Ballett von John Neumeier
nach Tennessee Williams

 

Musik
  Sergej Prokofjew
"Visions Fugitives" op. 22
Alfred Schnittke
1. Sinfonie
Choreografie
Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
  John Neumeier

1 Pause - 2 Stunden

 

Uraufführung
Stuttgarter Ballett, Stuttgart, 3. Dezember 1983

 

Originalbesetzung    
Blanche DuBois
  Marcia Haydée
Stanley Kowalski
  Richard Cragun
Stella, Blanches Schwester
  Lisi Grether
Harold Mitchell (Mitch)
  Vladimir Klos
Allan Gray
  Johannes Kritzinger
Allans Freund
  Paul Chalmer
Ein Soldat
  Randy Diamond
Kiefaber   Christian Fallanga
Shaw   Stephen Greenston

 

Premiere in Hamburg
Hamburg Ballett, 30. April 1987

 

Premierenbesetzung    
Blanche DuBois
  Colleen Scott
Stanley Kowalski
  Ivan Liska
Stella, Blanches Schwester
  Bettina Beckmann
Harold Mitchell (Mitch)
  Stephen Pier
Allan Gray
  Johannes Kritzinger
Allans Freund
  Jean Laban
Ein Soldat
  Peter Bo Bendixen
Kiefaber   Eric Miot
Shaw   Gabriel Manferdini

 

Gastspiele
1988 Milwaukee 1989 Leverkusen 2010 Baden-Baden
2012 Hongkong

Im Repertoire
Das Norwegische Nationalballett
Stuttgarter Ballett
Pittsburgh Ballet Theatre

 

Die Handlung

I - Belle Reve

Irrenanstalt

Blanche DuBois, verfolgt von Wahnvorstellungen und Erinnerungen:
Männer

Ihre Hochzeit in Belle Reve

Ihr Mann Allan Gray

Der tragische Ausgang ihres Hochzeitstages

Der Zerfall von Belle Reve

Flamingo-Hotel
 

II - New Orleans

Endstation

Blanche erinnert sich an den Besuch bei ihrer Schwester Stella in New Orleans:
Stella verändert

Konflikt mit Stellas Mann Stanley

Versuch einer Rettung mit Stanleys Freund Mitch

Blanches Vergangenheit wird von Stanley bloßgelegt

Flucht - wohin?

Vergewaltigung

Der Schritt aus der Realität

Irrenanstalt

aus John Neumeiers New-Orleans-Tagebuch, 1983

 

Vor der Aufführung zu lesen

"Man hat mir gesagt, ich soll eine Straßenbahn namens 'Sehnsucht' nehmen, dann in eine andere, namens 'Friedhof', umsteigen und nach sechs Querstraßen aussteigen – bei den 'Elysischen Gefilden'", berichtet Blanche DuBois ihrer Schwester Stella während der Ankunft in New Orleans. Blanche musste den Familiensitz Belle Reve verlassen, als er verloren ging. Nachdem man ihr nahe gelegt hat, ihre Arbeit als Lehrerin aufzugeben, sucht sie bei der jüngeren Schwester Zuflucht. Stella ist mit dem Arbeiter Stanley Kowalski verheiratet, der von Blanche wegen seiner Grobheit und Herkunft aus einer polnischen Einwandererfamilie verachtet wird. "Tausende und Tausende von Jahren der Entwicklung sind an ihm vorübergegangen, wirkungslos – ein Überlebender aus der Steinzeit", wird sie später feststellen. Doch auch ihr kultiviertes, leicht affektiertes und mitunter blasiertes Verhalten reizt Stanley zu rohem und vulgärem Benehmen, bis hin zu brutalen Ausbrüchen. Seine herzlose Kälte gegenüber Blanche ist aufgeladen mit sexueller Energie. In den beengten Wohnverhältnissen, die ein Abbild des dicht bebauten französischen Viertels geben, kommt es schnell zu Spannungen, die durch Blanches Unvermögen, Realität und Illusion voneinander zu trennen, in die Katastrophe münden. Fließende, sich gegenseitig überblendende Welten verstellen Blanche den Blick auf ihre tatsächliche Situation.

