinrich Heine
aus "Elementargeister"

 

"Das Werk ist so gut, dass man immer wieder Dinge entdeckt, die man vorher nicht gesehen hat."
George Balanchine

 

Warum "Giselle"?

Zuerst, weil es sicher das wichtigste und schönste Ballett der romantischen Zeit ist.
Die romantische Zeit, die für viele Menschen eine Ära des Balletts schlechthin bedeutet.
Das HAMBURG BALLETT ist auch eine "klassische Compagnie".
Das heißt: Die Technik, die dieses international zusammengestellte Ensemble verbindet, ist die Sprache des klassisch-akademischen Tanzes.
Gleichzeitig aber ist das HAMBURG BALLETT eine kreative Compagnie.
Eine Compagnie, die es gewohnt ist, neue Dinge zu schaffen.
Gerade die Kombination des Schönsten der Tradition mit einer neuen modernen Sicht, ist der Sinn, warum wir uns dieses Jahr noch einmal mit dem Thema "Giselle" befassen.
Das heißt, ein Juwel des klassisch-romantischen Balletts in eine neue moderne Fassung zu setzen.

John Neumeier (2000)

 

Im Spiegel der Zeit
Eindrücke und Gedanken im Ballettsaal

von Irmela Kästner

"Es ist keine Pose, es ist eine geistige Haltung!" Die Ermahnung von Natalia Makarova zieht sich am ersten Probentag im Ballettsaal zu einer schier undurchdringbaren Wolke zusammen. Am Vormittag des dritten von insgesamt fünf Tagen, an denen Natalia Makarova die Hamburger Giselles unter ihre Obhut nimmt, löst sich der schwere Dunst auf und umspielt von nun an wie ein zarter, transparenter Nebel die Glieder der Tänzerinnen. Leichtigkeit und Präzision, das minutiöse Wechselspiel von schnellen Rhythmen und anmutig luftig geschwungener Linie hat von ihren Körpern Besitz ergriffen. "Schaut auf die Verzögerungen des Bildes. Es scheint, als würden die Bewegungsphrasen niemals enden. Wunderschön ist das!", lenkt John Neumeier die Aufmerksamkeit seiner Solistinnen auf den unverkennbaren Stil in Natalia Makarovas Tanz. Ein Tanz der Unendlichkeit suggeriert und darin, ohne sich zu verströmen, immer wieder in das Innere des Körpers zurückfließt, sich seiner selbst vergewissert in der unmittelbaren Vergegenwärtigung des soeben Vergangenen und damit in der reinen Bewegung einen zentralen Aspekt des Denkens in der Romantik streift. Eine Polyphonie des Körpers, dessen vielfarbiger Bewegungsstrom sich weitet, verengt, kleine Tode stirbt, aber niemals abreißt.
"Romantik", schrieb Margarete Susman in ihren "Frauen der Romantik", "das ist die Zeit, in der die Seele mit aller versunkenen Göttlichkeit des Lebens genährt, in einsamer Selbstherrlichkeit dem Abgrund der Glaubenslosigkeit entsteigt und ihren schweigenden, strahlenden Weg in die Nacht antritt. Wo sie wandelt, da verklärt sich das Leben, da blüht und funkelt jeder Weg und Steg. Tränen des Leides wie der Freude werden zum Tau, der das ganze Leben in unzähligen Tropfen aufleuchten lässt: zu dichterischen Sinnbildern innerer Wirklichkeit."
"Der Gedanke muss klar sein. Es hat mit der Phrasierung zu tun. Gleichzeitig ist es eine Frage von Form und von Momentum. Lasst euren Körper sprechen!" Natalia Makarova bringt das Juwel in leibhaftiger Poesie zum Funkeln. Sie stellt die Logik der Choreografie - "Im Profil bitte, nicht diagonal!" - und in der Perfektion der Geometrie ihre Schönheit heraus. Elizabeth Loscavio, Anna Polikarpova, Silvia Azzoni, Heather Jurgensen - vier Tänzerinnen an diesem Morgen im Hamburger Ballettzentrum - vier Giselles - vier Besetzungen - vier Temperamente.
"Flieg fort, doch gleichzeitig ruf ihn mit deinem Rücken." Die Linie des Körpers mit dem Anflug einer Geste ist es, die naiv und anrührend den unsichtbaren Faden der vergeistigten, idealisierten Liebe zwischen Giselle und Albert spinnt. Im ersten Akt befragt das Bauernmädchen Giselle eine Margaritenblume: ja - nein - ja - nein - und schließlich doch: ja. Einfach und klar vermittelt sie sich höchst lebendig und geht in der distinkten Zeichnung ihrer ästhetischen Form gleichzeitig auf Distanz, atmet und öffnet den Raum zur Reflektion.
"Und was bin ich anders", schrieb Novalis, "als der Strom, wenn ich wehmütig in seine Wellen hinabschaue, und die Gedanken in seinem Gleiten verliere?"
Es ist wie der Blick in einen fernen Spiegel, mit all seinen Brechungen durch den Gang der Geschichte, der in einer Zeit, in der der "gläserne Mensch" Wirklichkeit ist, in der die Auflösung von Raum und Zeit ganz real voranschreitet, in einem neuen Licht erscheint.

