Ein Märchenballett in drei Akten

 

Musik
  Peter I. Tschaikowsky
Traditionelle
Choreografie
  Marius Petipa
Neue Choreografie
Inszenierung
  John Neumeier
Bühnenbild
Kostüme
  Jürgen Rose

2 Pausen - 3 Stunden 15 Min.

Premiere
Hamburg Ballett, Hamburg, 16. Juli 1978

 

Originalbesetzung    
Aurora
  Lynne Charles
Prinz Désiré
  François Klaus
Die Gute Fee
  Colleen Scott
Die Böse Fee
  Max Midinet
Catalabutte
  Kevin Haigen
Prinzessin Florine
  Marianne Kruuse
Die Königin   Beatrice Cordua
Der König   Victor Hughes

 

Die Handlung

Prolog

Während eines Unwetters hat sich Prinz Désiré im Wald verlaufen. Halb ängstlich, halb neugierig fühlt er sich wie von übermenschlichen Mächten umgeben. Die Atmosphäre um ihn herum hat sich sonderbar gewandelt. In der Ferne meint er ein Schloss zu erkennen, und für Sekunden taucht vor seinen Augen die Vision einer schlafenden Prinzessin auf.
Ihm schwindelt.

I. Akt

Als Désiré wieder zu sich kommt, befindet er sich in jenem Schloss; mit ihm im Raum ist eine schöne Frau. Er will sich ihr vorstellen, doch sie reagiert nicht, und er merkt, dass er für sie unsichtbar ist.
Draußen schneit es.
Er sieht die Frau zu einer Wiege gehen und diese in einem hysterischen Anfall umstoßen. Die Wiege ist leer. Ein Mann kommt herein und beruhigt die Frau. Kaum hat er sie verlassen, geht sie zu einem Spiegel und schaut hinein. Im Glas erblickt sie ihr Ebenbild: Es hält ein Kind im Arm. Voll tiefer Freude begreift sie die Bedeutung dieses Wunders: Sie wird endlich ein Kind bekommen.
Wie im Flug vergehen die Jahreszeiten. Der winterlich-kahle Raum wird sommerlich; Lakaien kommen und schmücken ihn zum Fest. Hoftanzmeister Catalabutte beaufsichtigt die Vorbereitungen für die bevorstehende Taufe und gibt letzte Anweisungen. Désiré beobachtet, von den Schlossbewohnern unbemerkt, das Geschehen.
Mit einigen Hofdamen hat Catalabutte zur Feier des Tages ein allegorisches Ballett geprobt, das die kleine Prinzessin verherrlichen soll, die heute auf den Namen Aurora getauft wird. Amüsiert erlebt der Prinz den Einmarsch der Gäste mit. Als letzte betreten die schöne Frau und ihr Mann, in denen Désiré nun König und Königin erkennt, den Saal. Auf Catalabuttes Winken wird das Fest mit dem Ballett "Der Triumph der Morgenröte" fortgesetzt. Hofdamen figurieren als Sterne, von denen jeder eine bestimmte Tugend verkörpert, die dem Kind verliehen werden soll. Alle überstrahlt "Aurora,
die aufgehende Morgenröte".
Nach dem Divertissement löst sich das Fest auf. Mit einem letzten Blick auf ihr langersehntes, heißgeliebtes Kind lässt das Königspaar Aurora in der Obhut der Amme zurück.
Mit Schrecken sieht Désiré durch den Spiegel plötzlich unheimliche Erscheinungen ins Zimmer dringen. Mit furchteinflößenden, magisch beschwörenden Gesten nähern sie sich der Wiege und behexen das Kind: Herangewachsen wird sich die Prinzessin an einem Dorn stechen und sterben. Verzweifelt versucht Désiré das Unheil abzuwenden. Doch da er nicht zu dieser Welt gehört, bleiben seine Bemühungen erfolglos. Machtlos wendet er das Gesicht ab und bedeckt voll Entsetzen die Augen.
Da tritt, von ihm unbemerkt, die gute Fee aus dem Spiegel und bannt den bösen Zauber: Aurora wird nicht sterben, sondern in einhundertjährigen Schlaf sinken, bis der Kuss eines Prinzen sie wieder zum Leben erwecken wird. Als hätte er die Weissagung gespürt, wird Désiré von der Idee ergriffen, Aurora um jeden Preis zu retten. Er dreht sich um, erblickt im Spiegel die erwachsene Aurora und möchte zu ihr eilen.
Auf einmal ist der Spuk verschwunden. Die Königin betritt ahnungslos das Zimmer, um ihr Kind noch einmal anzuschauen und in den Arm zu nehmen.
Verstört sinnt der Prinz dem Erlebten nach.

