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Ballett in drei Akten
Musik |
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Ludwig Minkus
orchestriert von John Lanchbery |
Libretto |
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Marius Petipa
Sergei Chudekoff |
Choreografie
Inszenierung |
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Natalia Makarova
nach Marius Petipa |
Einstudierung |
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Olga Evreinoff |
Bühnenbild |
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Pier Luigi Samaritani |
Kostüme |
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Yolanda Sonnabend |
2 Pausen - 3 Stunden
Uraufführung
Bolschoi Theater, St. Petersburg, 4. Februar 1877
Premiere in Hamburg
Hamburg Ballett, 8. Dezember 2002
| Premierenbesetzung |
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Nikija, Eine Tempeltänzerin |
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Heather Jurgensen |
Solor, ein Krieger |
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Jirí Bubenícek |
Gamsatti,
Tochter des Radschas |
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Anna Polikarpova |
Der Hohe Brahmane |
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Ivan Urban |
Der Radscha Dagmania |
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Sébastien Thill |
Magdaveya, Der Fakir |
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Carsten Jung |
Aya, Gamsattis Diener |
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Ingrid Glindemann |
| Solors Freund |
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Peter Dingle |
| Zwei D'Jampe Tänzerinnen |
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Catherine Dumont
Natalia Horecna |
| Drei Schatten |
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Silvia Azzoni
Catherine Dumont
Joëlle Boulogne |
| Das Bronze-Idol |
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Arsen Megrabian |
"La Bayadère" ist ein glanzvolles Zeugnis für die zeitlose Frische des klassischen Tanzes. Am erstaunlichsten ist wohl, dass das Ballett so modern erscheint. Es ist viel weniger an seine Entstehungszeit gebunden als viele andere Ballette. Als das Kirow-Ballett 1961 zum ersten Mal in Westeuropa auftrat, zeigte es nichts Schöneres und Aufregenderes als die Szene im Schattenreich aus "La Bayadère". Aus der Mitte des Rückprospekts treten nacheinander 32 Bayaderen auf, die sich in Serpentinen bis zur Rampe bewegen, wobei sie eine Arabesque penchée an die andere fügen. Am meisten bewundert man hier, wie Petipa es versteht, mit nur einer brillanten Figur die größte Wirkung zu erzielen.
Als "Makarovas Wundertat" bezeichnete die amerikanische Kritikerin Arlene Croce im New Yorker Magazine die erste westliche Produktion von "La Bayadère". Es "ist ein Ritus, ein Gedicht über den Tanz".
Die Handlung
Das Ballett spielt im legendären Indien. Die Bayadère
oder Tempeltänzerin Nikija und Solor, ein edler Krieger, haben sich
heimlich ewige Liebe geschworen. Doch der Radscha möchte ihn mit
seiner Tochter Gamsatti verheiraten. Solor vergisst, überwältigt
von der Schönheit Gamsattis, sein Liebesversprechen an Nikija. Als
der Radscha durch den Hohen Brahmanen (der Nikija ebenfalls liebt) von
Solors Liebe zu Nikija erfährt, beschließt er die Bayadère
töten zu lassen. Gamsatti versucht Nikija zu überreden Solor
aufzugeben, diese weigert sich jedoch und greift die Prinzessin an, die
nun ebenfalls den Tod der Bayadère beschließt.
Als Nikija bei der Verlobungsfeier von Gamsatti und Solor tanzt, wird
sie von einer Giftschlange gebissen, die in einem Blumenkorb versteckt
war, den sie vom Radscha und seiner Tochter geschickt bekam.
Solor sieht Nikija in einer Vision im Königreich der Schatten. Später
wird er während der Hochzeitszeremonie erneut von dieser Vision überwältigt.
Die Götter sind erzürnt durch den Mord an Nikija, zerstören
den Tempel und vernichten alle darin. Die Seelen von Nikija und Solor
sind in ewiger Liebe vereint.
1. AKT
1. Bild
Der Heilige Hain, vor dem Tempel.