Mittwoch 11. 30 Uhr Probe für die Willis

Die Tänzerinnen, junge Frauen aus verschiedenen Ländern der Erde, haben schnell die weißen, langen Tutus, typisch für das romantische Ballett, übergestreift. Aufgeregt wird noch der eine oder andere Schritt, diese Arabesque, jenes Port de bras, probiert und gegenseitig korrigiert. In der einen Ecke wird russisch gesprochen, dort englisch, da drüben französisch. Doch dann fügen sich alle selbstverständlich zu einem Bild. Und wenn man genau hinhört, auf die Musik, die Adolphe Adam zu diesem Willi-Reigen komponiert hat, dann sind unterschwellig spanische Rhythmen, ein Menuett, orientalische Anklänge zu vernehmen. Eine Tour de Force muss es gewesen sein, vermutet man, dass Adam es damals geschafft habe, die verschiedenen ethnischen Konnotationen in das Raster eines Walzers einzuarbeiten. Die Ordnung im vielfarbigen Klang ist für die internationale Compagnie des Hamburg Balletts (wie für die meisten Ballettensemble heute) kein Thema mehr. Und die ist wahrlich kein Totenhaus.

 

Die Handlung

Erster Akt
Dorf zur Zeit der Weinlese

Herzog Albert hat zu dem Bauernmädchen Giselle eine schwärmerische Zuneigung gefasst. Um sie zu treffen, findet er sich vor dem Hause ein, in dem sie mit ihrer Mutter Berthe wohnt. Sein Freund Wilfried, Mitglied der Jagdgesellschaft des Prinzs von Kurland, versucht umsonst, ihn zur Teilnahme an der Jagd zu überreden. Albert verkleidet sich als Bauer, versteckt seine fürstlichen Kleider in einer Hütte und schickt Wilfried weg. Ein Bauernmädchen, Giselles Freundin, holt bei Berthe ein Hochzeitskleid, das diese für sie genäht hat. Der Wildhüter Hilarion, der Giselle liebt, beobachtet, wie sich Albert mit ihr trifft. Er stört das Rendezvous und versucht vergeblich, Giselle den Rivalen auszureden.
Winzerinnen kommen auf dem Weg zur Weinlese an Berthes Haus vorbei. Giselle überredet sie zum Tanz. Berthe unterbricht sie, beunruhigt über die Tanzleidenschaft, die Giselles schwächliche Gesundheit gefährdet. Albert hört Jagdfanfaren; um nicht erkannt zu werden, schickt er die Winzerinnen weg und zieht sich zurück. Der Prinz von Kurland trifft mit seiner Jagdgesellschaft ein, der auch Bathilde, seine Tochter und Alberts Braut, angehört. Vor Berthes Haus wird eine Rast eingelegt. Während Berthe die Gäste bewirtet, entsteht zwischen den beiden Mädchen Giselle und Bathilde Sympathie. Der Herzog, Bathilde und ihre Gouvernante begeben sich ins Haus, während die übrige Gesellschaft weiterzieht. Die Landleute beginnen ein dörfliches Fest, in dem auch die Hochzeit von Giselles Freundin gefeiert wird. Albert schließt sich dem Treiben an und tanzt mit Giselle, die zur Königin der Weinlese erklärt worden ist. Hilarion unterbricht das Fest; er hat in der Hütte Alberts Degen gefunden und zeigt ihn Giselle als Beweis für dessen wahre Stellung. Albert streitet ab, der Besitzer des Degens zu sein, wird aber von Bathilde und ihrem Vater, die aus dem Hause kommen, erkannt. Giselle wird vor Schmerz und Enttäuschung wahnsinnig: sie stirbt.

