Kent Nagano gilt als einer der herausragenden Dirigenten sowohl für das Opern- als auch das Orchesterrepertoire. Seit der Spielzeit 2015/2016 ist er Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburger Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Zudem ist er seit 2006 Music Director des Orchestre symphonique de Montréal und seit 2013 Artistic Advisor und Principal Guest Conductor der Göteborger Symfoniker.

Im Bewusstsein der bedeutenden Tradition der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters möchte Kent Nagano gemeinsam mit Opern- und Orchesterintendant Georges Delnon im Spannungsfeld zwischen sorgsamer Pflege eines breiten Repertoires und markanter Leidenschaft für das Neue ein eigenes und erkennbares Profil für die Musikstadt Hamburg entwickeln.

Höhepunkte der ersten Spielzeit in Hamburg sind die Premiere der Oper "Les Troyens" von Hector Berlioz und die Uraufführung von "Stilles Meer" von Toshio Hosokawa sowie die erste Philharmonische Akademie St. Michaelis, ein von Nagano gegründetes Projekt in der Tradition der musikalischen Akademien des 18./19. Jahrhunderts. Unter der Leitung von Kent Nagano finden im Rahmen des Internationalen Musikfests Hamburg 2016 zwei Großprojekte statt: neben einer Inszenierung von Bachs "Matthäus-Passion" in der Regie von Romeo Castellucci leitet Kent Nagano auch zwei Aufführung des "Requiems" von Johannes Brahms und kontrastiert diese mit "Répons", einem zentralen Werk des diesjährigen Hamburger Bach-Preisträgers Pierre Boulez.

Als vielgefragter Gastdirigent arbeitet Kent Nagano weltweit mit den führenden internationalen Orchestern, u.a. mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Münchner Philharmonikern, dem London Symphony Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem WDR-Sinfonieorchester, Concerto Köln, dem Finnischen Rundfunkorchester, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und bei den Wiener Festwochen. Seit 2014 gestaltet er im Rahmen der AUDI-Sommerkonzerte ein eigenes Festival, das Vorsprung-Festival. Mit Sony Classical verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit, aber auch bei Erato, Teldec, Pentatone, Deutsche Grammophon und Harmonia Mundi hat er CDs eingespielt. Für seine Aufnahmen von Busonis "Doktor Faust" mit der Opéra National de Lyon, Prokofjews "Peter und der Wolf" mit dem Russian National Orchestra sowie Saariahos "L'amour de loin" mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin wurde er mit Grammys ausgezeichnet.

Ein Höhepunkt der Zusammenarbeit mit dem Orchestre symphonique de Montréal war die Einweihung des neuen Konzertsaals Maison symphonique im September 2011. Zusammen mit dem Orchester hat Kent Nagano die kompletten Zyklen der Symphonien von Beethoven und Mahler, Schönbergs "Gurrelieder", konzertante Versionen von Wagners "Tannhäuser"," Tristan und Isolde" und "Das Rheingold", Honegger’s "Jeanne d’Arc au Bûcher" sowie Messiaens "Saint François d’Assise" aufgeführt. Anfang 2015 wurde eine Fünfjahres-Kooperation mit Decca bekannt gegeben.

Während seiner Zeit als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper in München von 2006 bis 2013 hat Kent Nagano deutliche Akzente gesetzt. Unter seiner musikalischen Leitung wurden die Opern "Babylon" von Jörg Widmann, "Das Gehege" von Wolfgang Rihm und "Alice in Wonderland" von Unsuk Chin erfolgreich uraufgeführt. Darüber hinaus leitete er Neuproduktionen von Mussorgskys "Boris Godunow" und "Chowanschtschina", Mozarts "Idomeneo", Tschaikowskis "Eugen Onegin", Strauss' "Ariadne auf Naxos" und "Die Schweigsame Frau", Poulencs "Dialogues des Carmelites", Messiaens "Saint François d’Assise", Bergs "Wozzeck", George Benjamins "Written on skin" und Wagners "Der Ring des Nibelungen".

Eine wichtige Station in Naganos Laufbahn war seine Zeit als künstlerischer Leiter und Chefdirigent beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin von 2000 bis 2006. Sie führten u.a. Schönbergs "Moses und Aron" auf (in Zusammenarbeit mit der Los Angeles Opera) und gastierten bei den Salzburger Festspielen mit Zemlinskys "Der König Kandaules" und Schrekers "Die Gezeichneten" sowie beim Festspielhaus Baden-Baden mit "Parsifal" (2004) und "Lohengrin" (2006), inszeniert von Nikolaus Lehnhoff. Zu Naganos Aufnahmen mit dem Orchester gehören Bernsteins "Mass", Bruckners 3. und 6. Symphonie, Beethovens "Christus am Ölberge", Wolfs "Mörike-Lieder", Mahlers 8. Symphonie, Schönbergs "Jakobsleiter" und "Friede auf Erden" sowie Johannes Brahms Symphonie Nr. 4 und Arnold Schönbergs "Variationen für Orchester op. 31", erschienen bei Harmonia Mundi.

Als gebürtiger Kalifornier hält Kent Nagano engen Kontakt zu seiner Heimat. 2003 wurde Nagano zum ersten Music Director der Los Angeles Opera ernannt, nachdem er bereits zwei Jahre lang Principal Conductor der Oper gewesen war. Von 1978 bis 2009 war er Music Director beim Berkeley Symphony Orchestra und ist dort weiterhin als Conductor Laureate tätig. Seine ersten großen Erfolge feierte er 1984 beim Boston Symphony Orchestra, als Messiaen ihn für die Uraufführung seiner Oper "Saint François d’Assise" zum Assistenten des Dirigenten Seiji Ozawas ernannte. Sein Erfolg in den USA führte zu Berufungen in Europa: von 1988 bis 1998 war er Music Director der Opéra National de Lyon und von 1991 bis 2000 Music Director des Hallé Orchestra.

     

 
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