II. Akt

In flüchtigen Bildern ziehen Auroras Kindheit und Jugend in rascher Folge an Désiré vorbei. Er sieht die Sechsjährige, mit der sich Catalabutte vergeblich abmüht. Sie ist zu jedem Schabernack mehr aufgelegt als zum Tanzunterricht. Er beobachtet die Elfjährige, wie sie lieber mit der Garderobe ihrer Mutter spielt als zu lernen. Und schließlich wohnt er ihrem sechzehnten Geburtstag bei. Er erlebt mit, wie der König seiner Tochter vier fremdländische Prinzen zeigt, die angereist sind, um ihre Hand anzuhalten. Vergeblich versucht er seinerseits, Auroras Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wie für die anderen Schlossbewohner ist er auch für sie unsichtbar.
Draußen beginnt die große Geburtstagsfeier, das Rosenfest. Die Prinzen nehmen es zur Anlass, ihre Werbung vorzubringen. Aber Aurora interessiert sich, zur Erleichterung Désiré: für keinen von ihnen. Nur einmal gelingt es dem ägyptischen Prinzen, mit einer besonders exotischen Rose für kurze Zeit ihr Interesse zu fesseln. Als Aurora sie in die Hand nimm sticht sie sich unversehens an einem der Dornen und sinkt ohnmächtig zu Boden. In tiefstem Schrecken erstarrt der Hof. Nur für Désiré sichtbar, entlarvt sich der Ägypter als der böse Geist, der einst das Kind verhexte.
Langsam erwachen alle aus ihrer Lähmung und scharen sich besorgt um die scheintot daliegende Prinzessin. Der König nimmt seine Tochter auf und trägt sie in ihr Schlafgemach. Da erscheint die gute Fee und erfüllt ihre Weissagung: Sie versenkt den ganzen Hofstaat in Schlaf.
Désiré bleibt gedankenverloren zurück.

III. Akt

Prinz Désiré findet sich allein im Wald wieder. Der Wunsch, mehr von der seltsame Geschichte zu erfahren, beherrscht sein Denken. Ein eigenartiges Traumbild schiebt sich vor sein Auge; er sieht Schattengestalten von Aurora und schließlich sie selbst in ihrer Mitte. Sie scheint ihn zu rufen. Er eilt der Vision nach. Doch sie entgleitet ihm, und ebenso flüchtig, wie es kam, entschwindet das Bild wieder seinem Blick.
Liebe und Sehnsucht im Herzen, beschließt Désiré, Aurora zu erlösen, und bricht zu der verzauberten Schloss auf. Unbeirrt bahnt er sich den Weg durch alle Hindernisse, wie von einem guten Geist geleitet. Er überwältigt die böse Fee, die sich ihm entgegenstellt, und durchschreitet ohne Zögern den Dornenwall, der das Schloss umringt. Zahllose Jüngling sind hier vor ihm zu Tode gekommen.
Unbehelligt gelangt er zum Schloss und steigt die Stufen zu Auroras Schlafgemach empor Lange betrachtet er die Schlafende. Sobald sie sich zu regen beginnt, versteckt er sich Erstaunt stellt Aurora fest, dass sie von verfallendem Mauerwerk und scheintoten Menschen umgeben ist. Sie glaubt, allein zu sein, und bricht vor Entsetzen in Schluchzen aus. Da mach der Prinz dem Spiel ein Ende, nimmt sie in die Arme und küsst sie. Nun erwacht auch de übrige Hof. Man rüstet zur Hochzeit. Catalabutte kümmert sich geschäftig um alles und Phantasiert die ersten Schritte für den am Abend aufzuführenden Brauttanz. In ihren einhundert jährigen Festgewändern versammelt sich die Hochzeitsgesellschaft im Saal. Catalabutte, als Zeremonienmeister ganz in seinem Element, arrangiert die Reihenfolge der Tänze und Intermezzi, die man zur allgemeinen Unterhaltung und Erbauung ausführen will.
Nach einer Polonaise eröffnet das Entree "Amors Segen" das Fest. Als nächste Nummer, in der er selbst auftreten wird, hat Catalabutte das Ballett "Der Blaue Vogel oder Die Befreiung der Prinzessin Florine" vorgesehen. Désirés und Auroras Brauttanz krönt die Feier. Auf der Höhepunkt des anschließenden gemeinsamen Tanzes erfasst den Prinzen ein plötzlicher Taumel.

Epilog

Wie aus einem Traum erwachend, schreckt Désiré auf. Er ist im Wald. Es hat aufgehört zu regnen. Vor ihm liegt auf einer Parkbank ein Mädchen, das zu schlafen scheint.

 

Pressestimmen

Reizvollen Märchenzauber
Hamburger Abendblatt

Dreieinhalb Stunden dauert das Fest, und es ist spannend von der ersten bis zur letzten Sekunden.
Bild

Mit wohltuendem Humor erzählt Neumeier vom Erwachsenwerden Auroras.
Hamburger Morgenpost

Ich behaupte nicht, dass ich alle derzeitigen "Dornröschen" rund um den Erdball gesehen habe, aber von allen, die ich in einem halben Jahrhundert kennengelernt habe, ist dies Hamburger "Dornröschen" das schönste, klügste und zauberhafteste (und obendrein auch noch das humorvollste). So schön kann klassisches Ballett sein, auch heute noch im 21. Jahrhundert - seinen Verächtern zum Trotz!
Horst Koegler, Tanznetz.de

Azzoni - Riggins
 

Fotos

 
Zurückdrucken