Zweiter Akt
Waldlichtung mit Giselles Grab

Bei Anbruch der Nacht besuchen Giselles Mutter und Hilarion Giselles frisches Grab. Es liegt an einem Ort, wo nachts die Willis zusammentreffen – junge Bräute, die vor ihrer Heirat starben und nun unerlöst als Geister die Nächte durchtanzen müssen. Hilarion wird verborgen Zeuge des Auftritts von Myrtha, der Königin der Willis, die ihre Schwestern herbeiruft; er flieht. Auch Giselle wird aus dem Grab gerufen und unter die Willis aufgenommen. Als die Willis davongezogen sind, sucht auch Albert das Grab auf. Giselle zeigt sich ihm, entzieht sich aber immer wieder. Die Willis haben inzwischen Hilarion entdeckt und zwingen ihn, solange zu tanzen, bis er vor Erschöpfung stirbt. Dann entdecken sie auch Albert. Giselle erhält von Myrtha den Befehl, ihn in den Tod zu tanzen. Um ihn zu retten, drängt sie ihn zum Grabkreuz, das ihn vor dem Zauber der Willis schützt, und tanzt an seiner Statt, bereit, sich für ihn zu opfern. Albert aber folgt ihr und verfällt in immer rasenderen Tanz. Schließlich bricht er zusammen – da läutet vom Dorf her die Morgenglocke. Mit Beginn des Tages ist die Macht der Willis gebrochen; sie verschwinden – und auch Giselle. Albert bleibt allein zurück.

 

Fakten

  • 1868 fand die letzte Vorstellung der Original-Produktion von "Giselle ou Les Wilis" statt
  • Bei der Premiere von "Giselle" wurde als erster Teil des Abends der dritte Akt von Rossinis "Moise" aufgeführt
  • Die Premiere von "Giselle" in Hamburg fand am 23. Oktober 1843 mit Fanny Elssler statt
  • Die modernen Versionen beruhen auf der St.Petersburger Tradition - hauptsächlich auf Petipas letzter Produktion von 1884. Jene diente auch als Grundlage für die Produktion der Diaghilevs Ballett-Compagnie, welche das Ballett 1911 mit Vaslaw Nijinski und Tamara Karsavina in den Hauptrollen sowie der Ausstattung Alexandre Benois nach Westeuropa zurückbrachte
  • Noch heute wird das Ballett als das wesentliche Werk der Romantik betrachtet
  • Alle Grisi (Giselle) Parts waren warscheinlich choreografiert von Jules Perrot
  • Der Bauern Pas de deux wurde für gewöhnlich eingeschoben (Musik: Friedrich Burgmüller)
  • Nach der Premiere wurde das Ballett bald auf der ganzen Welt gezeigt, in London und Wien (1842), in Berlin und Mailand (1943), in Boston (1946), in St.Petersburg (1848)
  • 1887 wurde für Emma Bessone das Solo im ersten Akt hinzugefügt,
    Musik: Ludwig Minkus, Choreografie: Marius Petipa
  • In keinem anderen Werk kann die Ballerina so vollkommen ihre künstlerische Persönlichkeit beweisen wie in "Giselle". Diese Rolle fordert die allerbeste Technik und eine große schauspielerische Fähigkeiten.