John Neumeiers Ballett setzt am Endpunkt des Dramas an, in der Irrenanstalt. Es erzählt Blanches Vorgeschichte und taucht ein in die fragile, in Auflösung begriffene Welt von Belle Reve. Blanches Erinnerungen führen sie zurück in den Sommer, als die Schwester Stella den Ort ihrer Heimat verließ und Blanche ihren Hochzeitstag beging. Traditionelle, zur oberen Mittelklasse gehörende Hochzeitstänze und Gratulationen bestimmen die Szene. Mitten drin ein attraktiver, nervös aussehender, einzelner junger Mann; er küsst Blanches Bräutigam Allan in dem Moment, als sie durch die Menge kommt. Ein Schock, ein Schuss, der Blanche für immer von Allan trennt. Und der erste der Todesfälle auf Belle Reve. Mit jedem Hinscheiden der Familienmitglieder stirbt der einstmals so stolze Landsitz etwas mehr. Blanche kann das Familienanwesen nicht mehr halten und flüchtet sich in schnelle Bekanntschaften.

Später wirkt New Orleans auf sie gefräßig, stinkend, hektisch, habgierig verkommen durch die Vielzahl der Geräusche, des Lärms und der Menschen. Das entspricht äußerlich dem schonungslosen Geschehen, welches zwischen Blanche und Stanley ausgetragen wird und in der Vergewaltigungsszene zum Eklat führt. Nichts ist für Stanley erotischer und erregender als ihr 'vornehmes' Getue. Sex bedeutet für ihn Vorherrschaft. Alles, was ihn herausfordert, erregt ihn. Und er missbraucht, wonach Blanche so dringend greift: ein aus der Tradition des neunzehnten Jahrhunderts stammendes Bedürfnis nach Schutz.

"Für mich", so John Neumeier, "ist 'Endstation Sehnsucht' eines der größten Stücke der amerikanischen Literatur. Es fasziniert mich durch das besondere Ambiente und die Problematik der alten Südstaaten". Das Bühnenwerk von Tennessee Williams – einer der größten Erfolge des amerikanischen Dramatikers – brachte ihm den begehrten Pulitzer-Preis ein. 1983 schuf John Neumeier seine Version für das Stuttgarter Ballett. Der erste Teil ist musikalisch mit Sergej Prokofjews "Visions fugitives" unterlegt, die der Komponist zwischen 1915 und 1917 schrieb. Im zweiten Teil erklingt Alfred Schnittkes 1974 uraufgeführte Erste Sinfonie.

 

John Neumeier
Im Gespräch mit Rainer Woihsyk, 1983

Wie sind Sie darauf gekommen, gerade aus "Endstation Sehnsucht" ein Ballett zu machen?

Ich muss sagen, dass ausgangs die ursprüngliche Idee von einem Freund von mir, von Werner Pochath, kam. Es war während der Zeit, als wir an der "Kameliendame" in Stuttgart arbeiteten. Da hat er mir spontan vorgeschlagen, dieses Stück als 'nächstes' für Marcia Haydée zu machen. Es war für mich keine sehr fremde Idee, "Endstation Sehnsucht" als Ballett zu machen. Die ganzen Arbeiten von Tennessee Williams existierten durch ihre sehr poetische Ebene in meinem Unterbewusstsein als mögliche Ballettsujets. Leider haben wir um die Rechte für das Schauspiel sehr lange gekämpft oder zumindest verhandelt. Es war also eine ganze Zeit lang sehr unklar, ob wir "Endstation" wirklich machen können. Tennessee Williams hat die exklusiven choreografischen Rechte in den vierziger Jahren an Valerie Bettis vergeben. Vor einigen Jahren hat man - zuerst erfolglos - mit ihr verhandelt. Es war erst nach ihrem - Tod und nach dem Tod von Williams - endgültig klar (eigentlich erst am Ende der Theatersommerpause dieses Jahres), dass wir wirklich die Rechte bekommen.

