Ballette von John Neumeier

 

Time After Time
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, 1936

Nachtskizzen
Tanzsuite, 1923

Winterwege
Concerto for Orchestra, 1943

 

Musik
  Béla Bartók
Choreografie
  John Neumeier
Bühnenbild
Kostüme
  Hans-Martin Scholder

 

Uraufführung
Hamburg Ballett, Hamburg, 13. Dezember 1998

Originalbesetzung
  Silvia Azzoni
Joëlle Boulogne
Laura Cazzaniga
Rose Gad
Heather Jurgensen
Elizabeth Loscavio
Anna Polikarpova
Adelá Pollertová
Alexander Auld
Jirí Bubenícek
Otto Bubenícek
Maximiliano Guerra (Gast)
Carsten Jung
Jacopo Munari
Alexandre Riabko
Lloyd Riggins
Ivan Urban

 

Musik Gedicht Tanz
Tanz Musik Gedicht
Gedicht Tanz Musik
Musik Tanz Gedicht
Gedicht Musik Tanz
Tanz Gedicht Musik
Musik Tanz Bild
Bilder Bartók Bilder

J.N.

 

Unter dem Titel "Bartók-Bilder" stellt John Neumeier einen Abend aus drei sinfonischen Balletten zusammen inspiriert von der Musik Bartóks. Béla Bartók gehört zu den herausragenden Komponisten dieses Jahrhunderts. Seine Musik besticht in ihrer wegweisenden Modernität und starken Emotionalität, verwendet gleichzeitig auch viele volksmusikhafte Elemente. Durch diese drei Eigenschaften ist sie als Ballettmusik geradezu ideal. Für seine erste Zusammenarbeit mit John Neumeier und dem HAMBURG BALLETT war es der Vorschlag des neuen Generalmusikdirektors Ingo Metzmacher, einen Bartókabend zu machen. Eine Herausforderung auch für Neumeier, der erst einmal eine Szene zu Musik von Bartók choreografierte, und zwar in seinem Ballett "Medea". Auf dem Programm die "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta", die "Tanzsuite" und das "Konzert für Orchester".

In allem, was ich in meinem Leben gemacht habe, war ich es gewohnt, mich auf das Momentane, das Wesentliche, das Wichtige zu konzentrieren. Das heißt, ich spekuliere nicht über das, was kommt. Mit jeder neuen Choreografie begeben sich die Tänzer und ich auf Glatteis.

Ich merke immer mehr, wie unmöglich es ist, Choreografie zu beschreiben. Choreografie ist nichts, was einen Gedanken nacherzählt, sondern eine Form, die einen Betrachter zum Denken anregt - im nachhinein. Choreografie ist etwas, das in einem entsteht im Augenblick der Bewegung, aus Empfindung für einen anderen Menschen, für Musik oder für etwas, das einem das Herz bewegt, sei es die Herald Tribune oder ein Stück von Anton Tschechow. Ein solches Gefühl lässt sich nicht vorformulieren, sondern es überwältigt den Betroffenen, ohne dass er von diesem Gefühl zuvor eine Ahnung hatte. Das ist das Wunder.

Über Schritte, Bewegungen, Situationen, die ich am Nachmittag gut finde, hätte ich am Vormittag, da sie entstanden, kein Wort sagen, geschweige sie beschreiben können. Es ist mir immer mehr unmöglich vor einer Kreation dem Tänzer zu sagen, "was" wir machen, selbst nicht im Moment des Choreografierens...

...einmal nicht sagen müssen, was man machen wird, einmal sich nur dem widmen, was gerade ist. Für morgen planen und vorbereiten, aber das nicht benennen, was noch keine Gestalt angenommen hat. Was immer ich heute sage - und damit festlege - Titel, Musik, Idee, - nimmt es nicht dem Ballett das Eigentliche, dass es genuin in sich trägt und das es so unverwechselbar macht: sein kreatives Potential, seine schöpferische Kraft, eben die Tatsache, dass es erst in der Probe und mit den Menschen entsteht... ein unbekanntes Werk selbst für den, der es macht.
John Neumeier

 

Das Wesentliche ist das, was man nicht weiß. Das Wesentliche ist das, was man erst im nachhinein versteht.
John Neumeier

 

Pressestimmen

Dem Wunderwerk ... [von Bartóks] Orchesterkomposition von 1936 setzte Neumeier die originellsten Einfälle entgegen. Ungewöhnlich allein schon das aus dem Dunkel wachsende Schreiten einer Mädchen-Riege, die sich bei fortlaufendem Einsatz des chromatischen Fugenthemas zwingend zur Spirale formiert, ehe der Fächer wieder zusammenschlägt. Schritt für Schritt, "Time after Time", wie Neumeier sein erstes Bartók-Tableau nennt ...
Kläre Warnecke, Die Welt

Neumeiers meisterhafte choreografische Umsetzung der drei Werke, denen er eigene poetische Titel gab, basierte auf einem einzigen Thema, das sich freilich in vielerlei Varianten widerspiegelte: Poetische Begegnungen zwischen Mann und Frau. ... Um diese Emotionen erkennbar zu machen, scheinen Neumeiers choreografische Handschrift und sein tänzerisches Vokabular noch immer weiter zu reifen, denn selbst intimste Gefühlsnuancen konkretisierten sich hier in prägnantem Ausdruck.
Simon Neubauer, Weserkurier

Das Bewegungsrepertoire, das das Hamburger Ballett jetzt zeigt, wirkt in weiten Teilen wohltuend neu. Mit den hervorragenden und ausdrucksstarken Leistungen der Solisten geraten die "Bartók-Bilder" Neumeiers zu einem schönen und hochinteressanten Tanztheater-Abend.
Sabine Volkhardt-Ferrer, Neue Westfälische

Als Produktion rangieren diese "Bartók-Bilder" eindeutig in der Tradition des Hamburger Mahler-Ballette von Neumeier, mit deren besten Hervorbringungen sie es sehr wohl aufnehmen können ...
Horst Koegler, Stuttgarter Zeitung

Ästhetische Reduktion und feine Seelenschwingung – die Leitlinie des Dreiteilers.
Malve Gradinger, Münchner Merkur

Cazzaniga - Urban
 

 
Zurückdrucken