Berühmte "Giselle"-Interpretinnen

Anna Pawlowa  1910
Anna Pavlova
1910
Tamara Karsavina it Vaslav Nijinsky   1910
Tamara Karsavina
1910
Olga Spessiwzewa   1924
Olga Spessiwzewa
1924
Galina Ulanowa   1932
Galina Ulanova
1932
Alicia Markova   1934
Alicia Markova
1934
Alicia Alonso   1946 /Foto: Seymour
Alicia Alonso
1946
Yvette Chauviré   ca. 1950
Yvette Chauviré
1950
Carla Fracci   1968 /Foto: Lelli & Mascotti
Carla Fracci
1968
Natalia Makarova   1977
Natalia Makarova
1977

 

Biografien
 

Natalia Makarova
Natalia Romanovna Makarova, Russische Ballerina, geboren in Leningrad am 21. Oktober 1940. Sie studierte am Leningrader Waganowa-lnstitut. Nach dem Abschluß im Jahre 1959 trat sie dem Kirov Ballett bei und wurde schnell eine der führenden Ballerinen. 1965 gewann sie in Varna die Goldmedaille.
Auf einer England-Tournee des Kirov Balletts bat Natalia Makarova am 4.September 1970 in London um Asyl. Sie schloß sich dem American Ballet an und debütierte im Dezember 1970 in der Rolle der "Giselle". Danach tanzte sie zahlreiche Rollen des umfangreichen Repertoires des American Ballet, wobei sie ausgiebig mit Choreografen wie Tudor, Balanchine, Robbins und Tetley zusammenarbeitete.
Ihre Zusammenarbeit mit dem Royal Ballet begann im Jahre 1972. Natalia Makarova trat weltweit als Gasttänzerin mit zahlreichen bedeutenden Ballett-Compagnien auf u.a. mit dem Ballett der Pariser Oper, dem Kanadischen National Ballett, dem Stuttgarter Ballett, dem Königlich Dänischen Ballett, dem London Festival Ballett, dem Ballett des 20. Jahrhunderts von Maurice Béjart sowie mit Roland Petits Marseiller Ballett.
Sie wurde als eine der besten Giselle-Interpretinnen der 70er Jahre bezeichnet. Kreierte 1975, mit Erik Buhn, Neumeiers "Epilog". Inszenierte 1974 "The Kingdom of the Shades" aus "La Bayadère" für das ABT, im Jahre 1980 folgte dann die komplette Inszenierung des o.a. Balletts wiederum für das ABT, welches dadurch die Chance erhielt, als erste westliche Company dieses Werk zu tanzen. Makarovas Choreografie beinhaltete zum ersten Mal seit 1919 eine Rekonstruktion des letzten Aktes nach Marius Petipa.
Erschien 1980 mit ihrer eigenen Company am Broadway.
In Zusammenhang mit ihrer Arbeit für das Fernsehen entstand 1987 die sehr angesehene Serie "Ballerina" für BBC; für Channel 4 "A Class of Her Own"; "Assoluta" wiederum für BBC und 1985 schließlich ihr Fernseh-Special "Natasha".
Natalia Makarova debütierte am Broadway in George Abbots Musical Komödie "On Your Toes", für welches sie den Tony Award als beste Schauspielerin in einem Musical gewann sowie sieben weitere Awards. 1984 trat sie in der West End Production von "On Your Toes" auf, für welche sie den Laurence Olivier Award erhielt.
Natalia Makarovas Versöhnung mit dem Kirov Ballett fand am 6.August 1988 in London statt, als sie einen Ausschnitt aus dem Ballett "Schwanensee" mit der Company des Kirov tanzte. Als erste im Exil lebende russische Künstlerin erhielt sie später die Erlaubnis, wieder in ihrem Heimatland tanzen zu dürfen. Nach 19 Jahren Abwesenheit trat sie am 1.Februar 1989 wieder im Kirov Theater auf; ein Ereignis, welches in dem BBC Dokumentarfilm "Makarovas Return" zu sehen ist.
1991 begann sie ihre Laufbahn als Schauspielerin in dem Stück "Tovarich" in England. 1992 kehrte sie als Schauspielerin nach Rußland zurück, wo sie in dem Stück "Two for the Seesaw" in Moskau und St.Petersburg auftrat. Autorin von "A Dance Autobiography" (1979).