Hat Ihre Wahl, dieses Stück zu machen, etwas damit zu tun, dass Tennessee Williams Amerikaner ist und dass auch Sie Amerikaner sind?

Ich glaube schon, denn für mich ist "Endstation Sehnsucht" eines der größten Stücke der amerikanischen Theater-Literatur. Es ist ein Stück, das mich durch das besondere Ambiente und die Problematik der alten Südstaaten sehr fasziniert und sehr interessiert. "Endstation" ist ein Stoff, war ein Film, den ich von Jugend an kannte und der etwas sehr Wichtiges in meiner literarischen Theatererziehung war. Viele Figuren von Tennessee Williams sind für mich sehr geläufig, ich kenne sie sehr gut. Sie interessieren und beschäftigen mich. Es war sogar einmal meine Idee, ein Stück zu machen, das nicht nur auf "Endstation Sehnsucht" basiert, sondern auf verschiedenen Stücken von Tennessee Williams; eine Art 'Tennessee-Williams-Projekt' als Ballett (das ich dann nur "Endstation" genannt hätte), in dem die ganzen Figuren seiner Stücke vorkommen und Beziehungen zueinander haben sollten. Einige europäische Freunde aber haben gesagt, dass diese Figuren in Europa nicht genügend bekannt seien. Ich bin dann von dieser Idee abgekommen. Sicher hat das Stück einen Inhalt, eine Aussage, eine Innenwelt, die allgemein menschlich zu verstehen ist, die größer ist als seine amerikanische Außenwelt. Aber gerade diese 'Außenwelt' ist unverwechselbar amerikanisch, und darum konnte ich mir z. B. keinen Bühnenbildner oder Kostümbildner für dieses Stück vorstellen, der nicht Amerikaner wäre. Interessanterweise sind die zwei ausgewählten Komponisten Russen - aber die Musik entspricht der Innenwelt des Stückes.

Sie haben - bevor Sie an dem Ballett zu arbeiten anfingen - New Orleans besucht, die Stadt, in der das Stück spielt. Hat sich daraus eine besondere Sicht auf das Stück für Sie ergeben?

Sofort, nachdem die "Endstation"-Ballett-Idee geboren war, wollte ich nach New Orleans reisen, um Studien für das Stück zu treiben. William Como, der Herausgeber des Dance Magazine, hat mich an einen Restaurantbesitzer im Französischen Viertel von New Orleans verwiesen, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Sein Name ist Marty Shambra, und er war ein sehr guter Bekannter von Tennessee Williams. Er hat mich als seinen Gast aufgenommen, und ich danke ihm noch heute, dass er mir die interessanten und ungewöhnlichen Teile von New Orleans gezeigt hat - diese typischen louisianischen New-Orleans-Elemente innerhalb des Viertels, die Farben, die Raumaufteilung, das Licht. Und so gesehen ist es schon sehr wichtig gewesen, New Orleans zu besuchen. Natürlich wird man auf der Bühne kein nachgebautes New Orleans sehen, im Gegenteil, es wird eine Geschichte sein, die mehr abstrakt durch Bewegung dargestellt wird. Aber es ist sehr wichtig für mich gewesen, an den Strassenbahnschienen in New Orleans gestanden zu haben, die auf unserer Bühne die Endstation für Blanche DuBois darstellen.

Bei "Endstation Sehnsucht" haben Sie auch die gesamte Ausstattung entworfen, also Bühnenbild und Kostüme. Hat dieser Entschluss auch etwas mit Ihrem Besuch in New Orleans zu tun?

