© Luciano Romano

 
"Seitdem ich ein kleiner Junge war, war es mein Ziel, immer und vollständig von Musik umgeben zu sein. Mein Traum war es, nichts zu verpassen. Daher habe ich mich auch nie auf eine einzelne musikalische Disziplin beschränkt. Ich liebe das Spielen, das Dirigieren, das Singen und das Schreiben gleichermaßen – in allen Stilen. Ich war offen für alles, und das nicht nur teilweise. Ganz im Gegenteil: Ich habe all diese Aktivitäten gleichzeitig unternommen, ernsthaft, ehrlich und mit großer Hingabe." Mit diesen Worten beschreibt der 1932 in Paris geborene Michel Legrand seine künstlerische Identität. Als Komponist, Dirigent, Pianist, Sänger, Schriftsteller und Produzent hat er über Genregrenzen hinweg gearbeitet: Jazz, Klassik und Easy Listening. Nach Abschluss seines Kompositions- und Klavierstudiums am Pariser Konservatorium (u.a. bei Nadia Boulanger, Henri Challan und Noël Gallon) begann er zunächst unter anderem als Klavierbegleiter von Chansoniers, darunter Maurice Chevalier, zu arbeiten. Seine erste Solo-LP "I love Paris" schaffte es 1954 bis an die Spitze die US-Album-Charts. In den 1950er-Jahren begann er damit, für die Sänger, die er begleitete, auch zu komponieren. Mit der Musik zu "Les Amants du Tage" von Henri Verneuil schuf er 1955 seine erste Filmmusik. Wenig später wurde der mit seinen Kompositionen für Filme von Jean-Luc Godard, Agnès Varda, François Reichenbach and Jacques Demy einer der Protagonisten des jungen französischen Kinos.

1964 steuerte er die Filmmusik zu Demys "Die Regenschirme von Cherbourg" bei – ein heute als revolutionär geltendes filmisches Musical, das komplett gesungen wurde. Zwei Jahre später folgte "Die Mädchen von Rochefort", ebenfalls mit Demy. Diese Filme bildeten die Basis für seine internationale Karriere. Er komponierte in der Folge unter anderem die Musik für Norman Jewisons "Thomas Crown ist nicht zu fassen" (1968), einschließlich seines wohl bekanntesten Songs "The Windmills of Your Mind", zu Jacques Derays "Der Schwimmingpool" (1968) mit Romy Schneider und Alain Delon, Richard Lesters "Musketiere"-Filme (1973 und 1974) und für zahlreiche andere Produktionen. In den 1980er-Jahren folgten unter anderem "Yentl" (1983, Barbra Streisand) und der James-Bond-Film "Sag Niemals Nie" (1983, Irvin Kershner), in den 1990er- und 2000er-Jahren "Prêt-à-Porter" (1994, Robert Altman) und "And now… Ladies and Gentlemen" (2002, Claude Lelouch). Legrand wurde insgesamt dreizehn Mal für den Oscar und mehrfach für den Golden Globe nominiert. Dreimal erhielt er den Oscar: für die Filmmusiken von "Frühling einen Sommer lang" (1971, Robert Mulligan) und "Yentl" sowie in der Kategorie "Bester Song" für "The Windmills of Your Mind", der auch mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde.

Daneben komponierte Michel Legrand auch für TV-Produktionen (u.a. für die "Es war einmal …"-Serien) und Musicals ("AMOUR", 2003; "Marguerite", 2008) und produzierte Jazz-Alben. Songs wie "Watch What Happens" oder "What Are You Doing for the Rest of Your Life?" sind zu Jazz Standards geworden, die zahlreiche Interpreten gefunden haben. Legrand arbeitete mit so unterschiedlichen Musikern wie Neil Diamond, Barbra Streisand, Jessye Norman, Miles Davis, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Kiri Te Kanawa, Perry Como und Ray Charles zusammen. Als Dirigent stand er zahlreichen namhaften Orchestern vor und spielte als Pianist Werke von Erik Satie, Aaron Copland, George Gershwin und anderen ein.

Michel Legrands jüngste CD-Einspielungen als Pianist sind "Paris Jazz Piano" (2011) und "Legrand Jazz & L'Ascenceur pour l'Echafaud" (2009).

Er erhielt den "Benois de la Danse 2012" für seine Komposition der Musik für John Neumeiers Liliom.

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