Krieger kehren von der Tiger-Jagd zurück, begleitet von Solor, dem
vornehmsten und mutigsten Krieger im Land. Er bittet sie, ihn allein zu
lassen, um am Heiligen Feuer zu beten. Dann ruft er jedoch nach Magdaveya,
dem Haupt-Fakir, der ihm helfen soll ein Treffen mit der Bayadère
Nikija zu arrangieren. Sie werden durch die Ankunft der Priester und des
Hohen Brahmanen gestört, der Magdaveya befiehlt die anderen Fakire
zu holen und das Heilige Feuer für die Festlichkeiten vorzubereiten.
Die Bayadèren erscheinen, unter ihnen Nikija, die auserwählt
ist, als ihre Anführerin geweiht zu werden. Der Hohe Brahmane gesteht
Nikija, überwältigt von ihrer Schönheit, seine Liebe. Sie
weist ihn, ihn an seine Stellung als Mann Gottes erinnernd, zurück.
Der Hohe Brahmane fühlt sich von ihrer Reaktion zutiefst gekränkt.
Als die Feierlichkeiten beginnen und die Tempeltänzerinnen den Fakiren
Wasser reichen, gelingt es Magdaveya Nikija die Nachricht Solors zu übermitteln.
Nikija willigt einem Treffen ein, doch der Hohe Brahmane hat sie bereits
mit Magdaveya gesehen und ist misstrauisch geworden. Nach Abschluss der
Zeremonie kehren alle in den Tempel zurück. Magdaveya weist Solor
an, sich bis zur Ankunft Nikijas im Wald zu verstecken. Sie erscheint
und die Liebenden schwören sich über dem Heiligen Feuer ewige
Treue. Unbemerkt hat der Hohe Brahmane sie vom Tempel aus beobachtet.
Magdaveya trennt besorgt die Liebenden und der Hohe Brahmane ruft rasend
vor Zorn die Götter an, sie mögen ihm helfen Solor zu vernichten.
2. Bild
Ein Zimmer im Palast
Die Krieger sind in den Palast eingeladen, um Solor zu ehren. Der Radscha
verkündet, dass Solors Lohn für seine Tapferkeit die Hochzeit
mit Gamsatti sein soll. Er präsentiert ihm seine Tochter und als
sie ihren Schleier hebt, ist Solor von ihrer Schönheit überwältigt.
Obgleich er Nikija ewige Treue geschworen hat, kann er weder Gamsattis
Reizen widerstehen, noch sich dem Wunsch des Radschas widersetzen. Das
Erscheinen des Hohen Brahmanen beendet die Zerstreuungen für die
Verlobten. Er möchte den Radscha unter vier Augen sprechen und unterrichtet
ihn von Nikijas und Solors Liebe. Er hatte gehofft, dass der Radscha Solor
töten lassen würde, doch dieser entscheidet, zum Entsetzen des
Hohen Brahmanen, dass Nikija sterben muss. Gamsatti hat die Unterhaltung
belauscht und ruft Nikija zu sich in ihre Gemächer. Sie versucht
Nikija mit Juwelen und Geschenken zu überreden, Solor zu verlassen.
Nikija lehnt ab und versucht verzweifelt Gamsatti zu erdolchen, wird aber
von deren Dienerin Aya daran gehindert. Als Nikija geflohen ist, beschließt
auch Gamsatti, sie zu töten.
3. Bild
Im Palastgarten
Verlobungs-Feierlichkeiten für Gamsatti und Solor. Der Hohe Brahmane
bringt Nikija, die bei der Zeremonie tanzen soll. Sie drückt ihre
Trauer über die Verlobung in ihrem Tanz aus. Aya überreicht
ihr einen Blumenkorb und gibt vor, dass dieser von Solor sei. Nikija freut
sich, doch die Blumen sind in Wirklichkeit vom Radscha und Gamsatti, die
darin eine giftige Schlange versteckt haben. Als Nikija an den Blumen
riecht, wird sie von der Schlange gebissen. Der Hohe Brahmane bietet ihr
ein Gegengift an, bevor sie es nimmt, sieht sie, wie Solor von dem Radscha
und Gamsatti weggeführt wird und beschließt zu sterben.
2. AKT
1. Bild
Solors Zelt
Verzweifelt über Nikijas Tod raucht Solor das Opium, das ihm Magdaveya
gegeben hat, um seinen Schmerz zu betäuben.