Ich erwähnte schon, dass ich mir nicht vorstellen könne, dass jemand die Bühnenbilder und Kostüme macht, der nicht Amerikaner wäre. Ursprünglich war ein amerikanischer Bühnenbildner hierfür vorgesehen. Da sich aber die Frage der Rechte so lange hinzog und er in der Zwischenzeit schon mit einem neuen Projekt beschäftigt war, zerschlug sich unsere Zusammenarbeit. Ich andererseits konnte nicht mehr 'zurück' von dem Projekt. In meinem Kopf wurde der Stoff, das ganze Projekt langsam bewusst und unbewusst vorbereitet, nicht nur Choreografie und Dramaturgie, sondern auch Bühnenbild, Kostümdetails und Lichtregie. Am Ende war es nur vernünftig, die gesamte Ausstattung selbst zu entwerfen. Bei dieser Gelegenheit bedanke ich mich ganz herzlich bei Heinz Gellrich, dem Ausstattungsleiter der Hamburgischen Staatsoper, der in der kurzen Entstehungszeit ein ganz unentbehrlicher Helfer war.

Würden Sie Ihr Ballett als eine genaue Umsetzung des Stückes von Tennessee Williams bezeichnen ?

Nein, natürlich keine genaue Umsetzung. Sagen wir es einmal so: "Endstation Sehnsucht" als Ballett ist kein wortloses Schauspiel geworden. Ich glaube, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass ein Künstler sich von einem Kunstwerk inspirieren lässt. Man braucht nur an Shakespeare zu denken. Er hat seine Inspiration öfter von anderen Autoren bekommen. Oder folgen wir Shakespeares Einfluss weiter, nehmen wir eine große Oper des 19. Jahrhunderts, zum Beispiel  "Othello". Diese Oper basiert zwar auf dem Stück von Shakespeare, ist aber ein ganz eigenes Werk. Insofern ist es, glaube ich, nicht wichtig, ob ein Künstler sich von einem anderen Künstler oder Kunstwerk inspirieren lässt, sondern ob das daraus entstehende Kunstwerk ein eigenständiges in sich ist und nicht nur die Erinnerung oder ein Ersatz für mangelnde Inspiration. Insofern muss ich sagen: Tennessee Williams' Stück "Endstation Sehnsucht" ist absolut meine Inspiration gewesen. Meine Mittel als Choreograf sind aber andere. Ich muss mit rein optischen, körperlichen Mitteln diese Geschichte klarmachen. Elia Kazan sagt zum Beispiel in seinen Regienoten über Blanche: "Wir können ihr Verhalten erst verstehen, wenn wir die Auswirkung ihrer Vergangenheit auf ihr gegenwärtiges Verhalten erkennen." Ich stimme mit ihm vollkommen überein. Und gerade darum, um diese Vergangenheit optisch darzustellen, muss ich Tennessee Williams' dramaturgischen Aufbau völlig ändern. Man kann 'Vergangenheit' nicht tanzen. Im Ballett muss Vergangenheit sichtbare Gegenwart werden. Darum beginne ich da, wo das Schauspiel endet, wo Blanche in Wahnvorstellungen und Erinnerungen noch einmal den Weg zu ihrer Endstation durchmacht.

Wie sind Sie auf die Musik von Alfred Schnittke gekommen?