Adolphe Adam
Französischer Komponist, geboren in Paris am 24. Juli 1803, gestorben am 3. Mai 1856. Sohn des aus Mietersholz am Rhein stammenden Musikpädagogen und Komponisten Johann Ludwig Adam (1758-1848). Gewinner des "Rom-Preises" 1829. Schrieb über 70 Bühnenwerke, darunter auch die Ballette "Giselle" (1841) und "Le Corsaire" (1856); die Oper "Le Postillon de Longjumeau" (1836), "Le Chalet" (1834).

Jean Coralli
Italienischer Tänzer und Choreograf, geboren in Paris am 15. Januar 1779, gestorben am 1. Mai 1854. Choreograf am Théâtre de la Porte Saint-Martin (1825), später an der Pariser Oper (1831). Er tantzte und choreografierte in Wien, Mailand, Lissabon und Marseille. Neben "Giselle (zusammen mit den Choreografen Jean Coralli und Jules Perrot, 1941) waren seine größten Erfolge "Le Diable Boiteux" (1836), "La Tarentule" (1839), and "La Péri" (1843).

Jules Perrot
Französischer Tänzer und Choreograf, geboren in Lyon am 18. August 1810, gestorben in Paramé (Frankreich) am 22. August 1882. Er studierte mit August Vestris und Salvatore Viganò. Er war einer der größten Tänzer seiner Zeit. Wahrscheinlich choreografierte und inszenierte er die Tänze und Szenen der
Titelfigur ( zu dieser Zeit lebte er mit Carlotta Grisi zusammen). Seine wichtigste Balletten waren "Pas de Quatre" (kreiert für Marie Taglioni, Carlotta Grisi, Lucile Grahn und Fanny Cerrito, 1845), "Ondine" (London, 1843), "La Esmeralda" (London, 1844), "Faust" (Mailand, 1848).

Marius Petipa
Französischer Tänzer und Choreograf, geboren in Marseille am 11. März 1818, gestorben in Gurzuf (Krim) am 14. Juli 1910. Er studierte bei seinem Vater Jean Petipa und Auguste Vestris. Er kam nach einer erfolgreichen Karriere als Tänzer in Europa und Amerika, unter anderem als Partner der großen romantischen Ballerinen Carlotta Grisi und Fanny Elssler, 1847 nach Russland. Zunächst war er Premier danseur des Marientheater – Balletts in St. Petersburg. Ab 1862 war er dessen Maître de ballet. In den folgenden 48 Jahren schuf er für das Hofballett des Zaren 54 neue Ballette (u.a. "La Fille du Pharaon" (1862), "Don Quixote" (1869), "La Camargo" (1872), "Bayaderka" (1877), "Dornröschen" (1890), "Cinderella" (mit Cecchetti und Ivanov, 1893), "Schwanensee" (mit Ivanov, 1895), "Raymonda" (1898)), und choreografierte teilweise neu 17 ältere Produktionen (u.a. "Le Corsaire" (1880), "Paquita" (1881), "Coppélia" (1884), "Esmeralda" (1886) und "La Sylphide" (1892), in "Giselle" brachte er Änderungen in die Willis-Szenen) und schuf die Tänze in ungefähr 35 Opern.