2. Bild
Das Königreich der Schatten
Solor halluziniert und hat eine Vision von Nikijas Tod. Er sieht sie im
Königreich der Schatten, ihre Erscheinung vervielfältigt sich
(durch das Corps de ballet). Solor erinnert sich an ihren Liebestanz beim
Heiligen Feuer.
3. Bild
Solors Zelt
Als die Krieger das Zelt betreten, um Solor für die Hochzeit mit
Gamsatti vorzubereiten, verunsichern und quälen ihn die Erscheinungen
aufs Neue.
3. Akt
Der Tempel
Im Schatten des Großen Buddhas tanzt das Bronze-Idol, während
der Hohe Brahmane und die Priester die Hochzeit von Gamsatti und Solor
vorbereiten. Die Verlobten treten ein und die Bayadèren führen
einen rituellen Kerzentanz auf, der an das Heilige Feuer vor dem Tempel
erinnert. Der Radscha, Gamsatti und Solor tanzen, die nur ihm sichtbare
Vision von Nikija quält ihn immer noch. Während des Tanzes erscheint
auf mysteriöse Weise ein Blumenkorb, der dem Geschenk an Nikija gleicht.
Schockiert und überwältigt von Schuldgefühlen drängt
Gamsatti ihren Vater die Hochzeitszeremonie zu vollenden. Der Hohe Brahmane
hält die Zeremonie auf den Stufen des Altars ab, als er die Hände
von Solor und Gamsatti vereint, nehmen die erzürnten Götter
Rache für Nikijas Tod und zerstören den Tempel, alle werden
unter den Ruinen begraben. Die Seelen von Nikija und Solor sind in ewiger
Liebe vereinigt.
Natalia Makarova
Die
russische Ballerina Natalia Makarova wurde in Leningrad geboren. Sie
studierte
am Leningrader Waganowa-lnstitut und trat 1959 dem Kirow Ballett bei.
Sie wurde bald eine der führenden Ballerinen. 1965 gewann sie beim
Ballettwettbewerb in Varna die Goldmedaille. Auf einer England-Tournee
verließ sie 1970 das Kirow Ballett in London und emigrierte in
die USA. Sie debütierte beim American Ballet Theatre (ABT) in der
Rolle der "Giselle". Ihr umfangreiches Repertoire erweiterte
sie durch die Zusammenarbeit mit Choreografen wie George Balanchine,
Antony Tudor, Jerome Robbins und Glen Tetley.
Natalia Makarova trat weltweit als Gasttänzerin mit zahlreichen
bedeutenden Ballett-Compagnien auf, u.a. mit dem Ballett der Pariser
Oper, dem Royal
Ballet in London, dem Kanadischen Nationalballett, dem Stuttgarter Ballett,
dem Königlich Dänischen Ballett, dem London Festival Ballet,
dem Ballett der Scala in Mailand, dem Ballett des 20.Jahrhunderts von
Maurice Béjart sowie mit Roland Petits Marseiller Ballett. Sie
wurde als eine der besten Giselle-Interpretinnen der 70er Jahre bezeichnet.
John Neumeier kreierte 1975 mit ihr und Erik Bruhn "Epilog",
1978 schuf er für sie "Elegie".
1974 inszenierte sie "The Kingdom of the Shades" aus "La
Bayadère" für das ABT. Mit ihrer Inszenierung des vollständigen
Balletts 1980 tanzte das ABT als erste westliche Compagnie dieses Werk.
Makarovas Choreografie beinhaltete, zum ersten Mal seit 1919, eine Rekonstruktion
des letzten Aktes nach Marius Petipa. "La Bayadère" gehört
heute zum Repertoire des Royal Ballet, London, des Königlich
Schwedischen Balletts, des Balletts der Scala in Mailand, des Australian
Ballet, des
Balletts am Teatro Colón in Buenos Aires, des Ballet de Santiago,
des Finnischen Nationalballetts, des Balletts des Teatro Municipal in
Rio de Janeiro und ab der nächsten Spielzeit auch des HAMBURG BALLETT.