Ich bin von Manfred Graeter, einem Freund von mir, auf das Concerto grosso von Schnittke aufmerksam gemacht worden als mögliche Grundlage für ein nächstes Ballett. Ich hatte vorher schon lange und verzweifelt nach einer Musik für  "Endstation" gesucht und war zuerst überzeugt, dass ich bei Charles Ives die richtige finden könnte. Allerdings, nach näherem Studium vermisste ich bei ihm ein bisschen die sinnliche Ebene, die so stark in diesem Stück vertreten ist. Ich war schon nahe daran, das Projekt überhaupt aufzugeben. Dann hörte ich nochmals das Concerto grosso und überlegte spontan, ob ich es für Stuttgart machen könnte; denn ich war fasziniert von den choreografischen Möglichkeiten, die dieser Komponist mir bot. Ich habe den Verlag gebeten, mir alle Musik von Schnittke zu schicken. Es kamen eine Menge Bänder, und eines der ersten, das ich hörte, war die Erste Sinfonie, und nachdem ich nicht einmal zwei Minuten lang hineingehört hatte, wusste ich, dass dies endgültig die Musik für   "Endstation" sein musste. Das Mirakulöse an dieser Musik ist, dass sich mehr und mehr dieses erste spontane 'Ja' zu dieser Musik bewiesen hat. Mir kommt das ganz gespenstisch vor, weil ich manchmal glaube, er habe diese Musik für mich komponiert. Vielleicht kommt es auch davon, dass das erste Band, das ich gehört habe, ein Mitschnitt der Uraufführung ist, dirigiert von Roshdestwenskij. Diese Aufführung fand in Gorki statt, und es ist unglaublich aufregend; gerade in den Elementen des modernen Jazz und der freien Improvisationen der Trompeten und Posaunen ist ein solch klarer New-Orleans-Sound entstanden, ohne dass sie je wissen konnten, dass dies einmal zu einem New-Orleans-Stück verwendet werden würde! Nachdem ich mich für die Musik entschieden hatte, begannen die Schwierigkeiten damit, die Musik zu realisieren. Man hoffte natürlich, sie live machen zu können. Das war ein Trugschluss; denn die Orchesterbesetzung liegt bei etwa 110 Mann, was in diesem kleinen Orchestergraben sowieso nicht denkbar wäre. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich mir dieses Ballett mit keiner anderen Aufnahme oder Live-Aufführung vorstellen kann; denn der Geist der Uraufführung, jener Geist, der auf dem Band herrscht, kann kaum je in einer weiteren Aufführung wiederhergestellt werden. Ich kann mir auch kaum vorstellen, eine andere Aufnahme zu nehmen, denn es gibt viele Teile, die der freien Improvisation unterliegen.

In welcher Weise setzen Sie Prokofjews Musik in "Endstation Sehnsucht" ein?

Auf Prokofjew bin ich gekommen, als ich noch statt über "Endstation Sehnsucht" über einen dreiteiligen Abend in Stuttgart nachdachte, wo ich Schuberts Streichquintett machen wollte, und dann Schnittkes Concerto grosso als neue Kreation, als Mittelstück, Da gab es eben die  "Visions fugitives", eine Musik, die ich eigentlich schon immer gerne choreografieren wollte. Als ich es dann wieder hörte, merkte ich, was für eine spezielle Atmosphäre diese Musik wiedergab. Sie hat etwas Großbürgerliches, etwas sehr Humanes. Sie hat irgend etwas mit Gesellschaft zu tun, wo kein spezifisches Volk gemeint ist. Ich höre z. B. nichts ausgesprochen Russisches aus dieser Musik heraus. Ich sehe Fragmente menschlicher Beziehungen, die weder spezifisch amerikanisch noch russisch noch sonst irgendwie national gefärbt sind. Sie hat für mich auch eine gewisse Traurigkeit, einen Hauch von Nostalgie, die man vielleicht mit Tschechows Stücken vergleichen könnte. Es hat etwas von dem Vergehen von gesellschaftlichen Normen und gesellschaftlichen Formen an sich. Wenigstens für mich - subjektiv gesehen. Auch die bruchstückhafte Art, wie die Stücke komponiert sind - sie sind teilweise sehr kurz -, hat mit der Form meines Balletts sehr viel zu tun: Erinnerungen, Fragmente. Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, diesen Prokofjew als ersten Teil, den Belle-Reve Teil, zu nehmen.