Textnachweis:
Teilweise aus The Concise Oxford Dictionary of Ballet, Horst Koegler, Oxford University Press, London, 1982

 

Pressestimmen

Hat John Neumeier das Unmögliche vollbracht? Hat er in seiner neuen Produktion von "Giselle" die konservativen Traditionalisten mit den progressiven Modernisten versöhnt? ... Seine neue "Giselle" ist ein brillantes Stück moderner Bühnenkunst und ein aufregendes Theatererlebnis, das mich mit seinem traditionellen choreografischen Glanz erfreut, ohne dass sich mein zeitgenössisches Gewissen verleugnen muss. ... Ich kann nur feststellen, dass ich am 26. Januar 2001 eines der großartigsten Balletterlebnisse in nunmehr 58 Jahren regelmäßiger Theaterbesuche erfahren habe.
Horst Koegler, Dance Now

Historisch und zugleich modern: Neumeiers "Giselle"
Was auch immer das Publikum schaut, wirkt klar und konzis. Bühnenbildner Yannis Kokkos hat mit dem Ballast der Ballettgeschichte gründlich aufgeräumt. Hamburgs Ballettchef lässt die tradierte Choreografie intakt. Aber er hat die Rahmenbedingungen der Überlieferung radikal verändert und macht sie auf seine Art wieder gegenwärtig ... Seine "Giselle" ist historisch und modern, bewundernswert abstrakt und ergreifend konkret.
Hartmut Regitz, Die Welt

Besser kann man einen Klassiker kaum aufbereiten
Mag sein: An gebrochenem Herzen stirbt heute kaum jemand mehr, doch Neumeier gelingt es, die zeitlosen menschlichen Konflikte und Sehnsüchte aus einem (im besten Sinne des Wortes) kindlich-direkten Blickwinkel zu beleuchten. Viele poetische Metaphern, von John Neumeier hinzugefügt, erschlie—en den Geist der Romantik für heutige Zuschauer in einer verständlichen Bewegungssprache. Besser kann man einen Klassiker kaum aufbereiten. Doch wie von Kinderhand gezeichnet, mit genialer Leichtigkeit, wirken alle Motive des Bühnenbildes von Yannis Kokkos, schon der Vorhang schafft behutsam eine Stimmung zwischen heller Freude und dunkler Todesahnung.
Dagmar Fischer, Hamburger Morgenpost

John Neumeiers "Giselle"
wurde zum umjubelten Ballettereignis
Elizabeth Loscavio Souverän und technisch nahezu perfekt. Riggins in der Rolle des zum Landmann mutierten Adeligen ist von Anfang an das schiere schauspielerische und tänzerische Glück. Er kann einfach alles. Als Techniker brilliert er mit furiosen Batterien und Pirouetten, als Mensch mit wacher Einfühlsamkeit. Ein Traumpartner. Wie Alexandre Riabko im Bauern-Pas-de-deux mit Silvia Azzoni. Was die beiden mit staunenswerter Eleganz auf die Bühne pfeffern, verdient höchsten Respekt.
Monika Fabry, Hamburger Abendblatt

Giselle - Überirdisch schön
Es war nicht nur die Leistung der Tänzer, die den Abend vollkommen machte. Alles stimmte: das schlichte, bunte Bühnenbild und die leichten, farbigen Kostüme von Yannis Kokkos, die neue - teilweise moderne - Choreographie Neumeiers, das Licht.
Neumeier und Kokkos schaffen es, bis zum Schluss die Aussage dieses Stücks über Liebe und Schmerz ins Heute zu übertragen.
Lien Kaspari, Bild Zeitung

Jurgensen - Riggins
 

Fotos

 
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