1988 trat sie mit einem Ausschnitt aus "Schwanensee" erstmals
wieder mit dem Kirow Ballett auf. Natalia Makarova arbeitete wiederholt
mit der BBC zusammen. So entstand u.a. 1987 die sehr erfolgreiche Serie
"Ballerina". Sie debütierte am Broadway in George Abbots
Musical Komödie "On Your Toes", sie gewann den Tony Award
als beste Schauspielerin in einem Musical sowie sieben weitere Awards,
darunter Laurence Olivier Award erhielt. Ihre Neuproduktion der "Giselle"
hatte 2000 beim Königlich Schwedischen Ballett Premiere. 2001 brachte
sie eine eigene Version des "Schwanensee" am Teatro Municipal
in Rio de Janeiro heraus.
Pressestimmen
Magisch glühende Tanzbilder
Zum ersten Mal wurde "La Bayadère", das Meisterwerk des
klassischen Tanzes, in Hamburg aufgeführt. Es war ein großartiges
Ereignis.
Dieses Ballett enthält Petipas absolutes Meisterwerk, "Das Königreich
der Schatten", das in seiner abstrakten Reinheit in die Moderne verweist ... Diese Arbeit bedeutet nicht nur
eine wichtige Bereicherung des Repertoires, sie hat auch die gesamte Compagnie
technisch wie geistig einen gewaltigen Schritt nach vorn gebracht.
Hamburger Abendblatt, Monika Fabry
Betörendes Tanzwunder: Ballett-Klassiker
"La Bayadère" in Hamburg
Ein indisches Liebesdrama in malerischem Dekor, farbenprächtige
Kostüme, vor allem aber herausragende Tänzer ... Bunte Klunker blitzen verschwenderisch, die Seide der Pfauen-Spitzenröckchen
raschelt und Federn wippen über geschlungenen Turbanen. Es ist, als
ob man in ein Buch mit Gemälden aus dem 19. Jahrhundert blickte:
Die Ballett-Reise nach Indien ist pure Fantasie, das Drama um Liebe, Eifersucht
und Mord, um Sünde und Sühne durch die göttliche Rache
ein ewiger Mythos.
dpa, Ekkehard Rossmann
Bezauberndes Tanzwunder
... [Es ist] heute das märchenhafte
Stück Tanzgeschichte, das immer noch fasziniert. Das detaillierte,
illusionistische Bühnenbild (Pier Luigi Samaritani) und aufwändige,
farbenfrohe Kostüme (Yolanda Sonnabend) sind allein schon ein Fest
der Farben. ...
John Neumeier lud Natalia Makarova ein, den Klassiker mit dem Hamburg
Ballett einzustudieren. Die weltbekannte Tänzerin beruft sich auf
die Urfassung und ergänzt die Choreografie um den letzten, dritten
Akt - der jahrzehntelang weggelassen wurde. ... Ein dreistündiges (Weihnachts-) Märchen
für Tanzliebhaber.
Hamburger Morgenpost, Dagmar Fischer
Im Orientalismustaumel
Makarova macht ein Wunder des Tanzes wahr. Im "Königreich der
Schatten", dem Ballerinenhimmel des weiss erstrahlenden Glitzertülls,
vereinen sich die mittels Giftschlange im Blumenkorb von der Rivalin gemeuchelte
Tempeltänzerin und ihr ungetreuer Krieger Solor zum Adagio brillante:
Es zählt zu den Juwelen der Tanzgeschichte.
Neue Zürcher Zeitung, Klaus Witzeling
Ein getanztes Märchen aus 1001
Nacht
Gigantisches Bühnenbild, Kostüme, die Musik von Ludwig Minkus
und die großartige Leistung des Ballett-Ensembles vereinen sich
zu einem Epos voller Anmut und Glanz. Das Publikum ging nach Hause mit
dem Gefühl, ein Märchen aus "Tausendundeiner Nacht"
erlebt zu haben...
Bild-Zeitung, Lien Kaspari
Märchenzauber runderneuert
"La Bayadère" in der Hamburger Staatsoper
Makarova gelingt es, in historisch authentischer Perspektive den Märchenzauber
zu erneuern; doch man muss sich ihm ganz ausliefern. Denn die Choreographin
verfolgt die Tradition mit letzter Konsequenz, bis hinein in die letzte
Fußspitze.
Kieler Narichten, Claudia Müller
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