 

Pressestimmen zur Uraufführung in Stuttgart

Ein Ballett wie ein Donnerschlag. Ein Ballett, das bannt wie das Auge der Schlange. Es wirft den bösen Blick auf die Liebe, darin Pasolini näher als Tennesse Williams. Ein Ballet des sensiblen, hochkultivierten John Neumeier, das ich vorsätzlich und bis zum bitteren Ende in Schrecken sielt.
Mit Stuttgarter Ballett zeigt der hamburgische Amerikaner im Stuttgarter Schauspielhaus seine Tanzvision den Tennesse Williams' "Endstation Sehnsucht", und in ihr all das, von dem Dichter den Zuschauer bislang gnädig ausschloss. Das holt nun Neumeier nach und gleich gründlich. Er choreographiert zwei Akte lang den Untergang. Aber Blanche Du Bois ist bei Neumeier durchhaus nicht das einzige Opfer.
Die Welt

Pressestimmen zur Premiere in Hamburg

Diese Premiere wurde zu einem Triumph für John Neumeier und sein Ensemble. Neumeiers "Endstation Sehnsucht" schöpft die größte Überzeugungskraft aus der Schlüssigkeit, mit der die musikalisch-tänzerischen und die szenischen Komponenten ineinander aufgehen. Und sein Tanztheater gewinnt Stärke gerade dort, wo es sich von den unvermeidlichen Erinnerungen an Vorbilder entfernt und unabhängig macht von Tennessee Williams' Psycho-Drama selbst und von Elia Kazans berühmter Verfilmung mit Marlon Brando.
Die Welt

John Neumeiers Ballett "Endstation Sehnsucht" reißt in der Hamburger Premiere die Leute nach zwei Stunden intensivsten Kunsterlebens von den Sitzen. Man konnte meinen, dass die Zeit über das hochdramatisch-sentimentale Stück von Tennessee Williams hinweggegangen sei. Neumeier formt es um zu packenden Bildern vom Verfall eines Menschen. Fast unglaublich, wie die Musik mit dem Tanz übereinstimmt.
Das Urteil: höchste Wertung 6 Sterne
Bild
 

Pressestimmen zur Wiederaufnahme

Wie selten jemand, versteht sich der Hamburger Ballettintendant auf die Übertragung von Theater zu Tanz, Dialog zu Bewegung, auf das Handlungsballett, in dem nicht nur mehrfache Pirouetten gedreht werden und auf den Zehenspitzen balanciert wird, sondern ebenfalls Gesellschaftstänze, Alltags- und Ausdrucksgesten, Mimik, Pantomime, Eingang finden.
Viel ließe sich noch sagen. Die Musik von Sergej Prokofjew und Alfred Schnittke etwa kommt vom Band und vom Klavier, für Neumeiers Choreographie könnte sie kaum passender ausgewählt sein.
Klassik.com

Wie mitreißend die komplexe Handlung auch rein tänzerisch zum Ausdruck gebracht werden kann, bewies 1983 Ballett-Guru John Neumeier, dessen Inszenierung bis 1989 in der Staatsoper aufgeführt wurde. Nun feierte die legendäre Choreografie eine sensationelle Wiederaufnahme in neuer Besetzung.
Fazit: Überwältigend, mitreißend, unbedingt sehenswert.
Hamburger Morgenpost

[…] ein Werk, in dem der geniale Neumeier eine unglaublich reiche Palette an feinsten bis gröbsten Regungen ausbreitet innerhalb eines dramaturgisch stringenten Geschehens.
John Neumeier hat wieder einmal gezeigt, dass er beim Handlungsballett das Maß der Dinge ist und bleibt.
tanznetz.de

Endstation, alle einsteigen bitte.
Als John Neumeier 1983 "Endstation Sehnsucht" nach Tennessee Williams' berühmtem Theaterstück in Stuttgart inszenierte, war er auf dem Höhepunkt seiner choreografischen Erzählkunst angelangt.
Neumeier gelingt auch immer wieder eine beeindruckende Verdichtung.
Die Welt

Scott - Liska
 

Fotos
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